Durch technische Strukturen sind Patienten mit dem Spital vernetzt.

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Krankenhäuser sind keine Orte, an denen Menschen sich gerne aufhalten. Im Gegenteil: Jeder schläft im eigenen Bett immer noch am besten und will – wenn immer es möglich ist – einen Aufenthalt im Spital so kurz wie nötig halten. Das Problem dabei ist das Gesundheitssystem: Die meisten Krankenhäuser verdienen durch eine starke Bettenauslastung und an teuren Operationen.

Einer, der dagegen ankämpft, ist Gregor Zünd, Leiter des Universitätsspitals Zürich. Die täglich wichtigste Frage für ihn: "Haben wir im Vergleich zum Vorjahr mehr oder weniger stationäre Patienten, und bleiben sie länger oder weniger lang?" Er will, dass sie kürzer bleiben. Beim Careum-Dialog zur digitalen Transformation in der Gesundheitswelt äußerte er eine kühne These: "Manchmal muss man einfach ins Machen kommen", sagte er, "anstatt zu warten, dass etwas von außen kommt."

Neue Art von Versorgung

Sein Plan: Er möchte – obwohl das Schweizer System das nicht vorsieht – sein medizinisches Personal auf Tour zu den Patienten schicken und damit eine neue Art von Versorgung erfinden. Krebspatienten könnten zu Hause ihre Therapien verabreicht bekommen, blieben aber durch technische Infrastruktur eng mit dem Spital vernetzt. Zünd nennt das "patientenorientierte Versorgung". Denn, und auch das wirft er ein: Krankenhäuser sind bekanntermaßen Umschlagplätze für Spitalskeime – das sind jene Bakterien, die gegen Antibiotika resistent und besonders für Patienten mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sind. Blieben sie zu Hause, wären sie oft auch sicherer.

Wer weiterhin ins Spital kommen soll? Notfälle, Intensivpatienten und Menschen, die sich Operationen unterziehen müssen. Aber sogar sie sollen schneller als bisher wieder nach Hause – auch hier will Zünd am Universitätsspital Zürich Pionierarbeit leisten. (Karin Pollack, 23.5.2019)