ÖH-Wahl 2019: Gras-Kandidatinnen Adrijana Novakovic und Dietlinde Oberklammer
DER STANDARD

Darf ich dich auf Obst und Kuchen einladen?", fragt Dietlinde Oberklammer einen Studenten, der gerade aus einem Hörsaal am Campus der Uni Wien kommt. Ein paar Meter hinter ihr hat ihre Organisation, die Grünen und Alternativen Studierenden (Gras), einen Infostand aufgebaut. Mit Karotten, Äpfeln und Kuchen versuchen sie, Studenten in ein Gespräch über die anstehenden ÖH-Wahlen zu verwickeln.

Die grüne Studentenfraktion befindet sich mitten im Wahlkampf. Oberklammer (26) ist eine Hälfte der Doppelspitze, die die Gras heuer in die Wahlauseinandersetzung schickt. An ihrer Seite steht die 23-jährige Adrijana Novakovic. Erst am Vorabend sind die beiden von einer Bundesländertour nach Wien zurückgekehrt. "Rechtzeitig zur Donnerstagsdemo", sagt Novakovic. Beide besuchen die Demonstration regelmäßig, sofern es das Zeitbudget zulässt. Sie fordern eine "laute, politische ÖH", die sich "gegen die Politik von Schwarz-Blau" einsetzt.

Seit etwa zwei Jahren engagieren sich Oberklammer und Novakovic bei der Gras – und beide sind bereits in ÖH-Funktionen tätig. Seit 2001 ist die Gras – mit Ausnahme einer kleinen Unterbrechung von 2008 bis 2009 – in der Exekutive der ÖH-Bundesvertretung. Dass sich die ÖH zu sehr um Allgemeinpolitik und zu wenig um die Interessen der Studierenden kümmert, ist ein Vorwurf, mit dem sie öfters konfrontiert werden. "Studierende sind Teil der Gesellschaft", sagt Novakovic. Es mache keinen Sinn, die Uni als separaten Mikrokosmos zu betrachten.

Die Gras-Spitze: Adrijana Novakovic (li.) und Dietlinde Oberklammer.
Foto: Ayham Yossef

Psychologiestudent Benjamin ist vorbeigekommen, um sich ein Stück Kuchen abzuholen. Dass er wählen geht, steht für ihn fest – wen, weiß er aber noch nicht. "Ich schwanke zwischen VSStÖ und Gras", sagt der 21-Jährige. "Ich finde es gut, dass sich beide Fraktionen zu bundespolitischen Themen äußern.

Was die Gras von den anderen linken Fraktionen unterscheide? "Wir setzen uns seit Jahren dafür ein, dass etwas gegen die Klimakrise getan wird", sagt Kandidatin Oberklammer, die Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement studiert. "Für uns ist das kein Wahlkampfgag." Sie fordern etwa die Digitalisierung von Lehrmaterial ("statt Bäume zu fällen") und die Reduzierung von Plastik. Außerdem im Forderungskatalog: Frauenförderung, keine Zugangsbeschränkungen, mehr Wahlfächer.

Linke Koalition als Ziel

Bei der Wahl 2017 hatte die Gras deutliche Verluste zu verzeichnen und landete mit neun Mandaten auf dem dritten Platz hinter der Aktionsgemeinschaft und dem Verband sozialistischer Student_innen. Ein interner Streit rund um die Abspaltung einzelner Hochschulgruppen (Grüne Studierende) dominierte den Wahlkampf. Sie wurden von der Parteijugend Junge Grüne unterstützt, die anschließend aus der Partei ausgeschlossen wurde. Die Grünen Studierenden werden heuer aber nicht mehr antreten.

Das Wahlziel hat sich die Gras demnach hochgesteckt. "Mindestens zwei bis drei Mandate" wolle man hinzugewinnen, sagt Novakovic. Damit wäre die Gras wieder bei ihrem Ergebnis von 2015.

Ob Oberklammer oder Novakovic im Falle des Zustandekommens einer Koalition mit Beteiligung der Gras in das Vorsitzteam einzieht, hat man "noch nicht geklärt". Eine Zusammenarbeit schließe man nur mit dem Ring freiheitlicher Studenten (RFS) aus. In jedem Fall strebe man aber "natürlich eine linke Koalition an", sagt Novakovic. (Vanessa Gaigg, Video: Laura Fleischmann, Ayham Yossef, 18.4.2019)