Versicherungspolizzen aktuell halten kann sich lohnen. Wer eine Unterdeckung riskiert, kann im Schadensfall auf einem Verlust sitzen bleiben.

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Eine Versicherungspolizze, sobald abgeschlossen, landet oft in einer Mappe oder Lade. Dort liegt sie dann. Für Monate und Jahre. Selten wird daran gedacht, die Polizzen einem Check zu unterziehen. Dabei kann sich eine nichtaktualisierte oder eine nicht an geänderte Lebensumstände angepasste Versicherung im Ernstfall für den Versicherten zum Nachteil erweisen. Dann nämlich, wenn eine Unterversicherung gegeben ist.

Abgeschlossene Versicherungen sollten daher nicht dauerhaft ins mentale Abseits gestellt werden. Experten der Wiener Städtischen raten dazu, mindestens alle zwei Jahre den Umfang des Versicherungsschutzes zu überprüfen. Denn neben der Unterversorgung kann es auch zu Vorsorgelücken kommen, ebenso kann es durch neue Umstände neue Risiken geben, an die bisher nicht gedacht worden ist. "Jede Lebenssituation hat ihre Besonderheiten", erklärt Doris Wendler, Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen Versicherung. Vorsorge und Absicherung spielten hier eine große Rolle. Denn so schnell wie die Lebensumstände können sich auch die Bedürfnisse im Hinblick auf Sicherheits- und Vorsorgelösungen ändern.

Wichtige Fragen

Wer seine Versicherungen einem Check unterzieht, sollte sich fragen, welcher Absicherungsbedarf gegeben ist, ob die vorhandenen Lösungen noch den Bedürfnissen entsprechen, etwas zusätzlich abgesichert werden muss oder etwas weggefallen ist. "Gründe für einen Anpassungsbedarf gibt es immer wieder", erklärt Wendler. Sie verweist auf die oft aufgeschobenen Vorsorgebereiche wie Gesundheit, Einkommensabsicherung, Pension oder Pflege. Gerne übersehen würden auch Änderungen im Haushalt, etwa die Ausstattung, Kinder, die hinzukommen oder flügge werden, oder auch neue Risiken, wie sie sich etwa durch die Digitalisierung ergeben.

Die häufigsten Risken sind:

  • Unterversicherung Wer seine Polizzen nicht aktuell hält, läuft Gefahr, im Schadensfall auf Verlusten sitzenzubleiben. Laufende Anpassungen sind die Voraussetzung dafür, dass Schäden – etwa im Haushalt – voll gedeckt bleiben. Wird das Eigenheim im Laufe der Jahre mit teurem Entertainmentequipment, Möbeln höherer Preisklasse oder Kunstgegenständen ausgestattet und die Versicherung nicht entsprechend angepasst, droht eine Lücke zwischen Versicherungssumme und möglichem Schadenswert. "Durch eine Unterversicherung kann sich bei der Haushaltsversicherung eine Differenz im fünfstelligen Bereich ergeben", warnt Wendler.

  • Geänderte Bedürfnisse Veränderungen bedeuten nicht, dass bestehende Verträge über den Haufen geworfen werden müssen. "Viele Verträge sind anpassbar, oft gibt es mittlerweile auch bessere Alternativen", sagt Wendler. Studentenwohnungen etwa können bis zum 27. Lebensjahr des Kinds statt separat günstig bei den Eltern mitversichert werden, und durch die Anschaffung einer Sicherheitstüre und/oder Alarmanlage kann bei Eigenheimen Prämie gespart werden. Auch im Bereich der Kfz-Versicherungen gibt es Boni (bei der Städtischen etwa Umwelt-, Klima- und Familienbonus), die ausgenutzt werden können.

  • Vom richtigen Zeitpunkt Die Absicherung des Hab und Guts ist für die meisten Menschen selbstverständlich. Andere persönliche Bereiche – Berufsunfähigkeit, Pflegebedarf, Pension – werden gerne auf später verschoben. Damit aus "später" nicht "zu spät" wird, sollten Berater immer dokumentieren, was beim nächsten Termin wieder besprochen werden soll, rät Wendler, damit die Themen nicht übersehen werden.

  • Neue Gefahren Ändern können sich nicht nur die Lebensumstände, es ergeben sich auch neue Risiken. Aktuell zählen hier jene aufgrund der Digitalisierung hinzu. Laut Statistik Austria waren 89 Prozent der österreichischen Haushalte 2018 mit einem Internetzugang ausgestattet. Das bedeutet, dass jeder dieser Haushalte auch den Gefahren aus dem Netz ausgesetzt ist – also einem Einbruch auf digitalem Weg. Mittlerweile hat fast jede Versicherung auch hier eine Lösung parat. So kann etwa die Haushaltsversicherung mit einem Baustein erweitert werden. Achtung: Auch Rechtsschutzversicherungen müssen für die Abdeckung digitaler Risiken eventuell angepasst werden, "damit sie etwa bei rechtlichen Problemen via Netz – wie Mobbing, Stalking oder Datenmissbrauch – Hilfe bieten", sagt Wendler. (Bettina Pfluger, 20.4.2019)