Machtdemonstration für Aleksandar Vučić.

Foto: Reuters / Marko Djurica

Nicht nur der ungarische Außenminister Peter Szijjártó war nach Belgrad gereist, um den starken Mann Serbiens zu unterstützen. Auch Milorad Dodik, Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums, hörte andächtig zu, und sogar aus Wien kamen offenkundig Anhänger von Aleksandar Vučić. Sie hatten ein Banner mitgebracht, auf dem stand: "Wien liebt Vučić", links war die serbische, rechts die österreichische Flagge zu sehen.

Der Kult um den serbischen Präsidenten hat Ausmaße erreicht, die man vergleichsweise noch bei seinem türkischen Amtskollegen Tayyip Erdoğan finden kann. Am Freitag reisten zehntausende Serben nach Belgrad, um ihre Loyalität für Vučić auch auf der Straße auszudrücken. Die regierende Fortschrittspartei, die von Vučić geführt wird, obwohl er gleichzeitig Staatspräsident ist, wollte damit ihre Macht demonstrieren.

Denn seit Monaten gehen jeden Samstag in den serbischen Städten Vučić-Kritiker auf die Straße. Die Partei will nun mit der Massenkundgebung zeigen, wie viel mehr Anhänger des Präsidenten es im Land gibt. Ähnliche Massenveranstaltungen gab es in den 1980er-Jahren mit und für Präsident Slobodan Milošević.

Dessen verstorbene Witwe Mirjana Marković wurde übrigens am Samstag in Požarevac beigesetzt. Sie war in Moskau an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Marković hatte sich 2003 nach Russland abgesetzt, um sich der Strafverfolgung in Serbien wegen Amtsmissbrauchs und anderer Vergehen zu entziehen.

Kein Dialog mit Zöllen

Bei der Massenveranstaltung in Belgrad jedenfalls sprach Vučić über die Einigkeit des serbischen "Volkskörpers" jenseits von staatlichen Grenzen, lobte ein paar Jugendliche, die zu Fuß aus dem Kosovo nach Belgrad gewandert waren, sagte, dass er keinen Krieg wolle, und betonte, dass er den Dialog mit dem Kosovo nicht aufnehmen würde, solange dort 100-Prozent-Zölle für serbische Waren aufrecht blieben.

Vučić versprach auch weiteres Wirtschaftswachstum. "Aco, der Serbe" riefen ihm die Teilnehmer der Veranstaltung unter Bezugnahme auf die Kurzform seines Vornamens Aleksandar zu. Einige Medien hatten berichtet, dass Mitarbeiter des öffentlichen Diensts aufgefordert worden seien, zu der Veranstaltung zu kommen. Doch viele sind auch ohne Druck angereist. Vučić ist tatsächlich sehr populär. Seine Partei erreicht in Umfragen 55 Prozent.

Aber er hat auch Gegner. Am Samstag gingen wieder sie auf die Straße. Sie werfen ihm vor, seine Befugnisse zu überschreiten und als eigentlicher Regierungschef zu agieren, obwohl er Präsident ist. Viele Demonstranten fordern auch mehr Medienfreiheit. Der Parteienzusammenschluss "Bund für Serbien" will eine gemeinsame Kommission mit der Regierung, um Bedingungen für freie und faire Wahlen auszuhandeln. Zudem fordert sie eine Neubestellung der Geschäftsführung des öffentlichen Fernsehens.

Späße über Vulin

Die Regierung reagiert auf die Samstagsdemonstrationen zunehmend irritiert. Verteidigungsminister Aleksandar Vulin hatte vor einigen Tagen sogar angekündigt, wegen der "Gewalt" der Demonstranten gemeinsam mit Abgeordneten in Hungerstreik zu treten. Doch kurz daraufhin überlegte es sich Vulin doch anders und sagte, er werde nun seinen Hungerstreik verschieben, weil er mit Vučić gesprochen habe.

Manche Serben machten sich auf Twitter lustig über Vulin und seinen Hungerstreikrückzug. Die Gewerkschaft der Armee kündigte an, sich an dem Hungerstreik zu beteiligen, weil unter Vulin die Gewerkschaftsrechte nicht beachtet würden. (Adelheid Wölfl, 22.4.2019)