Der Launch des Galaxy Fold wird verschoben.

Foto: Kelvin Chan / AP

Der Weg zum Eingeständnis des Unausweichlichen ist oftmals kein ganz leichter. Und das gilt offenbar auch für große Konzerne. Hatte Samsung nach den ersten Berichten über schwere Probleme mit dem Display des Galaxy Fold noch betont, dass am anvisierten Marktstart festgehalten werde, sickerte am Montag dann durch, dass in einigen Ländern geplante Launch-Events abgesagt wurden. Nun folgt, was für viele Außenstehende schon in der Vorwoche klar war.

Untersuchung statt Verkauf

Samsung hat den Marktstart seines faltbaren Smartphones auf unbestimmte Zeit verschoben. In den kommenden Wochen wolle man die beschädigten Geräte noch weiter untersuchen, um daraus Schlüsse für weitere Verbesserungen an der Hardware zu ziehen. Erst danach soll dann ein neuer Termin für die Veröffentlichung des rund 2.000 Euro teuren Geräts festgelegt werden.

Tech Next

Dieser Entscheidung folgen Berichte mehrerer Tester, bei denen das Display des Galaxy Fold bereits innerhalb von 48 Stunden defekt war. Die Ursachen dafür waren zum Teil unterschiedlich, das Bild eines sehr fragilen Geräts verfestigte sich aber schnell. Samsung betont nun, dass man weitere Schritte setzen will, um den Display-Schutz weiter zu stärken. Zudem wolle man klarer machen, dass die Folie mit der der Bildschirm des Galaxy Fold ausgeliefert ist, nicht abziehbar ist, wie es sonst bei Smartphones der Fall ist. Entsprechende Versuche von Testern hatten einen Teil der Beschädigungen ausgelöst, da auf diesen Umstand an keiner Stelle hingewiesen wurde.

Scharnier

Samsung gesteht in dem Statement aber noch weitere Probleme ein. So scheint etwa eine der Beschädigungen über jenes Scharnier passiert zu sein, das die beiden Display-Hälften verbindet. Dazu komme noch ein Vorfall, bei dem nicht näher definierte Substanzen ins Gerät gelangt sind und negative Auswirkungen auf die Performance des Bildschirms hatten, wie der Hardwarehersteller ausführt.

Analyse

Für Samsung kommt der Vorfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen sieht sich aktuell mit schwindenden Marktanteilen konfrontiert, wovon vor allem chinesische Konkurrenten profitieren. So schickt sich Huawei derzeit an, Samsung die Position als weltweit größter Smartphonehersteller abzunehmen. In dieser Situation galt es für Samsung also, seine Innovationsfähigkeit zu demonstrieren – mit dem Galaxy Fold als Resultat.

Der Rückzug des Geräts ist insofern ein schwerer Rückschlag für Samsung. Zumal Huawei selbst mit dem Mate X an einem eigenen faltbaren Smartphone arbeitet, das bereits im Juni auf den Markt kommen soll. Dass Samsung nun mit der Notbremse reagiert, zeigt gleichzeitig aber auch, dass man aus der Vergangenheit gelernt hat. Gerade das wochenlange Hin und Her rund um das Galaxy Note 7 und dessen Akkubrände hatte der Reputation des Unternehmens massiven Schaden zugefügt. Eine Wiederholung dieser Ereignisse will das Unternehmen natürlich mit allen Mitteln verhindern. (Andreas Proschofsky, 23.4.2019)