Spitzenkandidat Dominik Ramusch antwortet auf die Aussagen der Studierenden über die AG.
DER STANDARD

Bevor es für die Aktionsgemeinschaft (AG) mit dem Wahlkämpfen so richtig losgehen kann, muss noch für ein modisch einheitliches Auftreten gesorgt werden. Auf Zuruf ihres Spitzenkandidaten Dominik Ramusch kramen die Aktivisten hastig in ihren Taschen und ziehen Pullover hervor, die vom orangen Logo der Fraktion geziert werden. Nach dem Kleidungswechsel werden dann die obligatorischen Goodies aufgetischt, um die Studierenden zum Stand der Aktionsgemeinschaft zu locken.

Auf dem Tisch finden sich Geodreiecke und Leuchtstifte, Eistee und Gewürzmischungen, Stressbälle sowie ein als "absolutes Highlight" angepriesener Pizzaschneider, der zugleich die Funktion eines Flaschenöffners besitzt. Flugzettel mit den hochschulpolitischen Anliegen der Fraktion gibt es allerdings keine.

Dafür wären an diesem Tag und Ort allerdings ohnehin kaum Abnehmer zu finden. Der Innenhof des Campus der Universität Wien, den das AG-Grüppchen als Platz ihres Standes auserkoren hat, ist nämlich an diesem kalten, grauen Apriltag kurz vor den Ferien recht verwaist. Nur sporadisch lassen sich Studierende blicken, und selbst diese gehen zielstrebig am Zelt der AG vorbei. "Wahrscheinlich sind viele schon in der Heimat und nicht mehr in Wien", versucht Spitzenkandidat Ramusch den Mangel an Passanten zu er klären.

Weniger Politik, mehr Vertretung

Der 26-jährige Kärntner studiert Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (Boku) und hat schon einige Jahre Erfahrung in der ÖH. Er ist als Mandatar in der Universitätsvertretung der Boku sowie als Studienvertreter in seinem Fach aktiv.

Bei niedrigen Temperaturen wird der Stand der Aktionsgemeinschaft am Unicampus in Wien noch in Jacken aufgebaut.
Foto: Laura Fleischmann

Als nächsten Schritt peilt Ramusch das Amt des bundesweiten ÖH-Vorsitzenden an. Bei den vergangenen ÖH-Wahlen 2017 konnte die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft zwar mit 26,4 Prozent den ersten Platz erringen, musste jedoch angesichts einer linken Koalition wieder die Oppositionsbank drücken. Letzteres darf sich – wenn es nach Ramusch geht – nicht wiederholen, denn die linke ÖH-Exekutive aus Gras, VSStÖ und FLÖ wolle "leider lieber Politik spielen als Interessensvertretung".

Wahlgekämpft wird hingegen in einheitlichen Pullis mit AG-Logo darauf.
Foto: Laura Fleischmann

In vielen Gesprächen mit Studierenden habe sich für ihn herauskristallisiert, dass sich der Großteil nicht für die ideologischen Scharmützel innerhalb der Hochschülerschaft interessiere: "Die meisten wollen einfach nur studieren, das heißt: eine Vertretung haben, die ihnen den Rücken freihält und sich um den ganzen Rest kümmert." Das Geld der ÖH will die AG nicht mehr für gesellschaftspolitische Belange ausgeben, sondern direkt für den Alltag der Studierenden verwenden. Die Veranstaltung von Demonstrationen gehört für Ramusch jedenfalls nicht zu den Aufgaben der Hochschülerschaft oder zu den Themen, die für Studierende relevant sind; er selbst hat zeitlebens noch an keiner Demo teilgenommen, erzählt er.

Österreichweites Öffi-Ticket

Als Beispiel für Alltagsprobleme von Studierenden nennt Ramusch die hohen Kosten für öffentlichen Verkehr zwischen verschiedenen Bundesländern. Wer zwischen dem Studienort und der Heimatgemeinde öfters hin- und herfahren möchte, muss tief in die Tasche greifen. Um das zu ändern, fordert die AG in einer neuen Kampagne die Einführung eines österreichweiten Studententickets um 365 Euro pro Jahr. (Theo Anders, 24.4.2019)

Ergebnis der ÖH-Wahl im Jahr 2017.
Grafik: APA