Im aktuellen "Süddeutsche"-Magazin kriegen die Jäger des apostrophierten Genetiv-S eins übergezogen: Die Schreibweise sei doch ein Kind der Zeit, hält Autor CUS völlig richtig fest. Ja, es stimmt, früher war Willi's Würstelstand üblich, zwischendurch im Duden verpönt, nun wieder toleriert.

Abgesehen davon, dass der Duden Sprache einfach reflektiert, also jede Grauslichkeit übernimmt, wenn sie nur oft genug vorkommt: Das Leiden an den Willi's und Susi's ist wirklich zwischen Niesreiz und Schnupfen angesiedelt, regt uns nicht auf (Oma's und Opa's schon ein bisschen mehr). Auch eine Präposition mit dem apostrophierten Artikel "das" – also in's, für's, auf's – mag historisch durchgehen. Und was die Leute alles mit dem Englischen anstellen, Snack's & Stick's: their coffee.

CUS schreibt zwar in Bayern und diskutiert auch Wiesn und Wies'n. Aber was der Apostroph als Spielwiese für sprachliche Minderwertigkeitskomplexler des süddeutschen Sprachraums wirklich hergibt, verschweigt er. Nun wollen wir beim Brickerl' konzedieren, dass es eine grafische Spielerei enthält (das ' bröckelt sozusagen vom l ab) – aber ein Versuch, das böse "erl" zu reparieren, ist es auch. Gerne auch vor dem l: Stecker'lfisch. Und von der österreichischen Manie, dialektale Wörter zu behübschen, indem man hochdeutsche Versionen behauptet, die es nicht gibt, können wir ein G'stanz'l singen! (Gudrun Harrer, 23.4.2019)