ÖFB-Legionär Marcel Sabitzer traf aus kürzester Distanz die Stange, Leipzig gewann trotzdem.

Foto: REUTERS/Fabian Bimmer
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Hamburg – RB Leipzig hat nach einem packenden Halbfinale beim Hamburger SV erstmals das Endspiel des DFB-Pokals erreicht. Der sächsische Emporkömmling rang den Zweitligisten dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit mit 3:1 (1:1) nieder und darf im zehnten Jahr seines Bestehens vom ersten großen Titelgewinn der Vereinsgeschichte träumen. Konrad Laimer spielte durch, Marcel Sabitzer wurde im Finish ausgewechselt, Stefan Ilsanker saß auf der Bank.

Yussuf Poulsen traf per Kopf nach einem Eckball (12.) zur frühen Führung. Doch Bakery Jatta brachte den vor allem kämpferisch starken HSV mit einem sehenswerten Schlenzer aus 25 Metern zurück ins Spiel (24.), ehe der Hamburger Vasilije Janjicic den Bundesliga-Dritten mit einem Eigentor auf die Siegerstraße beförderte (53.). Emil Forsberg sorgte mit einem trockenen Rechtsschuss für die Entscheidung (72.).

"Das ist natürlich schade, weil wir eigentlich gut mitgehalten haben. Aber das ist eine Wahnsinnsmannschaft, mit Bayern die beste in Deutschland. Wir haben uns tapfer geschlagen", sagte HSV-Torhüter Julian Pollersbeck in der ARD.

Letzter Gegner für die Mannschaft von Ralf Rangnick auf dem Weg zum ersten Cupgewinn ist am 25. Mai im Berliner Olympiastadion Werder Bremen oder Bayern München, die im zweiten Halbfinale am Mittwochabend (20.45 Uhr, ARD und Sky) aufeinandertreffen.

HSV stark, aber nicht stark genug

Der HSV musste vor 52.365 Zuschauern die Hoffnungen auf den vierten Pokalsieg nach 1963, 1976 und 1987 dagegen trotz seiner besten Vorstellung seit Wochen begraben. Wie vor zehn Jahren (damals 2:4 nach Elferschießen gegen Werder Bremen) fehlte den Hanseaten ein Schritt zum großen Finale in Berlin.

"Für unseren Verein ist es das größte Spiel seit zehn Jahren. Wir können heute Abend nur gewinnen", sagte HSV-Klubchef Bernd Hoffmann unmittelbar vor dem Anpfiff bei Sky und sprach von einem "absoluten Bonusspiel" für den Zweitliga-Zweiten.

Entsprechend engagiert gingen das Team von Trainer Hannes Wolf zu Werke. Angetrieben von einer tollen Atmosphäre im Volksparkstadion warfen sich Pierre-Michel Lasogga und Co in jeden Zweikampf und waren dem klassenhöheren Rivalen in puncto Lauf- und Einsatzbereitschaft mehr als ebenbürtig.

RB flott unterwegs

Die spielerischen Glanzlichter setzte zunächst allerdings RB, das bei einer kuriosen Dreifachchance schon nach einer guten Viertelstunde auf 2:0 hätte davonziehen können – wenn nicht gar müssen. Erst hämmerte Poulsen das Leder an den Innenpfosten. Dann scheiterte Timo Werner im Nachschuss am glänzend reagierenden HSV-Keeper Julian Pollersbeck, ehe Sabitzer das Kunststück fertigbrachte, den trudelnden Ball aus wenigen Zentimetern erneut an den Pfosten zu befördern.

Die sächsische Schludrigkeit rächte sich, als Kevin Kampl den Ball an der Auslinie leichtfertig gegen Jatta vertändelte. Der Angreifer aus Gambia fackelte nicht lange und übertölpelte den völlig überraschten RB-Torhüter Peter Gulacsi mit seinem Schuss in den Winkel.

HSV vergibt, RBL trifft

Fortan waren die Hamburger voll auf der Höhe, und es entwickelte sich ein Duell mit offenem Visier. Doch während Khaled Narey die durchaus mögliche HSV-Führung zweimal verpasste (32. und 42.), traf Leipzig zum perfekten Zeitpunkt kurz nach der Pause. Nach Poulsen-Hereingabe landete ein Rettungsversuch von Janjicic unglücklich im eigenen Netz.

Der HSV wirkte nun ausgepowert, was RB eiskalt nutzte. Erst traf Forsberg noch die Latte (69.), drei Minuten später entschied er das Spiel.

Nach dem Halbfinal-K.-o. legen die Hamburger ihren Fokus voll auf den direkten Wiederaufstieg. Am Sonntag geht es zum Topspiel bei Verfolger Union Berlin. Leipzig kann mit einem Heimsieg am Sonntag gegen Freiburg die Champions-League-Qualifikation fixieren. (sid, 23.4.2019)