Ein Satellitenbild der Nasa zeigt die Dimension des Zyklons Kenneth.

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Schäden in Moroni, Mosambik.

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Ein Foto, das das World Food Programme übermittelt hat, zeigt die Küste von Cabo Delgado, wo der Zyklon Kenneth auf Mosambik getroffen ist.

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Maputo – Nur fünf Wochen nach Idai wird das finanzschwache Mosambik im Südosten Afrikas von einem noch schwereren Sturm getroffen – Kenneth ist der stärkste Zyklon, über den bisher Aufzeichnungen existieren. Wirbelstürme dieser Art sind für das Land bisher untypisch, Klimatologen befürchten aber, dass sie den Staat wegen der Erderwärmung künftig häufiger treffen könnten.

Schon vor seiner Ankunft in Mosambik hatte Kenneth auf dem Inselstaat Komoren drei Menschen das Leben gekostet, teilte das UN-Nothilfebüro (Ocha) mit. Außerdem habe es mindestens 20 Verletzte gegeben sowie Überschwemmungen und schwere Schäden an Häusern. Der Sturm erreichte vor dem Eintreffen auf Land laut Ocha Windgeschwindigkeiten von bis zu 225 Kilometer pro Stunde.

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Kenneth traf das Land etwas nördlich der Stadt Beira, die vor fünf Wochen von Idai verwüstet worden war. Die Regierung und Hilfsorganisationen verlagerten Ausrüstung in die Hauptstadt der betroffenen Provinz Cabo Delgado, Pemba.

Erste Zerstörungen

Bäume stürzten um, Boote wurden zerstört. Die Vereinten Nationen warnten vor Überschwemmungen und Erdrutschen durch tagelange heftige Regenfälle im Gefolge des Zyklons.

Alle Flüge nach Pemba im Norden des Landes waren am Donnerstag wegen des bevorstehenden Zyklons abgesagt worden. In der Stadt fiel nach Angaben der Zeitung "Noticias" im Tagesverlauf der Strom aus, heftige Windböen fegten seit dem Nachmittag durch die Stadt. Mindestens 30.000 Menschen in besonders gefährdeten Gebieten seien in Sicherheit gebracht worden.

"Doppelte Katastrophe"

Die Hilfsorganisation Care warnte, sollte Kenneth so schwer wüten wie vorhergesagt, wäre das "eine doppelte Katastrophe". "Die für Zyklon Idai bereitgestellten Hilfsgelder reichen jetzt schon kaum aus", erklärte Ninja Taprogge, die erst kürzlich aus Mosambik zurückkehrte. "Für die Folgen eines zweiten Sturms sind schlichtweg nicht genügend Ressourcen verfügbar."

Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) erklärte, sie sei "besonders besorgt" wegen möglicher Schäden durch Kenneth in Mosambik, "wo die Bevölkerung sich gerade von den Schäden durch den Zyklon Idai erholt". Ein erneuter Sturm sei "ein weiterer Schlag für das mosambikanische Volk", erklärte das Welternährungsprogramm (WFP), das Idai-Opfer mit Lebensmitteln versorgt. Etwa 600 Millimeter Regen werden laut WFP in den nächsten zehn Tagen erwartet – doppelt so viel wie nach dem Zyklon "Idai" Mitte März.

Etwa 1000 Tote durch Idai

Mosambiks Präsident Filipe Nyusi rief zur Ruhe auf. "Die Menschen von Mosambik wissen, wie sie mit solchen Katastrophen umgehen", sagte er in einer Fernsehansprache.

Idai hatte Mitte März in Mosambik sowie in Simbabwe und Malawi gewütet. Etwa tausend Menschen starben, davon mehr als 600 Menschen in Mosambik. Außerdem richtete der Sturm Sachschäden in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) an. (APA, AFP, dpa, 26.4.2019)