Salzburgs Trainer Marco Rose würde sich gern mit dem Cupsieg aus Österreich verabschieden. Seine Mannschaft ist Endspiele gewöhnt. Red Bull, gegründet 2005, gewann den Pokal schon fünfmal.

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Rapids Trainer Dietmar Kühbauer würde die Saison gern mit dem Cupsieg retten. Seine Mannschaft ist Endspiele nicht gewöhnt. Rapid, gegründet 1899, gewann den Pokal 14-mal, zuletzt 1995.

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Franz Vranitzky war Bundeskanzler, Heinz-Christian Strache hatte die größten Erfolge im Paintball knapp hinter sich, Sebastian Kurz baute nach Erledigung seiner Hausaufgaben die ÖVP-Parteizentrale mit türkisen Legosteinen nach, als Rapid letztmals Cupsieger wurde.

Es geschah am 5. Juni 1995. DSV Leoben wurde im Happel-Stadion 1:0 geschlagen. Das Tor schoss Peter Guggi (wer sonst), der damals 24-jährige Dietmar Kühbauer rackerte bei den Siegern im Mittelfeld. Das Niveau war nicht gerade berauschend, der aktuelle Trainer ("Es zählte nur der Pokal") hat überhaupt nicht vor, seine Spieler mit diesem Ereignis, mit den Emotionen von damals zu quälen. "Einige waren ja noch nicht einmal auf der Welt."

Am 1. Mai 2019 wird es für sie absolut irdisch, Rapid bestreitet in Klagenfurt ab 16.30 Uhr das Endspiel gegen Red Bull Salzburg. Kühbauer: "Die Begeisterung ist groß, wir haben Gänsehaut, es wird ein hartes Stück Arbeit, wir müssen eine herausragende Leistung bringen." Am mangelnden Heimvorteil wird es nicht scheitern, bisher wurden 22.000 Karten abgesetzt. Rund 18.000 Fans werden Rapid zugetan sein, eine Karawane aus Wien ist unterwegs, 80 Busse werden die Kärntner Verkehrspolizei nicht unterfordern.

Keine Glorifizierung

Es ist natürlich kein Spiel zwischen David und Goliath, denn so extrem ist der Unterschied auch wieder nicht. Unlängst hat Rapid den Meister sogar 2:0 geschlagen, an der traurigen Teilnahme an der Qualifikationsgruppe hat das nichts geändert. Kühbauer möchte Salzburg "nicht glorifizieren. Wir wissen ja, wie gut sie sind, sie haben mehr Qualität als wir. Aber das bedeutet in einer Partie nichts." Er lehnte es ab, über die Vor- und Nachteile der beiden Mannschaften zu parlieren. "Das sieht man eh auf dem Platz." Marco Rose, der Trainer der Salzburger, der im Sommer zu Borussia Mönchengladbach wechselt, gibt sich diplomatisch: "Wir freuen uns auf dieses Spiel in einem schönen Stadion und werden alles dran setzen, den Titel zu holen. Es wird sicher ein intensives und enges Finale gegen einen schwierigen Gegner." Salzburg steht zum sechten Mal hintereinander im Endspiel, nur beim letzten Mal hat es nicht geklappt, Sturm Graz gewann nach Verlängerung 1:0. In Klagenfurt.

Kopf ist frei

Die Generalproben sind beiden misslungen, Rapid unterlag daheim Hartberg 3:4, Salzburg verlor beim Wolfsberger AC 1:2. Kühbauer schließt Folgen für beide aus. "Hartberg ist nicht mehr in unserem Kopf, und Salzburg bekommt deshalb auch keine Selbstzweifel." Rapids prinzipiell starker Keeper Richard Strebinger strahlte zuletzt in manchen Phasen die Ruhe einer hungrigen Gelse aus, ihn selbst beunruhigt das nicht. "Ich werde am Mittwoch da sein." Eine spezielle Vorbereitung mache er nicht, man wisse ja über den Gegner Bescheid, Topstürmer Munas Dabbur sei quasi ein vollbeschriebenes Blatt. "Wir müssen giftig sein, die Zweikämpfe annehmen, unnötige Ballverluste verhindern. Ihr Gegenpressing ist hervorragend." Anders ausgedrückt: "Rapid muss mutig, aber nicht zu mutig sein." Übermut ist der kleine Bruder des Leichtsinns. Elferschießen wurde sicherheitshalber geübt.

Der ÖFB-Cup ist 100 Jahre alt, Finale ist es das 84. Der Fußballbund feiert am Dienstag im Wiener Museumsquartier das Jubiläum. Wien deshalb, weil ja ursprünglich im Austria-Stadion hätte gespielt werden sollen. Die Polizei äußerte Sicherheitsbedenken, ersuchte um eine Verlegung. Die Bitte war ein Befehl, der ÖFB musste gehorchen und nach Klagenfurt ausweichen. Heinz-Christian Strache ist 2019 Sportminister, zum Finale kommt er nicht. (Christian Hackl, 30.4.2019)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen zum 84. Finale des UNIQA-ÖFB-Fußball-Cups:

Red Bull Salzburg – SK Rapid Wien (Klagenfurt, Wörthersee-Stadion, Mittwoch, 16.30 Uhr/live ORF eins, SR Schüttengruber)

Salzburg: Walke – Lainer, Ramalho, Onguene, Ulmer – Samassekou – X. Schlager, Wolf, Junuzovic – Gulbrandsen, Dabbur

Ersatz: Stankovic – Vallci, Szoboszlai, Mwepu, Minamino, Daka, Prevljak

Es fehlen: Van der Werff (Knieverletzung), Pongracic (Oberschenkelverletzung)

Rapid: Strebinger – Müldür, Sonnleitner, Hofmann, Bolingoli/Potzmann – Grahovac, Schwab – Murg, Knasmüllner, Schobesberger – Badji

Ersatz: Knoflach – Auer, Dibon, D. Ljubicic, Thurnwald, Martic, Pavlovic, Alar, Ivan

Es fehlt: Barac (nach Sprunggelenksverletzung)

Fraglich: Dibon, Bolingoli (beide angeschlagen)

Weg ins Finale:

Salzburg: 1. Runde: 6:0 (a) ASKÖ Oedt (OÖ-Landesliga), 2. Runde: 6:0 (a) SC Schwaz (Regionalliga West), Achtelfinale: 1:0 (a) SC Austria Lustenau (2. Liga), Viertelfinale: 2:1 (a) SC Wiener Neustadt (2. Liga), Halbfinale: 6:0 (a) GAK (Regionalliga Mitte)

Rapid: 1. Runde: 5:0 (a) FC Kufstein (Regionalliga West), 2. Runde: 1:1 n.V., 5:4 i.E. (a) SV Mattersburg, Achtelfinale: 3:0 (a) WAC, Viertelfinale: 5:2 (h) TSV Hartberg, Halbfinale: 1:1 n.V., 4:3 i.E. (a) LASK

Cup-Torschützenliste vor dem Endspiel: Joao Victor (LASK) 6 Tore vor Husein Balic (St. Pölten) und Thomas Goiginger (LASK) je 5 Tore. Bei 4 Treffern halten von den Final-Teilnehmern Munas Dabbur (Salzburg) und Andrija Pavlovic (Rapid). Für den Gewinner gibt es einen Pokal und 10.000 Euro.