Immer mehr junge Menschen schauen lieber Netflix als das traditionelle TV-Programm.

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Langsam, aber sicher müssen sich viele traditionelle Fernsehsender richtig Sorgen machen. Für immer mehr Seher ist ihr Programm nicht mehr relevant, sie nutzen stattdessen lieber Streaminganbieter wie Netflix, Sky oder Amazon. Das zeigte sich in den vergangen Wochen rund um die achte Staffel von "Game of Thrones", über die ganze Schulklassen und Bürogemeinschaften auch nach dem Staffelfinale reden können, obwohl die Serie hauptsächlich auf Streaming-Plattformen (auch auf zwielichtigen Piratenseiten) zu sehen ist. Derartige gemeinschaftliche Fernseherlebnisse kennt man sonst nur von Sportübertragungen.

Problem: Trash-TV

Tatsächlich verabschieden sich immer mehr Seher vom linearen Fernsehen. Laut einer Studie der Telekombehörde RTR "bedeutet fernzusehen für manche Seher nur mehr, sich auf Trash einzulassen und einmal etwas total Anspruchsloses zu verfolgen".

"Game of Thrones" kann hauptsächlich via Stream gesehen werden. Hierzulande bei Sky oder Amazon.
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Das Ende der des traditionellen Fernsehen sagt auch eine globale Studie der Strategie- und Marketingberatung Simon, Kucher & Partners voraus. Demnach haben mehr als 60 Prozent der streamingaffinen Befragten angegeben, dass sie lieber Streaming als das TV-Angebot nutzen.

Werbeeinblendungen werden abgelehnt

Im vergangenen Jahr nutzen weltweit mehr als 1,02 Milliarden Menschen Streamingangebote. Bis 2023 soll dieser Wert auf 1,24 Milliarden steigen. Besonders in Ländern mit geringem oder wenig attraktivem öffentlich-rechtlichem TV-Angebot werden Streamingdienste gerne genutzt, etwa in Singapur oder den USA, so die Studie. In Deutschland und Frankreich hingegen verfügen die rechtlichen Sender über eine vergleichsweise starke Basis. "Da Nutzer länderübergreifend Werbeeinblendungen ablehnen, nutzen sie statt privater, werbefinanzierter Fernsehsender lieber Videostreaming."

Denn laut Studie war in allen teilnehmenden Ländern die Qualität der dargebotenen Inhalte wichtiger als der Preis bei der Auswahl eines Streamingdiensts. Ebenso gaben alle Länder bis auf eines an, gerne einen höheren monatlichen Preis für ihr Streamingabo zu bezahlen, wenn es dafür keine Werbeunterbrechungen gibt. Die Zustimmungsraten für kostenloses Streaming mit Werbespots lagen in allen Ländern unter 15 Prozent.

Millennials ohne GIS

In Deutschland und Österreich ist die Nutzung von Streamingdiensten auch eine Frage des Alters. Besonders für die Gruppe der sogenannten Millennials, die 18- bis 34-Jährigen, gehört es längst zum Alltag, Filme und Serien nicht mehr klassisch zu festen Zeiten vor dem Fernsehgerät zu sitzen oder liegen.

Dazu kommt, dass man sich in Österreich die GIS-Gebühr seit Juli 2015 sparen und trotzdem das ORF-Programm nutzen kann. Damals entschied der Verwaltungsgerichtshof, dass Computer mit Internetanschluss "keine Rundfunkempfangsgeräte" sind und daher die Gebühr nicht fällig wird, wenn man das ORF-Angebot via Stream nutzt. Das machen mittlerweile auch immer mehr Seher. Für sie hat die ORF-TVThek am Smartphone oder Laptop den Fernseher ersetzt, schließlich kann man Informationssendungen und Sportevents auch dort live verfolgen. Auch die Puls-4-App Zappn bietet mittlerweile ORF 1 und ORF 2 an.

Besonders unter Studenten ist diese Art des Sparens populär. Stattdessen geben sie ihr Geld lieber für Accounts bei Videostreaming-Anbietern aus, die man mit Freunden oder Familienmitgliedern teilen kann. (sum, 3.6.2019)