Bis auf seine "Steuergeschichte" habe er "nicht so viele gravierende Fehler gemacht", sagt Hoeneß, der bei der Jahreshauptversammlung Mitte November 2013 sichtlich mitgenommen wirkte. Einige Tage davor hatte das Landesgericht München Anklage erhoben, im März 2014 wurde er schließlich wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt und trat als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

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München – Uli Hoeneß sprüht auch 40 Jahre nach seinem ersten Arbeitstag als Manager von Bayern München vor Tatendrang, der heiße Saisonendspurt mit der Double-Jagd elektrisiert den Präsidenten. Doch nach vier Jahrzehnten als Macher des deutschen Fußball-Rekordmeisters könnte für Hoeneß demnächst Schluss sein. "Ich habe mal gesagt: Das war's noch nicht!", sagte Hoeneß dem Klubmagazin "51", doch "der Tag ist nicht mehr fern, an dem ich sage: Das war's!"

Trainer Niko Kovac nennt ihn "die personifizierte Geschichte des FC Bayern", doch Hoeneß hat zuletzt angedeutet, dass der Zeitpunkt für ein neues Kapitel "bald passen wird". Kann er loslassen? Ja, sagte Hoeneß, er sei "das klassische Beispiel, wie man die nächste Generation heranführt". Bei seiner Wurstfabrik, die er bereits vor Jahren an Sohn Florian übergeben hat, habe er es vorgemacht.

Heynckes: "Einzigartige Erfolgsgeschichte"

Aber der FC Bayern ist keine Würstelbude. Das weiß auch Hoeneß, der den Klub höchstpersönlich "zu einem Global Player und zu einer Weltmarke aufgebaut" hat, wie es sein langjähriger Freund Jupp Heynckes im kicker formulierte: "Die Erfolgsgeschichte, die er als Manager und anschließender Präsident geschrieben hat, ist außergewöhnlich und einzigartig im Weltfußball. Diese Leistung wird niemand toppen."

Umsatz und Mitgliederzahl vervielfacht

Als der ehemalige Bayern-Profi Hoeneß am 1. Mai 1979 sein Manager-Amt antrat, war dieses Macher-Märchen nicht abzusehen. Der damalige Präsident Willi O. Hoffmann wollte lieber Rudi Assauer aus Bremen holen, doch Hoeneß ließ die Zweifler schnell verstummen. Über die 40 Jahre seines Wirkens, unterbrochen durch die Haftzeit wegen Steuerhinterziehung (2014 bis 2016), wuchs das Unternehmen FC Bayern von 20 auf über 1000 Mitarbeiter. Aus zwölf Millionen Mark Umsatz wurden 657,4 Millionen Euro, die Zahl der Mitglieder stieg von 6616 auf über 290.000, die Allianz Arena und der Klub-Campus entstanden, die Basketballer führte Hoeneß vom Nischendasein an die nationale Spitze.

Karriere mit Pannen

Als Manager wurde Hoeneß einst als "Raubritter" und "Pferdehändler" beschimpft, er lieferte sich legendäre Kämpfe mit Christoph Daum oder Willi Lemke. "Ich wollte den FC Bayern nach oben bringen, um jeden Preis", sagte er, bis auf "meine Steuergeschichte" habe er dabei "nicht so viele gravierende Fehler gemacht". Der größte, das gab Hoeneß wiederholt zu, sei die Entlassung von Coach Heynckes 1991 gewesen, der ihm später mit dem Triple 2013 den Höhepunkt schenkte.

Knapp sechs Jahre später prägt Aufsichtsratschef Hoeneß den FC Bayern weiter wie kein Zweiter. Ob Trainer Kovac, Sportdirektor Hasan Salihamidzic oder der künftige Vorstandschef Oliver Kahn – alle sind sie Hoeneß-Männer. Der Patriarch holte sie teilweise trotz massiver Zweifel seines Freundes Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandschef wird die Bayern Ende 2021 verlassen – und Hoeneß?

Entscheidung im Urlaub

Im November stünde seine Wiederwahl als Präsident an. "In zwei, drei Jahren, vielleicht noch früher", werde er die Geschäfte übergeben, sagte er zuletzt. Tut er es schon im Herbst? "Das ist eine Sache, die ich mit meiner Familie ausmachen muss", sagte er in tz/Münchner Merkur, "bis jetzt habe ich noch nicht ausreichend Zeit dafür gehabt." Im Juni soll es im Urlaub soweit sein, seine Entscheidung bis zum Bundesliga-Start Mitte August verkündet werden.

Hoeneß, der 2009 Franz Beckenbauer als Bayernpräsident folgte, das Amt bis 2014 ausübte und seit 2016 wieder Boss der Münchner ist, will ein bestelltes Feld hinterlassen. Mit dem Begriff "Lebenswerk" kann er aber "nichts anfangen", auf eine Statue lege er "keinen Wert". Wenn es irgendwann vorbei sei, werde er "immer der erste Fan des FC Bayern sein", sagte Hoeneß. Ganz alleine lassen will er sein "Baby", wie er den FC Bayern nennt, ohnehin nicht: "Wenn ich das Gefühl hätte, dass es nicht so läuft, wäre ich da." (sid, 30.4.2019)