RFS-Spitzenkandidat Lukas Heim ist unzufrieden mit der ÖH.
DER STANDARD

Wien – Politische Aufbauarbeit ist schwierig. Vor allem, wenn das Personal fehlt. Der Infostand des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) sollte schon seit ein paar Minuten stehen – doch das Zelt der blauen Studierendenvertreter steht noch zusammengeklappt vor dem Hauptgebäude der Uni Wien. Drei Leute sind notwendig, um aufzuspannen, vor Ort sind an diesem verregneten Vormittag nur die beiden Spitzenkandidaten Tatjana Schraml und Lukas Heim.

Aufbauarbeiten beim RFS.
Foto: Christian Fischer

Damit ist über den RFS schon einiges gesagt: Während seine Mutterpartei, die FPÖ, den Vizekanzler stellt, ist er in der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) mit nur einem von 55 Sitzen vertreten. Nach der Wahl Ende Mai, so hoffen Schraml und Heim (beide 23), sollen es zwei sein.

FP-Regierungsbeteiligung soll blauem RFS helfen

Mittlerweile ist eine dritte RFSlerin dazugestoßen – einen großen Ansturm auf das nun aufgebaute Zelt können die blauen Studenten aber noch nicht verzeichnen, nur einzelne Studenten kommen, um mit den beiden Kandidaten zu sprechen. Das mag auch daran liegen, dass die guten Standorte zwischen U-Bahn-Station Schottentor und dem Haupteingang der Uni bereits an Junos und VSStÖ vergeben sind. Als Goodie verteilt der RFS ganz klassisch Kugelschreiber und Feuerzeuge sowie bunte Post-its.

Lukas Heim will das Mandat in der ÖH-Bundesvertretung verdoppeln.
Foto: Christian Fischer

Die Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen werde seiner Fraktion bei der Wahl helfen, glaubt Heim: Der RFS stehe "im ständigen Austausch mit Mandataren der Freiheitlichen Partei", und dank ihr seien bereits Uni-Budget und Stipendien erhöht worden – das wüssten die Studierenden zu würdigen, ist er zuversichtlich.

Herkunftsstaaten sollen für Studierende zahlen

Der RFS selbst setzt sich aber vor allem für eine unpolitischere ÖH ein, sagt der Vorarlberger Heim, der Politikwissenschaft an der Uni Wien studiert: Er fordert die Abschaffung des allgemeinpolitischen Mandats, soll heißen: "Keine Gesellschaftspolitik in der ÖH."

Heim will Gesellschaftspolitik aus der ÖH raushalten.
Foto: Christian Fischer

Wäre eine vom RFS angeführte Hochschülerschaft dann also eine rein auf Service ausgelegte Interessenvertretung? Wozu braucht es dann überhaupt eine ideologisch verankerte Fraktion wie den RFS? "Den einen oder anderen Akzent" würde man politisch wohl setzen, wiegelt Heim ab – um etwa zu fordern, dass die Herkunftsstaaten ausländischer Studenten für das Studium in Österreich bezahlen.

Wichtiges Thema für die blauen Studenten ist auch der Kampf gegen das Gendersternchen: Durch die an vielen Hochschulen vorgeschriebene geschlechtergerechte Sprache in Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten werde die Freiheit der Wissenschaft eingeschränkt, argumentiert Heim.

Identitäre? "Im Einzelfall anschauen"

Was die Abgrenzung zum ganz rechten Rand betrifft, sei der RFS der Mutterpartei übrigens sogar voraus: Schon vor der FPÖ hätten die Studierendenvertreter einen Vorstandsbeschluss gefasst, dass kein Mitglied der Identitären eine Funktion beim RFS bekleiden könne. Bei einfachen Mitgliedern könne man freilich nicht "bei jedem einen Background-Check machen", sagt Heim.

Seine Plakate hat der RFS weit oben in den Bäumen platziert. Zu oft wurden sie in der Vergangenheit bereits Opfer von Vandalismus.
Foto: Christian Fischer

Würde er aber sagen, dass Aktivisten der Identitären beim RFS nicht willkommen sind? Darauf will sich Heim nicht einlassen. Denn natürlich gebe es inhaltliche Berührungspunkte mit der rechtsextremen Organisation. Wie man da mit einfachen Mitgliedern umgehe, "das muss man sich im Einzelfall anschauen", sagt Heim. (Sebastian Fellner, 2.5.2019)