Caster Semenya erlitt eine juristische Niederlage.

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In den 35 Jahren seines Bestehens hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS noch keine schwierigere Entscheidung zu treffen. Das dreiköpfige Gremium befand es zwar als diskriminierend, aber eben auch als notwendig, vernünftig und angemessen, den Einspruch des Laufstars Caster Semenya gegen die Einführung eines Testosteronlimits für Mittelstreckenläuferinnen zurückzuweisen.

Auch der weitere Instanzenweg verspricht keine befriedigende Lösung für die Südafrikanerin, die seit Jahren auch aufgrund ihrer intersexuellen Anlagen wie eines Testosteronspiegels, der weit über jenem ihrer Konkurrentinnen liegt, über 800 Meter unantastbar ist.

Diskussion in falsche Richtung

Seit dem Auftauchen Semenyas im Spitzensport liefen die Diskussionen in die falsche Richtung. Dass die mittlerweile 28-jährige Olympiasiegerin eine Frau ist, hätte der Weltverband IAAF nach den entsprechenden Tests früher und nachdrücklicher außer Streit stellen müssen. Stattdessen wurde durch Zaudern noch die Diskussion darüber befeuert, wie eine Athletin auszusehen und aufzutreten habe, um als Frau gelten zu dürfen.

Dass körperliche Differenzen ernst genommen werden, ist weder der IAAF noch dem Sportgerichtshof vorzuwerfen. Sportlerinnen, die nicht nur über den Willen, sondern auch über die Anlagen Semenyas verfügen, sind extrem selten – sie haben Pech gehabt, könnte man nach dem CAS-Urteil sagen. Diskriminierend? Ja, aber im Sinne der 99 Prozent auch vernünftig. (Sigi Lützow, 1.5.2019)