Lars Henrik Gass, Leiter der Kurzfilmtage in Oberhausen, zeigt sich besorgt um die Filmkultur.

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Crossing-Europe-Chefin Christine Dollhofer beklagt die Praxisferne des Beirats.

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Die Neubesetzung des Filmbeirats durch Kulturminister Blümel schlägt weiter Wellen. Abgesehen von einem offenen Brief, der bereits von mehr als 2000 Personen sowie den maßgeblichen Filmverbänden und -organisationen des Landes unterzeichnet wurde, zeigen sich auch internationale Filmexperten um die Zukunft des unabhängigen Films in Österreich besorgt.

"Filmkultur darf nicht dem Einfluss des Fernsehens oder anderer wirtschaftlicher Interessen unterstellt werden", sagt Lars Henrik Gass, Festivalleiter der gerade stattfindenden, renommierten Kurzfilmtage von Oberhausen, dem STANDARD. Gerade die Trennung der künstlerischen und ökonomischen Bereiche habe in Österreich zur wechselseitigen Befruchtung geführt.

Eine der "florierendsten Filmszenen"

Wie berichtet hatte Blümel mit den Produzenten Alexander Glehr und Oliver Auspitz, verantwortlich für TV-Serien wie Vorstadtweiber, sowie dem TV-Schauspieler Hannes Fretzer drei Personen für den Beirat verpflichtet, die für den innovativen Filmbereich keine Expertise mitbringen. Die "kleine" Filmförderung ist indes für jenes vielseitige Segment des Filmschaffens da, das keine kommerzielle Ausrichtung hat, sich als "Weltmarke" aber internationaler Anerkennung erfreut.

Andréa Picard, Kuratorin beim Filmfestival Toronto, die in ihrer Sektion Wavelength Filme von heimischen Filmkünstlern wie Peter Tscherkassky oder Friedl Kubelka gezeigt hat, spricht von einer der weltweit "florierendsten Filmszenen" – es wäre fahrlässig, diese zu gefährden.

Mit der neu ins Leben gerufenen IG Filmkultur gibt es nun erstmals eine Interessensvertretung für unabhängige Filmschaffende. Die Unterscheidung zwischen Kommerz und Kunst wolle man nicht bedienen, so Regisseur Sebastian Brameshuber. Und man tritt für einen offenen Dialog mit Blümel ein, ergänzt Katharina Mückstein, "weil es für alle Beteiligten Sinn macht, in einem direkten fachlichen Austausch zu stehen."

"Besorgniserregend"

Für Diskussionen sorgt auch die Besetzung des in derselben BKA-Abteilung situierten Festivalbeirats. Mit dem Schauspieler Serge Falck und Peter Hofbauer, Fernsehproduzent und Metropol-Chef, wurden auch hier Personen bestellt, die keine einschlägigen Erfahrungen vorweisen können. Falck hat im Wahlkampf offen Sebastian Kurz unterstützt. Hofbauers Frau Vera Russwurm ist als Testimonial für das Gesundheitsministerium tätig.

Der Co-Intendant der Diagonale, Sebastian Höglinger, spricht von einer "besorgniserregenden" Berufung. Er befürchtet, dass dieser Beirat die Vielzahl der kleinen Filmfestivals nicht überblicken könne und damit der "Materie nicht gerecht wird". Auch der Umstand, dass nunmehr drei Männer und keine einzige Frau den Beirat formen, wird vielfach kritisiert.

Es sei bedauerlich, dass Personen über die Gelder entscheiden, die "sehr weit weg von der Praxis sind", sagt Christine Dollhofer, Direktorin von Crossing Europe. Sie spricht sich für eine Reform des Bestellungsvorgangs aus, es gelte vorab Menschen zu konsultieren, die von der Festivalarbeit etwas verstehen. (Dominik Kamalzadeh, 3.5.2019)