Viele Container wie diese im Hafen Freudenau tuckern gen Osten.

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Österreich hat eine etwas zwiespältige Einstellung zu Osteuropa. Wenn es um Familienbeihilfe für daheim gebliebene Kinder hierzulande arbeitender Migranten aus Rumänien oder der Slowakei geht, steigt die Regierung auf die Kostenbremse. Weil die Kaufkraft vor Ort geringer ist, wurden diese Transferzahlungen in die osteuropäischen Länder gekürzt. Umgekehrt profitiert Österreich massiv vom Fachkräftezuzug und von den Ausfuhren in diese Länder.

Die auch CEE (Central and Eastern Europe) genannte Region hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Schlager unter den Exportdestinationen entwickelt. Laut Erhebungen der Nationalbank hat sich der Anteil Osteuropas an den heimischen Exporten seit 1995 von 14,2 auf 21 Prozent erhöht. Allerdings war der Anteil kurz vor Ausbruch der Finanzkrise noch größer. Zum Vergleich: In den wichtigsten Ausfuhrmarkt Deutschland gingen 1995 satte 38,4 aller Exporte, im Vorjahr waren es noch 30,2 Prozent. Absolut betrachtet ist die Entwicklung noch eindrucksvoller: Die Exporte nach Osteuropa haben sich seit 1995 auf 31,6 Milliarden Euro mehr als verfünffacht.

"Enormer Aufholbedarf"

Diese Dynamik könnte noch eine Zeitlang anhalten. Während Deutschland seit Mitte 2018 eine ordentliche Wachstumsdelle verzeichnet, läuft es in CEE vorerst weiterhin rund: Das Wiener Institut WIIW sagt für heuer eine Steigerung der Wirtschaftsleistung von 3,6 Prozent voraus. Michael Otter, Leiter der Außenwirtschaft in der WKO, spricht von einem regelrechten Run der heimischen Exportwirtschaft auf Osteuropa. Seine Erklärung für die Zuwächse bei den Ausfuhren: "Gerade nach der EU-Erweiterung gab es in Mittel- und Osteuropa einen enormen Aufholbedarf."

Das lässt sich an einzelnen Produktbereichen ablesen. Maschinen und Fahrzeuge rangieren mit großem Vorsprung an erster Stelle der Exportwaren gefolgt von bearbeiteten Waren und chemischen Erzeugnissen. Die stärksten Zuwächse seit dem Jahr 2000 wiederum verzeichnet die Statistik Austria bei Nahrungsmitteln, Brenn- und Rohstoffen sowie bei Getränken. Die große Frage ist, wie sich die Nachfrage in der Region weiter entwickelt.

Vor allem die auf Export ausgerichteten Nachbarländer Ungarn, Slowakei und Tschechien bekommen die schwächere Weltkonjunktur zu spüren, zudem bereitet der Fachkräftemangel, der zu starken Lohnerhöhungen führt, immer mehr Sorgen. Dazu kommen die Turbulenzen in der Autoindustrie: "Der Boom, den ein Großteil der Region 2017 und 2018 erlebt hat, ist vorüber", stellen die Ökonomen des WIIW in einem Bericht fest. "Die Wachstumsraten werden sich in den nächsten beiden Jahren meist abschwächen."

Betriebe reagieren rasch

Für die heimischen Exporteure wäre das besonders bitter, weil nach der Flaute am größten Absatzmarkt Deutschland eine weitere wichtige Destination nachlassen würde. Zuletzt merkte man die Eintrübung der Konjunktur bei den Exporten, die im ersten Quartal 2019 stagnierten, schon recht deutlich. Allerdings reagieren die Betriebe rasch auf Änderungen der Nachfrage.

Die Ausfuhren in die USA, deren Wirtschaft nach wie vor boomt, konnten im Vorjahr stark gesteigert werden. Nun sollen Asien und Afrika intensiver beackert werden, meint die Kammer. So wird ein neues Außenwirtschaftscenter in Vietnam eröffnet, auch in Afrika – konkret in Senegal und Ghana – soll das Engagement erhöht werden. (as, 4.5.2019)