Die Maschine landete auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo.

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Ein Teil der Passagiere konnte sich in Sicherheit bringen.

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Die Unglücksmaschine im westsibirischen Tjumen, Archivbild vom 30. April.

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Das Flugzeug nach Löschung des Brandes.

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Video des brennenden Flugzeugs nach der Notlandung.
DER STANDARD

Moskau – Bei der Notlandung eines Passagierflugzeugs in Moskau sind am Sonntag laut Ermittlern 41 Menschen ums Leben gekommen. 37 der 78 Insassen der Aeroflot-Maschine hätten das Unglück überlebt, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Unter den Toten sind nach Angaben der Behörden zwei Kinder und ein Flugbegleiter.

Die Maschine war nach einer Notlandung auf dem Flughafen Scheremetjewo in Flammen aufgegangen, zunächst war von einem Toten, später von 13 die Rede gewesen. Scheremetjewo gilt als der größte und sicherste Flughafen Russlands. Der Suchoi Superjet 100 ist das erste Verkehrsflugzeug, das Russland seit dem Fall der Sowjetunion entwickelt hat.

Putin ordnet Aufklärung an

Ermittler suchen derzeit noch nach der Unfallursache. Dazu sollen Überlebende, Augenzeugen und Flughafenmitarbeiter befragt werden, teilte das staatliche Ermittlungskomitee am Sonntag mit. Die Flugaufsicht schickte Experten nach Scheremetjewo, um die Unglücksursache zu untersuchen. Sie sollten auch prüfen, ob die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten wurden. Auch Kriminalbeamte waren im Einsatz.

Mittlerweile wurden die beiden Flugschreiber gefunden. Die Auswertung werde jedoch mehrere Tage dauern, kündigte das russische Zwischenstaatliche Luftverkehrskomitee (Mak) an. Vorerst geht die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot davon aus, dass ein Technikfehler den Piloten auf dem Weg nach Murmansk im Norden Russlands zum Umkehren zwang. Auf dem Moskauer Flughafen ging die Maschine bei der Notlandung auf dem Rollfeld dann in Flammen auf.

Präsident Wladimir Putin ordnete eine gründliche Aufklärung an. Er und Regierungschef Dmitri Medwedew sprachen den Angehörigen der Todesopfer ihr Beileid aus. Den Überlebenden sicherten sie Hilfe zu.

Dicke Rauchwolken

Medien berichteten von einem möglichen Motorschaden an der Maschine. Es gab auch Berichte, wonach ein Blitz eingeschlagen habe. Als die Maschine aufprallte, platzte nach ersten Erkenntnissen der Ermittler auch der noch fast volle Treibstofftank. Blitzschnell breitete sich das Feuer aus, der hintere Teil der Maschine stand komplett in Flammen. Dicke Rauchwolken stiegen auf.

Probleme nach dem Start

Die Maschine war rund eine halbe Stunde nach dem Start notgelandet, der Pilot gab mindestens ein Signal, dass es technische Probleme gibt, wie Medien berichteten. Ersten Erkenntnissen zufolge brach auch der Funkkontakt ab. Die Piloten konnten sich retten.

Auf dem Flughafen spielten sich dramatische Szenen ab. Dutzende Rettungswagen waren im Einsatz, um die über Notrutschen geretteten Menschen zu versorgen. Die Flugsicherung leitete mehrere Maschinen zu anderen Moskauer Flughäfen um. In der Maschine brach Panik aus, wie auf einem Video zu hören und zu sehen war. Die Aufnahmen zeigten auch, wie die rechte Tragfläche der Maschine brannte.

Das Feuer wurde nach Angaben des Flughafens und des Zivilschutzes schnell gelöscht. Zahlreiche Passagiere hätten das Flugzeug in weniger als einer Minute über Notrutschen verlassen, teilte Aeroflot mit. "Die Crew hat alles ihr Mögliche getan, um das Leben der Passagiere zu retten und den Betroffenen Hilfe zu leisten."

Superjet macht immer wieder Probleme

Der Suchoi Superjet 100 ist der Stolz der russischen Luftfahrt, die erste Neuentwicklung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor gut 30 Jahren. Seit 2011 sind die Maschinen im Einsatz. Immer wieder gab es Berichte über Pannen und Zwischenfälle, doch ein vergleichbares Unglück hat es mit dem Flugzeugtyp bisher nicht gegeben.

Der Verkauf läuft schleppend – vor allem international hatte Russland auf einen Absatz der Mittelstreckenflugzeuge gehofft. Die nun verunglückte Maschine war 2017 in Betrieb genommen worden, im April erfolgte die letzte Inspektion, berichtete die Agentur Tass unter Berufung auf Luftfahrtkreise. Aeroflot hatte erst im Herbst den Kauf von weiteren 100 Maschinen des Typs angekündigt.

Новости HD

In Russland kommt es immer wieder zu schweren Zwischenfällen im Luftverkehr und zu Unglücken mit vielen Toten. Beim Absturz eines russischen Passagierflugzeugs vom Typ Antonow starben im Februar vorigen Jahres in Nähe von Moskau 71 Menschen. Die An-148 der Saratow Airlines war nach dem Start vom Hauptstadtflughafen Domodedowo vom Radar verschwunden. Sie zerschellte auf einem Feld im Bezirk Ramenskoje südöstlich von Moskau. Im September wurden 18 Menschen bei der Notlandung eines Flugzeugs in der Schwarzmeerstadt Sotschi verletzt. (red, APA, dpa, Reuters, 6.5.2019)