Viele ANC-Parteiangehörige wollen wohl gar nicht, dass allzu viele Wähler der Aufforderung des Plakats folgen.

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Es ist nicht nur die wichtigste, sondern auch die merkwürdigste Wahl, die das neue Südafrika jemals erlebt hat. Viele der Funktionäre des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) haben gar kein Interesse daran, dass ihre Partei unter Präsident Cyril Ramaphosa hoch gewinnt: Für diesen Fall müssen sie nämlich um ihre Pfründe, womöglich sogar um ihre Freiheit, bangen. Für die Zeit nach den Wahlen kündigte Ramaphosa bereits eine Säuberung der unter Jacob Zuma verrotteten Partei an: In unzählige Korruptionsskandale verwickelte hohe ANC-Funktionäre und Minister müssen damit rechnen, hinter Gittern zu landen.

Ihre letzte Chance: dass Ramaphosa schlecht abschneidet oder gar die absolute Mehrheit verliert. Während des Wahlkampfes kam der Eindruck auf, der ANC kämpfe mehr gegen sich selbst als gegen andere Parteien: Die Zuma-Fraktion will den Präsidenten dermaßen schwächen, dass er sein Reinigungsprojekt gleich wieder einmotten muss – bei einem miserablen Wahlergebnis droht ihm sogar die Absetzung.

Urbane Wählerschaft

Vor allem urbane, schwarze Mittelständler, die dem ANC unter Zuma in Scharen den Rücken kehrten, werden ihre Stimme zwar Ramaphosa geben. Ob das jedoch ausreichen wird, ist unter Umfrageinstituten umstritten. Die einen sagen dem ANC mehr als 60 Prozent voraus, die anderen kaum 50. Sollte die Regierungspartei tatsächlich die absolute Mehrheit verlieren, stünden Südafrika turbulentere Zeiten bevor: Dann müsste der ANC eine Koalition mit den Economic Freedom Fighters (EFF) eingehen, deren "Commander in Chief", Julius Malema, einst aus der Partei Nelson Mandelas ausgeschlossen wurde.

Der militante Populist in Gucci-Schuhen will die bereits angeschlagene Wirtschaft mit der Nationalisierung der Minen und Banken sowie der Enteignung weißer Farmer "retten": Er kann mit einer Verdoppelung seines Rückhalts von sechs auf zwölf Prozent der Stimmen rechnen.

Außen vor wird in jedem Fall die größte Oppositionspartei bleiben: Die Demokratische Allianz kann sich glücklich schätzen, wenn sie wieder auf 22 Prozent kommt. Obwohl sie die einzige Partei ist, die in fast gleicher Zahl von Schwarzen, Weißen und Farbigen gewählt wird. (Johannes Dieterich aus Johannesburg, 8.5.2019)