Wenn uralte Baumriesen in feuchter Erde wurzeln und seltene Wildkatzen durch grünes Dickicht schleichen, klingt das erst einmal nach Dschungel oder Regenwald. Dabei steht man mitten in Deutschland, während weiches Moos den Füßen schmeichelt und sanfte Waldgeräusche ins Ohr dringen: Der Nationalpark Hainich ist eines der letzten Überbleibsel jener Urwälder, die früher einmal Teile Mitteleuropas bedeckten. Seit 2011 zählt diese Waldfläche nun zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Wer durch den Hainich wandert, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im größten zusammenhängenden Laubwaldgebiet Deutschlands wachsen vor allem die besonders widerstandsfähigen Rotbuchen, die bis zu 200 Jahre alt werden. Das Nationalparkzentrum informiert über Fauna und Flora, während geführte Touren mit einem Ranger den Wald noch aktiver erleben lassen.

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Ein Dach aus Blättern am Baumkronenpfad

Der barrierefreie Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich thront 25 Meter über dem Wald. Es ist ein erhabenes Gefühl, über Baumwipfeln zu wandern und eine völlig andere Perspektive einzunehmen. Beim Spazieren auf dem zirka 500 Meter langen Pfad bekommt man einen Einblick in das einzigartige Ökosystem, in dem es überdurchschnittlich viele Baumarten und eine artenreiche Tierwelt gibt – von der Fledermaus bis zum Schillerfalter. Familien mit Kindern zieht es außerdem in die Wurzelhöhle, in der die Welt unter den Bäumen interaktiv aus Sicht des Regenwurms erforscht wird.
Foto: Rüdiger Biehl / NLP Hainich Verwaltung

Tipp: Der Kletterwald Hainich ist ein Outdoor-Paradies für Groß und Klein: In zehn Parcours sorgen 120 Kletterelemente für Spaß und Abenteuer.

Waldspaziergänge für jeden Geschmack

Naturliebhaber, Aktivurlauber, Sportler und Familien: Im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal findet jeder seinen eigenen Weg, um mit der Natur intensiv in Kontakt zu treten. Kürzere und längere Wanderpfade führen durch märchenhafte Wälder und blühende Wiesen. Für Jung und Alt geeignet ist etwa ein Ausflug ins malerische Brunstal. Dort lädt ein barrierefreier, dreieinhalb Kilometer langer Erlebnispfad mit neun Stationen dazu ein, spielerisch Spannendes über den Wald zu erfahren.

Tipp: Eine der schönsten Rundwanderungen im Naturpark führt zur Betteleiche. Auf zwölf Kilometern gelangt man zu der 800 Jahre alten, sagenumwobenen Eiche und wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Betteleiche ist rund 15 Meter hoch und hat einen Umfang von fünf Metern. Ihr besonderes Merkmal ist ein kastenähnliches Loch im Stamm. Der Legende nach wurde die Aushöhlung einst in den Stamm geschlagen, um darin abgelegte Gaben für die örtlichen Bettelmönche vor Regen und Sturm zu schützen.

Abwechslungsreiche Weitwanderwege

Egal, ob eine einzelne Tagesetappe geplant ist oder die Wanderschuhe gleich für mehrere Tage oder Wochen geschnürt werden: Bewegungsfreudige Urlauber schöpfen in der Region aus dem Vollen. Der 130 Kilometer lange Hainichlandweg führt durch blühende Wiesen und vorbei an mittelalterlichen Städten. Der abwechslungsreiche Naturparkweg Leine-Werra besticht mit üppigen Flusslandschaften und kargen Hochplateaus. Er führt auf 98 Kilometern entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Insgesamt rund 500 Kilometer lang ist der Werra-Burgen-Steig. Er verläuft hoch über dem Ufer des Flusses Werra und gibt immer wieder imposante Blicke auf die zahlreichen Burgen und Schlösser der Region frei, unter anderem auch auf das UNESCO-Weltkulturerbe Wartburg.

Der Rennsteig: Fernwanderweg mit Fernblick
Eine wohltuende Kombination aus frischer Waldluft und Bewegung im Freien bietet der Rennsteig, Deutschlands bekanntester Fernwanderweg. Auf einer Länge von knapp 170 Kilometern führt der Höhenweg von Hörschel bei Eisenach zum Oberlauf der Saale bei Blankenstein. Dabei wird die Magie des Thüringer Waldes mit jedem Schritt spürbar: Misch- und Nadelwälder wechseln sich mit sanften Wiesen, Schiefererhebungen und weitreichenden Aussichten ab. Wanderer werden auf Schutzhütten und in den Rennsteighäusern mit Essen und einem gemütlichen Schlafplatz versorgt.
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Durch die sagenumwobene Drachenschlucht



Die Drachenschlucht

Ein einmaliges Naturschauspiel in der Welterberegion Wartburg-Hainich bietet die Drachenschlucht im Süden von Eisenach.
Foto: Thüringer Tourismus GmbH

Ein einmaliges Naturschauspiel in der Welterberegion Wartburg-Hainich bietet die Drachenschlucht im Süden von Eisenach: Hier hat sich der Marienbach im Laufe der Zeit tief in die roten Felsen unterhalb der Wartburg gegraben. Besucher können die rund 200 Meter lange Klamm durchwandern, vorbei an bemoosten Steinwänden und bis zu zehn Meter hohen, überhängenden Felsen. Der Name Drachenschlucht entstammt einer Sage: Hier soll dereinst Schauplatz des Kampfes von Ritter Georg mit dem Drachen gewesen sein.

Mit dem Rad durch Wälder und Flussgebiete

Nicht nur Wanderern, sondern auch Radfahrer kommen in Thüringen auf ihre Kosten. Zahlreiche Tagesrouten und Fernradwege stehen zur Auswahl. Zwei besonders beliebte Routen:

  • Herkules-Wartburg-Radweg: Auf 215 Kilometern geht’s vom Wahrzeichen der Stadt Kassel, dem Herkules, bis zur Wartburg bei Eisenach. Vorbei geht’s an Burgen, Parks und Flusslandschaften.
  • Werratal-Radweg: Die 300 Kilometer lange Strecke führt durch Wälder und Flussgebiete. Zu entdecken gibt es außerdem hübsche Fachwerkstädtchen, mit Orchideen bewachsene Kalksteinklippen und dichte Buchenwälder.

Müden Radlerbeinen tun Saunagänge, Massagen und warmes Wasser gut. Für Entspannung nach einem sportlich-aktiven Tag sorgen die Thüringentherme in Mühlhausen und die Friederiken Therme in Bad Langensalza.

Foto: Jens Hauspurg - Thüringer Tourismus GmbH

Tipp: Einen Perspektivenwechsel bietet eine Kanutour auf der Werra. Der "Fluss mit Seele" ist ab dem Landkreis Hildburghausen auf einer Länge von rund 200 Kilometern befahrbar.

Legendäres UNESCO-Weltkulturerbe Wartburg



Mehr erleben mit dem Welterbeticket

Mit dem Welterbeticket ist es möglich, gleich drei Sehenswürdigkeiten zu einem Preis zu erleben: die Wartburg, das Wildkatzendorf Hütscheroda und den Baumkronenpfad mit Nationalparkzentrum und Wurzelhöhle. Das Ticket ist zwei Tage lang gültig, inkludiert sind die Busfahrten mit dem "Wunderbaren Wanderbus" zu den Ausflugszielen.
Foto: Andreas Weise / Thüringer Tourismus GmbH

Bei einem Besuch der Welterberegion Wartburg-Hainich wird klar, dass in dieser Region nicht nur die Natur großartiges geschaffen hat, sondern auch der Mensch. Die 900 Jahre alte Wartburg bei Eisenach thront hoch über der Stadt und gilt als Meisterwerk der spätromanischen Baukunst. Auf der Burg, die Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, übersetzte der Reformator Martin Luther vor mehr als 500 Jahren das Neue Testament in die deutsche Sprache. Heute stehen Besuchern unter anderem die berühmte Lutherstube und das Museum mit imposanter Kunstsammlung offen.

Tipp: Im prunkvollen Festsaal der Wartburg finden in einzigartiger Akustik klassische Konzerte statt. Mehrmals im Jahr wird Richard Wagners Oper "Tannhäuser" aufgeführt. Ein besonderes Ereignis mitten am Originalschauplatz: Vor mehr als 800 Jahren soll auf der Wartburg der legendäre Sängerkrieg stattgefunden haben, der Wagner zur Oper inspirierte.

Historische Städte mit mittelalterlichem Flair



Das Wildkatzendorf Hütscheroda

Eine Besonderheit im Nationalpark Hainich sind die Wildkatzen, die sich aber in freier Wildbahn selten blicken lassen. Deshalb lohnt ein Besuch im Wildkatzendorf Hütscheroda, das einmalig in Deutschland ist. Im naturnahen Gehege "Wildkatzenlichtung" streichen sie direkt vor den Augen der Besucher herum.
Foto: Thüringer Tourismus GmbH

Der Ort Eisenach liegt inmitten von vier Tälern am Rand des Thüringer Waldes und am Fuße der Wartburg. Vielleicht war es von hier aus, dass Ludwig der Springer im 11. Jahrhundert fröhlich rief "Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden" – und daraufhin die Wartburg baute. Bekannt jedoch ist, dass Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren wurde und auch Martin Luther hier lebte. Noch heute kann man Bachhaus und Lutherhaus besuchen. Ein Streifzug durch die Altstadt führt vorbei an historischen Bürgerhäusern im Fachwerkstil, zum Marktplatz, dem 500 Jahre alten Rathaus und dem Stadtschloss.

Tief in die Geschichte und Architektur der Welterberegion Wartburg-Hainich eintauchen lässt es sich auch im mittelalterlichen Städtchen Mühlhausen mit denkmalgeschützter Altstadt. Sehenswert sind vor allem die Stadtmauer mit den Wehrtürmen, der Landgraben, das Rathaus, die pittoresken Fachwerkhäuser und elf gotische Kirchen. In der Marienkirche predigte einst der radikale Reformator Thomas Müntzer und setzte sich für eine gerechtere Gesellschaftsordnung ein. Früher zog die ehemals freie Reichsstadt auch Könige und berühmte Persönlichkeiten wie den Organisten Johann Sebastian Bach an. Heute kommen Besucher aus nah und fern, um an den vielen Kulturfesten teilzunehmen.

Tipp: Die Theaterwerkstatt 3K befindet sich in einer umgewidmeten Kirche in der Mühlhäuser Innenstadt. Die Kilianikirche wurde vor dem Verfall gerettet, um gemeinsam mit Jugendlichen Theaterstücke, Dramen und Komödien zu inszenieren.

Foto: Jens Hauspurg / Martin Kirchner - Thüringer Tourismus GmbH

Ab ins Grüne: Übernachten in der Natur

Naturverbundenheit ist für viele Gastgeber in der Welterberegion Wartburg-Hainich eine Selbstverständlichkeit:

  • Im "WaldResort am Nationalpark Hainich" dient der Wald als Energiespender. Bei ein- bis zweiwöchigen Aufenthalten heißt es abschalten, runterkommen und mithilfe der Natur neue Perspektiven finden.
  • Auch in der Ferienhaussiedlung "Lichtung" in Ruhla verhilft die Natur zu Ruhe und Kraft: Im Wald spazieren gehen, einen Kräuterkurs machen oder im nahegelegenen Waldbad schwimmen gehen.
  • In den Vollholz-Chalets "Hainichhöfe" urlaubt man luxuriös mit Blick auf den Nationalpark Hainich, der sich für Ausflüge und Wanderungen eignet.
  • Der Hof Sickenberg ist umgeben von Bäumen, Schafweiden und einem Bauerngarten. Übernachtet wird im Fachwerkhaus mit urig-romantischen Zimmern. Im zugehörigen Hofcafé werden frisch gebackenes Brot und selbst gemachter Obstkuchen serviert.
Foto: Guido Werner - Thüringer Tourismus GmbH

Nachhaltig nach und durch Thüringen reisen

Die Welterberegion Wartburg-Hainich ist umweltschonend mit dem Zug erreichbar. Der "Wunderbare Wanderbus" verbindet die zwei UNESCO-Welterbestätten Wartburg und Hainich. Der Nationalparkbus, der Kulturerlebnisbus und der Werrataler Wanderbus komplettieren das sanfte Mobilitätsangebot. Mehr Infos unter www.kultur-liebt-natur.de