Alexander Salvatore nennt sich pflanzensüchtig. Seine rund 150 Topfpflanzen bekommen eine Luxusbehandlung aus Streicheleinheiten und vorgewärmtem Wasser aus dem Teich. Zu Besuch in einem "Urban Jungle" in Wien-Ottakring.
DER STANDARD

Die Topfpflanze boomt und geht viel zu schnell ein

Der Trend zu begrünten Wohnzimmern ist unverkennbar. Zum Leidwesen der Umwelt garteln auch diejenigen, die keinen sogenannten grünen Daumen haben. Befeuert haben diesen Boom sicherlich auch die sozialen Medien. Die Hashtags "Urban Jungle" und "Plants of Instagram" beispielsweise trenden auf Instagram mit jeweils um die vier Millionen Einträgen.

DER STANDARD war deshalb zu Gast bei Pflanzenliebhaber Alexander Salvatore. Der "Plantaholic", wie er von manchen genannt wird, nimmt die Pflege seiner rund 150 Topfpflanzen besonders ernst. "Andere haben Kinder oder Haustiere, und ich habe auch eine schöne Aufgabe", sagt Salvatore.

Die Pflanzenfachverkäuferin Andrea Mühlwisch ist in der Wiener Pflanzencommunity eine Bekanntheit. Weil die Überlebenschancen im Wohnzimmer zu gering sind, verkauft sie viele Pflanzen erst gar nicht. Dazu zählen beliebte Sorten wie Yucca- oder Goldfruchtpalme und Schwertfarn. Zu schade sei es um die Pflanzen, wenn sie aus Modegründen angeschafft werden und nach wenigen Monaten eingehen, so Mühlwisch.

Pflanzen können CO2 verursachen

Denn: Viele denken, Pflanzen würden ausschließlich Kohlenstoff in Sauerstoff verwandeln und auch noch die Luftqualität verbessern. Eine positive CO2-Bilanz liefert Begrünung aber erst, wenn sie auch jahrelang am Leben bleibt.

Die Aufzucht vor dem Verkauf kann bis zu einige Jahre in Anspruch nehmen. Eine Zeit, in der ein enormer Energieaufwand für die Jungpflanzen notwendig ist. Fast alle in Österreich erhältlichen Topfpflanzen stammen nämlich aus den Niederlanden oder Deutschland und nicht aus den Tropen. Dort werden sie in Gewächshäusern pausenlos beleuchtet, bewässert und beheizt.

Hinzu kommt, dass es bei Zierpflanzen keine Grenzwerte für den Einsatz von Pestiziden gibt. Sogar die Blumenerde ist nicht immer umweltfreundlich. Ihr wird häufig Torf beigemischt, der aus den schrumpfenden Mooren abgebaut wird. Moore können doppelt so viel Kohlenstoff speichern wie Wälder, weshalb sie im Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen. Wer in seinem Wohnzimmer also etwas gegen den Klimawandel tun will, sollte seine Pflanzen zumindest länger, als die Aufzucht gedauert hat, am Leben lassen. (mvu, 22.1.2012)