Ein Bild vom Aufmarsch in Bleiburg am 12. Mai 2018.

Foto: Reuters/Niesner

Zagreb/Bleiburg – Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic tritt dafür ein, das für kommenden Samstag in Bleiburg geplante umstrittene Kroatentreffen "ungeachtet der kirchlichen und politischen Kontroversen in Österreich" abzuhalten. Jedoch müsse die Veranstaltung "im Rahmen der österreichischen Gesetze" ablaufen. Das erklärte Plenkovic laut Nachrichtenagentur HINA gegenüber der Zeitung "Vecernji list".

Der Chef der nationalkonservativen Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) erinnerte demnach in einem Interview mit "Vecernji list" (Samstagsausgabe) daran, dass die Gedenkfeier vom kroatischen Parlament unterstützt werde, und dabei "alle Verbrechen gegen unschuldige Kroaten", die nach dem Zweiten Weltkrieg getötet wurden, verurteilt würden.

Verletzungen des Verbotsgesetzes

Offizieller Anlass der umstrittenen Versammlung, bei der es in der Vergangenheit zu zahlreichen Verletzungen des Verbotsgesetzes kam, ist das Gedenken an die Ermordung Tausender kroatischer Ustascha-Soldaten, die aufseiten des faschistischen NDH-Staates (ein Vasallenstaat Nazi-Deutschlands) gekämpft hatten, nach der Kapitulation der Nationalsozialisten im Jahr 1945.

Rund 40.000 geflüchtete NDH-Soldaten wurden in Bleiburg mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert. Tausende verloren in Folge – etwa auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien – gewaltsam ihr Leben.

Das Kroatentreffen gilt auch als Stelldichein von Ewiggestrigen, die unter dem Deckmantel des Totengedenkens den kroatischen Hitler-Vasallenstaat verherrlichen. Dabei treffen sie auf immer stärkeren Widerstand im Gastland Österreich, von einer Untersagung der Veranstaltung haben die Sicherheitsbehörden aber Abstand genommen.

Kundgebung gegen Kroatentreffen

Bei einer Kundgebung gegen das alljährliche Kroatentreffen wurden am Samstag 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt.

Wie die Polizei mitteilte, verlief die Demonstration ruhig. Die Initiative "erinnern & handeln" hatte sich bewusst für den Zeitpunkt eine Woche vor dem Treffen, das am 18. Mai stattfinden soll, entschieden.

Für die Initiative handelt es sich bei der Veranstaltung, die vom Verein "Bleiburger Ehrenzug" organisiert wird, nicht um ein Totengedenken: "Es ist vielmehr ein Raum der aggressiven politischen Agitation nationalistischer, rechter und rechtsextremer Gruppierungen aus Kroatien auf österreichischem Staatsgebiet", hatte Andrej Mohar vom Verband der Kärntner Partisanen im Vorfeld der Kundgebung gesagt.

Mit dem Termin eine Woche vor dem Treffen sei man übrigens bewusst ausgewichen, erklärte Mohar. Man wolle mit der Kundgebung, die am Samstag am Bleiburger Hauptplatz stattfand, nämlich auf das Problem aufmerksam machen, aber "keinesfalls eine Auseinandersetzung mit den Besuchern der Gedenkstätte" provozieren. (APA, 11.5.2019)