Torontos Kawhi Leonard mit einem unfassbaren Wurf: Der Ball tanzte viermal am Ring.

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Portlands CJ McCollum hat sich nach einem harten Arbeitstag ein Eisbad verdient.

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Toronto/Denver (Colorado) – Die Toronto Raptors und die Portland Trail Blazers sind am Sonntag (Ortszeit) mit Siegen in den Entscheidungsspielen als letzte Teams ins NBA-Halbfinale eingezogen. Der einzige kanadische NBA-Club feierte einen 92:90-Heimsieg über die Philadelphia 76ers. Bereits zuvor hatten sich die Blazers bei den Denver Nuggets 100:96 durchgesetzt und damit die "best of seven"-Serie ebenfalls 4:3 gewonnen.

A helluva shot!
House of Highlights

Mann des Tages war Raptors-Superstar Kawhi Leonard, der den entscheidenden Wurf in der Schlusssekunde in den Korb "zitterte" und insgesamt 41 Punkte erzielte. Somit darf Toronto, das zum zweiten Mal nach 2016 im Eastern-Conference-Finale steht, weiter vom ersten NBA-Titel träumen. Nächster Gegner sind die Milwaukee Bucks mit Ausnahmespieler Giannis Antetokounmpo, die als Sieger des Grunddurchgangs in den ersten beiden Partien in der Nacht auf Donnerstag bzw. Samstag (jeweils 2.30 MESZ/live DAZN) zu Hause antreten.

"Es war großartig", schwärmte Leonard nach seinen "Buzzer Beater". "Das habe ich noch nie zuvor erlebt, Spiel sieben, ein siegbringender Wurf. Es ist ein Segen, dass ich bis an diesen Punkt gekommen bin, diesen Wurf machen konnte und diesen Moment erleben durfte", erklärte der Kalifornier, der 2014 den NBA-Titel mit den San Antonio Spurs geholt hatte und dabei als "wertvollster Spieler" (MVP) der Finalserie ausgezeichnet worden war. Erst im Vorjahr war der Zwei-Meter-Mann im Zuge eines Tauschgeschäfts, in das auch Österreichs NBA-Pionier Jakob Pöltl involviert war, von der texanischen in die kanadische Metropole gewechselt.

Leonard, der aufgrund seiner riesigen Hände – 23,5 Zentimeter lang und 28,5 Zentimeter Spannweite vom Daumen bis zum kleinen Finger – den Spitznamen "The Klaw" ("Die Klaue") trägt, erhielt 4,2 Sekunden vor dem Ende beim Stand von 90:90 den Ball. Der 27-Jährige dribbelte anschließend zur Außenlinie und sorgte mit seinem wilden Wurf, der mehr als drei Sekunden benötigte, um im Korb zu landen, für unbändigen Jubel bei den Raptors-Fans und Tränen bei Philadelphia.

Erinnerungen an "the shot"

So weinte etwa Sixers-Star Joel Embiid aus Kamerun an der Schulter von Torontos spanischem Center Marc Gasol. "Es ist bitter, so zu verlieren, aber es war ein höllischer Wurf und eine fantastische Serie", betonte Philadelphias Coach Brett Brown. "Als der Ball an den Ring ging, hatte ich sofort das Gefühl, dass er reingehen würde. Es hat mich überhaupt nicht überrascht. Wenn man den Ring aus diesem Winkel trifft und der Ball gerade nach oben geht, besteht immer die Chance, dass er dann reingeht."

Erstmals in der Geschichte der National Basketball Association (NBA) wurde ein sogenanntes "Game 7" einer Play-off-Serie durch einen "Buzzer Beater" entschieden. Und es war überhaupt erst das zweite Mal, dass der Aufstieg in einem NBA-Entscheidungsmatch mit einem Wurf in allerletzter Sekunde fixiert wurde. Bisher war dies nur dem legendären Michael Jordan gelungen: "His Airness" hatte am 7. Mai 1989 mit seinem finalen Sprungwurf auf Höhe der Freiwurflinie für den 101:100-Auswärtssieg der Chicago Bulls über die Cleveland Cavaliers gesorgt. Damals war in der ersten NBA-Play-off-Runde noch im "best of five"-Modus gespielt worden.

Portlands starkes Finish

In Denver dominierten zunächst die Nuggets und lagen bereits mit 17 Punkten (39:22/17.) in Front. Erst 12,1 Sekunden vor Ende des dritten Viertels gingen die von Christian James "CJ" McCollum mit 37 Punkten angeführten Blazers erstmals in Führung und behielten im Finish die Nerven, während die Gastgeber im Schlussabschnitt 5:33 Minuten punktlos blieben.

Portland steht erstmals seit 2000 im Western-Conference-Finale und trifft nun auf den Titelverteidiger Golden State Warriors. Damit kommt es zum Duell der Brüder Stephen (Warriors) und Seth Curry (Blazers). Der Meister der vergangenen beiden Jahre aus Oakland hat in den ersten beiden Spielen in der Nacht auf Mittwoch bzw. Freitag (jeweils 3.00 MESZ/live DAZN) Heimvorteil, muss aber dabei erneut ohne seinen an der rechten Wade verletzten Topscorer Kevin Durant auskommen. (APA, 13.5.2019)

Play-off-Ergebnisse, 2. Runde (Conference-Semifinale/"best of seven"), jeweils siebentes Spiel:

Eastern Conference:

Toronto Raptors – Philadelphia 76ers 92:90 – Endstand der Serie: 4:3

Western Conference:

Denver Nuggets – Portland Trail Blazers 96:100 – Endstand der Serie: 3:4