Slowakei: Slovan Bratislava

Der SK Slovan Bratislava ist mit 13 Meistertiteln nicht nur nationaler Rekordchampion, sondern auch ein Klub, der in der Vergangenheit durch Skandale aufgefallen ist. Präsident ist der Papierunternehmer und Oligarch Ivan Kmotrík, sein Statthalter im Verein ist Sohn Ivan Kmotrík junior, der eine Nähe zu rechtsradikalen Ultra-Fangruppierungen pflegt, öffentlich den rechten Arm zum Gruß an die Slovan-Kurve hebt, ungeniert Schiedsrichter bedrängt und Security-Kräfte verletzt.

Im jüngsten Duell mit Rapid in der EL-Qualifikation marschierte die Hooligan-Fraktion aus Bratislava gemeinsam mit ihren "Freunden" von Austria Wien im Heimspiel in der Slowakei gegen Rapid ein. In Hütteldorf gingen die Slowaken 0:4 unter und schieden aus. Slovan distanzierte Dunajská Streda in der Meisterschaft klar, mit Kmotríks Millionen lautet das Ziel Champions League. Mit Stefan Stangl kickt seit dem Frühjahr ein Österreicher bei Slovan.

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Bulgarien: Ludogorets Rasgrad

Eine unglaubliche Serie läuft im bulgarischen Fußball. Ludogorets Rasgrad ist seit der Saison 2011/12 durchgehend Meister. Ein Spiel steht in der Saison noch aus, derzeit hat Ludogorets einen Punkte Vorsprung auf ZSKA Sofia. Ein Sieg im letzten Spiel gegen Tscherno More sollte den achten Titel in Folge klar machen.

Der Verein aus der nordostbulgarischen Stadt Rasgrad hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Was Didi Mateschitz für Salzburg oder Dietmar Hopp für Hoffenheim ist, ist Kiril Domuschiev für Ludogorets. Der bulgarische Pharma-Unternehmer und Oligarch investierte Millionen in eine Mannschaft, die mit Bulgarien nur mehr am Rande zu tun hat. 18 Legionäre, darunter acht Brasilianer, schmücken den Kader von Ludogorets. In der Europa League reichte es trotzdem nicht für den Aufstieg in die K.-o-Phase.

Ludogorets ist nach dem FC Levadia Tallinn übrigens der zweite Verein auf der Welt, dem nach einem Aufstieg in die erste Liga in seinem Land gleich das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Supercup geholt hat.

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Albanien: Partizani Tirana

Tirana blüht seit einigen Jahr immer mehr auf, auch dank kontinuierlicher Geldflüsse aus dem Ausland. Viele Exil-Albaner schicken regelmäßig Devisen nach Hause. Zudem pumpt die EU Geld ins Land, Albanien ist seit 2014 EU-Beitrittskandidat. Beim Derby der beiden Hauptstadtklubs KF Tirana und Partizan Tirana versammeln sich mittlerweile fast zehntausend Zuschauer im Stadiumi Kombëtar Qemal Stafa, der Heimstätte von Partizani Tirana. Für die Gelb-Roten (Partizani) ist der 16. Meistertitel eine besondere Genugtuung nach einer langen Durststrecke.

Zuletzt war der ehemalige Armeeklub Partizani vor 26 Jahren Champion, es folgten turbulente Jahre mit Ab- und Aufstiegen – und nun schließlich die Entthronung des Meisters der letzten fünf Jahre, KF Skënderbeu Korçë, einem gut geführter Provinzklub aus dem Süden des Landes. Vor drei Jahren scheiterte Partizani an Salzburg in der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation, auch der Eintritt in die Europa League blieb den Albanern bis dato verwehrt.

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Nordirland: Linfield FC

Der nordirische Rekordmeister hat keinen Platz mehr in seinen Vitrinen im Klubhaus. Mit einem zweistelligen Vorsprung vor Ballymena United gewann Linfield seinen 53. Meistertitel in seiner 133-jährigen Vereinsgeschichte. Im März 1886 wurde der Linfield FC von Arbeitern einer Spinnerei gegründet. Der Titelhamsterer ordnete damit auch die Verhältnisse im nordirischen Fußball neu, nachdem drei der letzten vier Titel an die Crusaders Belfast gegangen waren.

International hielt sich das Glück allerdings weniger an "Fortune Favours the Brave", den Leitspruch Linfields. Immerhin schaffte man es 1967 bis ins Viertelfinale des Europacups. In der jüngsten Vergangenheit schied Linfield regelmäßig in erster oder zweiter Qualifikationsrunde für Europa oder Champions League aus.

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Belgien: KRC Genk

Zu Beginn der Saison hätte kaum jemand darauf getippt, dass der belgische Meister aus der 65.000-Einwohner-Stadt in der Provinz Limburg kommt. Der KRC Genk galt nicht als Favorit auf den Titel, die Mannschaft von Trainer Philippe Clement setzte sich am Ende aber in den Augen vieler Beobachter hochverdient im Meisterrennen gegen den FC Brügge durch.

Die Mannschaft hat die 1. Division mit starkem Offensivfußball dominiert und in den entscheidenden Phasen Nerven bewiesen. Für Genk ist es der vierte Meistertitel nach 1999, 2002 und 2011. Auch international lief es für die Blau-Weißen, die 2002/2003 schon einmal Champions League gespielt hatten, nicht so übel. Man scheiterte erst im Sechzehntelfinale der Europa Liga an Slavia Prag.

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Niederlande: Ajax Amsterdam

Ajax Amsterdam hat sich nach dem dramatischen Champions-League-Aus rasch mit dem niederländischen Meistertitel getröstet. Der Rekordchampion feierte seinen 34. Titel mit einem 4:1 bei De Graafschap, hätte aber vom großen Konkurrenten PSV Eindhoven so oder so nur noch theoretisch abgefangen werden können.

Ajax feierte eine Renaissance des "totaalvoetbal": Wie die großen Ajax-Mannschaften der Siebzigerjahre um Johan Cruyff wurde dem Ball im Rudel hinterhergejagt. Dazu vereinte Ajax kollektive Ideen (Ballbesitzspiel und Gegenpressing) mit den individuellen Qualitäten seiner Spieler. Die Mannschaft wird aber auseinanderfallen. Die Wechsel von Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt zum FC Barcelona sind bereits fix, weitere Starspieler wie etwa ein Hakim Ziyech werden die nächsten Millionen in die Klubkassa spülen und bei Topklubs anheuern.

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Schottland: Celtic Glasgow

Der Erfolg wird für die Bhoys nicht langweilig. Auf dem Weg zum achten Meistertitel in Folge konnte sich Celtic sogar eine Niederlage gegen die Glasgow Rangers in der vorletzten Runde leisten, dem Erzrivalen blieb dennoch nur Platz zwei.

Seit dem Zwangsabstieg der Rangers 2012 ist Celtic in der heimischen Liga nahezu konkurrenzlos. Der große Rivale musste vor sieben Jahren wegen finanzieller Probleme in der vierten Liga (Scottish League Two) antreten. Mittlerweile zählten die Rangers zwar wieder zu den besten Teams in Schottland, ein Meistertitel hat aber noch nicht herausgeschaut. In der CL-Quali scheiterte Celtic in der dritten Runde an AEK Athen, in der Europa League kam das Aus im Sechzehntelfinale gegen Valencia.

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Russland: Zenit St. Petersburg

Zenit St. Petersburg hat sich seinen fünften Titel in der russischen Premjer Liga gesichert. Dabei profitiert der Uefa-Cup-Sieger von 2008 von einer Niederlage von Verfolger Lokomotive Moskau bei Arsenal Tula. Nur fünfmal verlor das Team von Sergej Semak. Keine Ahnung, was die Flugsicherheit zu diesen Bildern sagt, aber die Spieler von Zenit St. Petersburg dabei zu beobachten, wie sie im Flieger von der ersten Meisterschaft seit 2015 erfahren, hat auf jeden Fall Schubkraft.

In jüngerer Vergangenheit hatte man sich bereits die Meisterschaften 2007, 2010, 2012 gesichert. Der Zuschauerschnitt von Zenit kann sich auch sehen lassen: Knapp 34.000 Fans kamen im Schnitt auf die Krestowski-Insel in St. Petersburg, wo die sündteure Gazprom-Arena steht. In der Europa League scheiterten die Russen im Achtelfinale an Villarreal.

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Serbien: Roter Stern Belgrad

Der serbische Rekordmeister und Rekordpokalsieger Roter Stern Belgrad hat den Meistertitel erfolgreich verteidigt. Bereits zwei Spiele vor Saisonende konnte Crvena Zvezda den 29. Titel der Vereinsgeschichte bejubeln und von Verfolger Radnički Niš nicht mehr von Platz eins verdrängt werden. In der jüngsten Vergangenheit mussten die Rot-Weißen mit einer unübersehbaren Dominanz Partizans fertig werden. Achtmal hatten die Schwarz-Weißen die Nase vorn, nun konnte der Rote Stern seine Bilanz auf immerhin vier Championate aufstocken.

Traurige Erinnerungen an die Serben hatte in dieser Saison Salzburg. Die Bullen schienen schon sicher in der Königsklasse, doch nach einer 2:0-Führung glich Roter Stern Belgrad im Rückspiel in Salzburg innerhalb einer Minute zum 2:2 aus. In der Champions League gab es nicht viel zu erben, aber immerhin: Gegen Finalist Liverpool feierten die Serben daheim einen 2:0-Sieg in der Gruppenphase. (Florian Vetter, 23.5.2019)

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