Können Sie sich Herbert Kickl vorstellen, dass er im Ruderleiberl und angesoffen wildfremden Personen auf Ibiza Dinge erzählt, die entweder frei erfunden sind oder so heikel, dass sie streng vertraulich bleiben müssten? Wohl kaum. Ebenso wenig würde Manfred Hainbuchner oder auch Norbert Hofer in die aufgenommen Szenen passen, die seit Freitagabend die Republik erschüttern.

Bei Jörg Haider hingegen wäre das etwas anders. So wie Heinz-Christian Strache pflegte auch sein einstiges Idol das Image des unangepassten, jugendlichen Rebellen, der sich von herkömmlichen Politikern grundsätzlich unterscheidet. Auch Haider und seine Buberlpartie feierten nächtelang in Discos, waren stets lässig und braungebrannt. Deren Biotop war nicht Ibiza, sondern der Wörthersee. Und auch wenn Haider sonst nicht viel trank, kostete ihm 2008 eine Alkoholnacht das Leben – und nicht nur sein Amt.

Haider und Strache sprachen mit dieser Rebellenmasche vor allem junge Männer an, die sich sonst für politische Botschaften kaum interessierten. Und was immer man von Strache hielt, seine Rap-Videos waren wirklich cool. Ebenso seine Facebook-Seite und die stets gepflegte Marke "HC". All das trug viel zu den Wahlerfolgen der FPÖ bei.

Hedonistisch, undiszipliniert und großspurig

Wer sich so gibt, muss gelegentlich so leben. Der Abend in Ibiza war Ausdruck dieses Lebensstils – hedonistisch, undiszipliniert, großspurig, voller Machismo und sexuell aufgeladen. Das wurde ihm zum Verhängnis.

"Alkoholbedingtes Machogehabe!"
Heinz-Christian Strache erklärt sein Fehlverhalten in einem offiziellen Statement vor Kameras.
DER STANDARD

Das Paradoxe ist, dass Strache seit der Regierungsbeteiligung sein Image und wahrscheinlich auch seinen Lebensstil gewandelt hat. Nun gab er sich als Familienmensch, fürsorglicher Vater und Staatsmann. Doch ein letztes Zeugnis seines früheren Ichs hat ihn eingeholt und seine Karriere beendet.

Es ist unwahrscheinlich, dass die FPÖ in Zukunft weiterhin dieses Coolness-Image pflegen wird. Das macht sie nicht weniger gefährlich. Straches Gerede von einer Krone-Übernahme, die ihm den Wahlsieg bringen werde, war ein Hirngespinst. Kickls Pläne für den Umbau der Republik sind hingegen ernst. Aber ob die FPÖ bei Wahlen weiterhin so erfolgreich sein wird, wenn sie nur rechts und nicht mehr cool ist, bleibt offen. (Eric Frey, 18.5.2019)

Heinz-Christian Strache geht von der politischen Bühne ab.
Foto: Reuters/Foeger