Von René Benko bis Johann Tschürtz: Sowohl der Immobilientycoon wie auch der blaue Landeshauptmann-Stellvertreter aus dem Burgenland wurden ohne Zutun in das Video-Gate von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hineingezogen. Sie waren nicht die Einzigen. Wer dementierte und wer schmutzige Zehennägel hatte

Heinz-Christian Strache (49), unfreiwillige Hauptfigur im Video, das auf Ibiza bereits 2017 geheim aufgenommen worden ist. Seine Prahlereien im Gespräch mit einer vermeintlichen russischen Investorin über Staatsaufträge für millionenschwere Spenden hatten ein verspätetes Nachspiel: Strache ist seit Samstag nicht mehr Vizekanzler und FPÖ-Chef. Auf dem Sessel des Wiener Landesparteichefs versucht er sich zu halten – noch.

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Johann Baptist Gudenus (42) war offenbar leichte Beute für den Lockvogel. Der Freund Straches und auch gleichzeitig sein Klubchef legte die Rutsche zu dem Treffen mit der "Oligarchennichte" – und war dort dann mit von der Partie. Er übersetzte ins Russische. Was unverstanden blieb (Glock!), wurde mit wilden Gesten dargestellt. Auch er ist seit Samstag seinen Job los.

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Aljona Makarowa (Wahrer Name und Alter unbekannt) ist ein Phantom. Im Video taucht nur eine verpixelte Hand von ihr auf. Laut "Süddeutscher Zeitung" wurde die Frau unter diesem Namen bei Gudenus vorstellig. Er soll sie für die Nichte des russischen Gasoligarchen Igor Makarow gehalten haben. Der hat nur keine Nichte.

Bekannt ist sonst nicht viel, außer: "Bist du deppert, die ist schoarf" (@ Strache).

Später wurde der nunmehrige Ex-Vizekanzler misstrauisch. Warum? Die schmutzigen Zehennägel der Gesprächspartnerin machen Strache kurz stutzig, seien sie doch gar nicht "Oligarchinnen-like". Er sagt zu Gudenus: "Falle, Falle, eine eingefädelte Falle." Der winkt ab: "Des is ka Falle."

Johann Tschürtz (59), burgenländischer Landeshauptmann-Stellvertreter, muss sich wegen seiner Urlaubsplanung erklären. War er doch wie Strache 2017 auf Ibiza. Von den Gesprächen will er nichts mitbekommen haben. "Nein, wir haben uns am Strand getroffen, aber von irgendwelchen Gesprächen habe ich nichts gewusst", sagt der Freiheitliche. Die Koalition mit den Roten ist im Burgenland dennoch geplatzt.

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Heidi Horten (78), deutsche Milliardärswitwe und Mäzenin, kommt in die Ziehung, weil Strache damit prahlt, sie habe große Summen an die FPÖ gespendet – über einen Verein, es solle ja alles legal sein. Diese Darstellung Straches ließ Horten umgehend vehement dementieren.

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Novomatic (39) ist ein internationaler Glücksspielkonzern. Strache will auch von dieser Seite Geld für seine Partei bekommen haben, behauptet aber: "Novomatic zahlt alle."

Im Konzern reagierte man not amused: Ein Dementi kam umgehend. Sprecher Bernhard Krumpel erklärte noch am Freitagabend, es seien von Novomatic "keine Spenden an politische Parteien getätigt" worden, auch nicht über einen "Verein". Man halte sich ganz an die strengen internen Spenden- und Compliance-Richtlinien.

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René Benko (41), österreichischer Unternehmer und Investor, durfte bei Straches "Best of Spender" nicht fehlen.

Strache führt ihn folgendermaßen an: "René Benko, der die ÖVP und uns zahlt ... einer der größten Immobilienmakler Österreichs." Ein Sprecher des Immobilientycoons dementierte am Freitagabend Zahlungen an die FPÖ, "sowohl direkt als auch indirekt".

Straches Redseligkeit ist für den Unternehmer doppelt heikel: Er ist seit dem Vorjahr Miteigentümer der "Kronen Zeitung". Die bot Strache auf Ibiza großzügig der "Oligarchin" an. Dann sollte alles "zack, zack, zack" gehen.

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Hans Peter Haselsteiner (75), Strabag-Eigentümer und Ex-Chef des Baukonzerns, scheint ein besonderer Lieblingsfeind der Blauen zu sein.

"Du, das Erste in einer Regierungsbeteiligung, was ich heute zusagen kann, ist: Der Haselsteiner kriegt keine Aufträge mehr", hält Strache fest und bekommt weitere Allmachtsfantasien: Er rät der "Oligarchin", eine "Firma wie die Strabag" zu gründen, "weil alle staatlichen Aufträge, die jetzt die Strabag kriegt, kriegt sie dann".

Haselsteiner, der früher das Liberale Forum und jetzt die Neos unterstützt hat, ist alarmiert. Er will nun alle Verfahren prüfen lassen, in denen sein Konzern bei staatlichen Aufträgen leer ausging. Sein Hauptaugenmerk: die Westbahn. (red, 19.5.2019)

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