In der LGBT-Community haben sich nicht alle lieb.

Foto: AP Photo/Silvia Izquierdo

Es klingt ein wenig absurd: Jene Community, die seit jeher diskriminiert und auf die hinuntergetreten wurde, diskriminiert selbst. Aber viele, die Teil der LGBT-Community sind, haben Missbilligung von anderen queeren Personen erfahren.

Keine Butchlesben, keine Bi-Frauen

In der Lesbenszene sind es besonders die Butch-Lesben, die es schwer haben. Die männlich wirkenden Frauen sind zu wenig "Frau" für manche. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die hyperfemininen Frauen – auch das wird in der Lesbenwelt nicht besonders gern gesehen. "No Butch, No Bi", sagt man in der lesbischen Szene. Bisexuelle Frauen werden nicht als richtige Lesben angesehen. Hier spielt auch die stereotype Angst mit, dass diese Frauen in einer Beziehung mit einer anderen Frau "etwas vermissen".

Keine femininen, asiatischen, fetten, schwarzen Männer

In der Schwulenszene ist die Anti-Haltung noch viel stärker. Die primär aus weißen Männern bestehende Community – ein Bild, das sowohl historisch wie medial verbreitet wird – ist berüchtigt für ihren Rassismus. Der Spruch "No Fats, no Fems, no Asians, no Blacks" ist Symptom dieser Diskriminierung: Asiaten, Schwarze, dicke und feminine Männer sind das Gegenteil des idealen schwulen Mannes. Der ist nämlich weiß, groß, muskulös – und wirkt wie ein Hetero. Dieses Bild wird von Instagram indoktriniert, in der Szene und im Dating-Bereich ausgelebt. Jeder, der nicht dem Ideal entspricht, hat schon Probleme, jemanden kennenzulernen. Ist man zu dünn oder zu dick, wird man selten angeschaut oder angesprochen. Asiaten und Schwarze werden beim Datingprofil schon ausgemustert, denn dort steht ohne Skrupel, dass sie einen gleich gar nicht anzuschreiben brauchen – ebenso wie feminine Männer.

Trans-Personen sind der Missachtung durch andere besonders stark ausgesetzt. Sie haben es in der Community schwer, als "richtiger Mann" oder "richtige Frau" angenommen zu werden. Einige Kräfte in der Community sagen überhaupt, dass Trans-Personen nicht zu bi- oder homosexuellen Menschen dazugehören, da es sich dabei nicht um eine sexuelle Orientierung handelt.

Welche Diskriminierungen haben Sie erfahren?

Warum ist die Szene Ihrer Meinung nach teilweise so stark diskriminierend? Haben Sie an sich selbst schon missbilligende Haltungen erlebt? (rec, 24.6.2019)