Sprach schon im Sommer 2017 auf Ibiza von Milliardär René Benko und Interesse, die "Krone" zu übernehmen: Heinz-Christian Strache. Nun liefert das Video auch Munition im Gesellschafterstreit.

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Die deutschen "Krone"-Gesellschafter luden für Montag zur nächsten Runde, Christoph Dichand als Herausgeber abzusetzen. Die Dichands dürften dafür einige Fragen über Strache und Benko auf Ibiza stellen.

Zack, zack, zack: Munition im "Krone"-Streit

Zack, zack, zack sorgt Heinz-Christian Strache für Munition im Streit der "Krone"-Eigentümer um die Macht beim Kleinformat: In dem 2017 heimlich auf Ibiza aufgezeichneten Sieben-Stunden-Video plauderte der damalige FPÖ-Chef und Noch-nicht-Vizekanzler neben Übernahmestrategien für die "Krone" im Zusammenhang mit dem Kleinformat auch über den Immobilienmilliardär René Benko.

Benko ist seit Ende 2018 tatsächlich mittelbar an der "Krone" beteiligt, als Partner der deutschen Funke-Gruppe. Benko hält seit Ende 2018 eine Minderheitsbeteiligung an jener Firma der Funke-Gruppe, die 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" sowie fast 50 Prozent am "Kurier" besitzt. Straches Aussagen von 2017 über Benko und einen weiteren Investor mit Funke-Kontakten sollen die österreichischen Hälfteeigentümer, Familie Dichand, nach unbestätigten STANDARD-Informationen zu einer Menge Fragen an die deutschen Mitgesellschafter angeregt haben.

Benko und Pecina

"Strache kennt auf Ibiza schon das Interesse Benkos, bei der 'Krone' einzusteigen", twitterte "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk. Er konnte das komplette im Juli 2017 aufgenommene Video aus der Finca auf Ibiza bei der "Süddeutschen Zeitung" in München sehen. Strache sagt dort etwa, er habe bei seinem Ibiza-Besuch auch den Tiroler Milliardär auf dessen Yacht Roma besucht: "Ich war jetzt gerade beim Benko, ich war bei ihm auf dem Schiff."

Im Video will Strache einen anderen Investor bemühen, um der vermeintlichen russischen Oligarchennichte die Funke-Anteile an der "Kronen Zeitung" zu vermitteln. Heinrich Pecina, der schon die Zeitungen der Essener Mediengruppe in Ungarn übernommen hat. Pecina hat viele Blätter an einen Viktor Orbán nahestehenden Oligarchen verkauft und den regierungskritischen "Nepszabadsag" gleich selbst eingestellt. "Die Funke-Gruppe will ihren Anteil loswerden, sie hat einen Zorn auf die Familie Dichand."

Die vermeintliche Investorin gibt vor, sie sei mit den Dichands in Kontakt über einen Kauf von deren "Krone"-Anteilen. Das lässt Strache von einer ganz auf FPÖ-Linie gebrachten "Krone" träumen. Die weitaus größte Tageszeitung Österreichs könnte die Freiheitlichen bei der damals anstehenden Nationalratswahl von 27 auf 34 Prozent pushen. Dafür müssten nur "zack, zack, zack" kritischere Journalisten entfernt und Vertrauensleute eingesetzt werden.

Nächster D-Day vertagt

Für kommenden Montag hat die Funke-Gruppe nach STANDARD-Infos eine Gesellschafterversammlung bei der "Krone" einberufen. Thema: die Abberufung von Mitgesellschafter Christoph Dichand als Herausgeber und Chefredakteur der "Kronen Zeitung" wegen Spesenvorwürfen. Schon im März führte ein ähnlicher Antrag der deutschen "Krone"-Gesellschafter zum Patt – die 50 Prozent der Familie Dichand stimmten dagegen. Die Abstimmungen im März brachte die Funke-Gruppe inzwischen vor das Handelsgericht Wien. Sie argumentiert, Christoph Dichand hätte in eigener Sache nicht mitstimmen können. Das Handelsgericht sei nicht zuständig, sagen die Dichands – Gesellschafterstreit müssten Schiedsgerichte klären.

Die beiden Streitparteien äußerten sich nicht auf Anfragen des STANDARD in den vergangenen Tagen. Damit standen auch Bestätigungen aus, ob die Gesellschaftersitzung am Montag tatsächlich stattfindet. Die Funke-Gruppe hat sie jedenfalls beantragt.

Update: Die für Montag geplante Sitzung, von der auch der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wurde kurzfristig abberaumt.

Im Juni – wenn die Gesellschaftergremien der "Krone", des "Kurier" und der Mediaprint turnusmäßig tagen – dürfte es weitergehen. (Harald Fidler, 24.5.2019)