Ein Blick auf die Ergebniskarte zeigt: Österreich ist großflächig türkis eingefärbt – es gab bei der EU-Wahl nur noch wenige Gebiete, in denen die SPÖ ihre Mehrheit behaupten konnte.

Wenn man die Daten genauer betrachtet, dann sieht man doch deutliche Unterschiede: Im Land Salzburg betrug das Plus der Volkspartei knapp zwölf Prozentpunkte und brachte der Partei von Sebastian Kurz (und Landeshauptmann Wilfried Haslauer) Ergebnisse jenseits der 40-Prozent-Marke – zuletzt hatte es das bei der als "Kanzlerwahl" bekannt gewordenen Nationalratswahl 2002 gegeben. Und: Im Land Salzburg gibt es nur ganz wenige Gemeinden, die rot eingefärbt sind – nur Bürmoos und St. Johann im Pongau haben relative SPÖ-Mehrheiten.

Eine großflächige Betrachtung zeigt nur Kärnten rot, neuerdings ist auch das bisher rote Burgenland türkis gefärbt. Ein näherer Blick zeigt aber, dass schon auf Bezirksebene – in Eisenstadt-Umgebung, Mattersburg und Oberwart – relative SPÖ-Mehrheiten bestehen. Und im "roten" Kärnten sind je fünf Bezirke mehrheitlich rot beziehungsweise türkis. Ob aber die politische Farbenlehre – bei der es nur wenige blaue und grüne Flecken gibt – auch bei der nächsten Wahl wirksam wird, ist seriös nicht vorherzusagen.

Konflikte locken an die Wahlurnen

Die EU-Wahl wurde sowohl von den Parteien als auch von den Medien zunächst als "Wahl zweiter Ordnung" betrachtet – also als eine Wahl, in der es um vergleichsweise wenig geht.

Um die Spannung zu erhöhen, hat vor allem die ÖVP das Vorzugsstimmenmodell in ihre Wahlbewegung eingebracht: Abgesehen davon, dass bei einer EU-Wahl bereits fünf Prozent der Parteistimmen zwingend zu einer Umreihung der Liste führen, mussten sich die ÖVP-Kandidaten dazu verpflichten, eine Umreihung ihrer Liste nach der Anzahl der Vorzugsstimmen zu akzeptieren. Daher mussten alle Kandidatinnen und Kandidaten der Volkspartei ihre eigenen Anhänger so gut wie möglich mobilisieren. Dabei dürfte es im Sinne der Wählermaximierung durchaus nützlich gewesen sein, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz und sein Spitzenkandidat Othmar Karas nicht in allen Fragen auf derselben Linie gewesen sind.

Die Vorzugsstimmen-Mobilisierung dürfte bei der ÖVP Barbara Thaler (ursprünglich achter Listenplatz) und Alex Bernhuber (elfter Platz) ein Mandat sichern. Klarerweise haben auch die Konflikte rund um die Regierungskrise Freunde und Gegner dazu motiviert, diesmal wählen zu gehen – am Ende stieg die Wahlbeteiligung um 14 Prozentpunkte.

Der Grüngürtel in Wien ist schmäler geworden

Die Grünen schafften in Wien ohne Briefwahlstimmen 20,0 Prozent. Damit konnten sie ihr herausragendes Ergebnis bei der EU-Wahl 2014 von 20,9 Prozent fast halten. Dennoch wurde der Grüngürtel in der Bundeshauptstadt schmäler: In Rudolfsheim-Fünfhaus, Landstraße und Margareten färbte die SPÖ die vor fünf Jahren noch grünen Bezirke wieder rot ein. Gehalten werden konnten fünf Innergürtelbezirke sowie Währing und Hernals.

Die SPÖ legte in Wien ohne Briefwahlstimmen um knapp drei Prozent zu und erreichte 30,6 Prozent. "In Wien zeigt sich die volle Stärke der Sozialdemokratie", kommentierte Bürgermeister Michael Ludwig. Mit mehr als der Hälfte der abgegebenen Stimmen geht Rot-Grün damit gestärkt aus den EU-Wahlen hervor – auch wenn der Wahlsieger ÖVP heißt.

Denn die Türkisen legten um 4,6 Prozent auf 21,2 Prozent zu, überholten FPÖ und Grüne und landeten im Parteiranking auf Rang zwei. Der Zuwachs der ÖVP, die ihre Spitzenposition in den Hochburgen Innere Stadt, Döbling und Hietzing halten konnte, blieb aber deutlich unter dem Bundestrend. Türkisen Aufschwung gab es in den Randbezirken wie Favoriten – dort, wo die FPÖ viele Stimmen verlor. Insgesamt hielten sich die blauen Verluste (minus 2,7 Prozent) in Grenzen: Die FPÖ erreichte 15,5 Prozent.

Sprengelergebnisse aus Wien

Für Wien stehen zudem Sprengelergebnisse bereit. In der folgenden Karte finden Sie nicht nur die stärkste Partei je Wahlsprengel, sondern auch die Wahlbeteiligung und Hochburgen aller Parteien.

(cs, kies, krud, mcmt, 26.5.2019)