Thiem erfüllt die Pflicht.

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Es war auch viel Elegantes bei Tommy Paul dabei.

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Nach vier Sätzen ist Schluss.

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Next: Alexander Bublik.

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Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Als Tommy Paul den ersten Ballwechsel im Match gegen Dominic Thiem gewann, jubelten einige Fans am Court Suzanne Lenglen von Roland Garros, als wäre die Partie bereits gewonnen. Der Punktgewinn sollte kein One-Hit-Wonder bleiben, der 22-jährige US-Amerikaner konnte dem Vorjahresfinalisten im ersten Satz lange Zeit Paroli bieten. Erst als Paul gegen den Satzverlust servieren musste, zog Thiem die Daumenschrauben an. So machen das die Großen. Und Thiem ist einer von ihnen. Nach 33 Minuten entschied er den ersten Durchgang mit einem Break zum 6:4.

Was wusste man vor diesem Match der ersten Runde über Tommy Paul? Wenig. Aber immerhin: Er gewann 2015 die French Open der Junioren. Damit kann Thiem nicht aufwarten. Der Österreicher verlor 2011 das Endspiel gegen einen gewissen Björn Fratangelo. Ebenfalls US-Amerikaner. Fratangelo hat sich nie in der absoluten Spitze etablieren können, er ist aktuell die Nummer 137 der Welt und verlor in Paris in der zweiten Runde der Qualifikation. Junioren- und Profibewerbe, das sind zwei paar Tennisschuhe.

Die Winner

Auch Tommy Paul kämpft um den Anschluss. Die Nummer 131 der Weltrangliste plagt sich in erster Linie auf der zweitklassigen Challenger-Tour. In dieser Saison hatte er noch kein einziges Spiel auf ATP-Ebene absolviert. Und das erstaunt. Das zeigt, wie eng es an der Spitze zugeht. Denn auch im zweiten Satz zeigt Paul keinen Respekt vor seinem Gegenüber. Nummer vier der Welt? Who cares? Paul macht, was Thiem vorbehalten schien: Er schlägt die Winner. Beim Stand von 3:3 gelingt ihm tatsächlich das Break, diesen Vorsprung lässt er sich nicht mehr nehmen. Thiem schlägt eine Rückhand ins Netz, es steht 1:1 in Sätzen. Ein Qualitätsunterschied ist nicht zu erkennen.

Ist Thiem jetzt angezählt? Also bitte, ein Satzverlust kann diesen Mann nicht schrecken. So schnell ist er nicht aus dem Konzept zu bringen. Auf seinem Weg ins Endspiel ging der Österreicher im Vorjahr drei Mal über vier Sätze. Business as usual. Und Tommy? Bricht er ein? Oder kann er das Tempo halten? Nun, er kann es. Er kämpft, er beißt, er lässt auch im dritten Satz nicht locker. Im Gegenteil, bei 3:3 brennt der Hut, muss Thiem unter der Anfeuerung seines Trainers Nicolas Massu einen Breakball abwehren.

Kurzer Schock im Tiebreak

Im Tiebreak der nächste Schocker: Paul zieht auf 4:0 davon. Die österreichischen Journalisten sehen sich nach Rückflugtickets um. Aber Thiem findet zu sich, kontert, gewinnt das Tiebreak 7:5 und geht mit 2:1 Sätzen in Führung. Das Stadion tobt. Man stelle sich an dieser Stelle die Mimik von Ex-Trainer Günter Bresnik vor. Er würde dreinschauen wie immer.

Als US-Amerikaner, Franzose, Australier oder Engländer genießt man im Tennissport einen nicht unwesentlichen Vorteil. Wild Cards! Also quasi unqualifizierte Zugänge zu den Grand-Slam-Turnieren. Die vier Verbände spielen sich die freien Eintrittskarten untereinander zu. Das bringt den Spielern Startgelder und die Möglichkeit, sich dank der saftigen Prämien auf professionelle Beine zu stellen. Nicht jeder Spieler nutzt diese Chance auf ein Freispiel so gut wie Paul am Montagabend. Auch wenn er den Court an diesem Tag letztlich als Verlierer verlassen wird.

Thiem macht ernst

Denn im vierten Satz macht Dominic Thiem ernst. Da ist Schluss mit lustig, da kommt Paul nicht mehr mit. Nach zwei Stunden und 31 Minuten verwertet der Österreicher den ersten Matchball zum 6:4, 4:6, 7:6, 6:2. Die anschließende Dankesrede hält er auf Französisch. Nicht für Fortgeschrittene, aber immerhin. So macht man sich in Paris beliebt, so bringt man das Publikum auf seine Seite.

In der zweiten Runde trifft Thiem am Donnerstag auf Alexander Bublik aus Kasachstan. Die Nummer 91 der Weltrangliste setzte sich gegen den deutschen Qualifikanten Rudolf Molleker in vier Sätzen durch. Die beiden Spieler treffen zum ersten Mal aufeinander. Eine weitere Unbekannte. (Philip Bauer aus Paris, 27.5.2019)