DER STANDARD

Zwischen Hollywoodlegende Arnold Schwarzenegger und Bundespräsident Alexander Van der Bellen sitzt sie. Die, um die sich am Dienstag beim Austrian World Summit in der Hofburg und später beim Climate Kirtag am Heldenplatz insgeheim alles dreht. Die, die als Erste den Klimaschutz – das eigentliche Thema der Veranstaltungen – personifizierte und damit ein Vorbild für Millionen Schüler wurde, die auf der ganzen Welt freitags für Klimaschutz demonstrieren. Greta Thunberg, das 16-jährige Mädchen, das seit Monaten Titelblätter füllt.

Wenige Minuten vor ihrem Auftritt warnt Van der Bellen, dass die Zeit davonlaufe: "Der Klimanotstand ist längst da", sagt er, und: "Nur wenn wir das, was wir schon lange wissen, in die Tat umsetzen, kann Hoffnung entstehen." Greta Thunberg begrüßen zu dürfen sei eine Ehre, sagt er, der sich auch dafür entschuldigt, dass er wegen innenpolitischer Entwicklungen nur kurz am Gipfel teilnehmen könne.

Die beiden Stars auf der Konferenz: Greta Thunberg und Arnold Schwarzenegger.
Foto: R20AWS/Martin Hesz

Wenige Minuten nach Thunberg wird Schwarzenegger über sie sagen: "Sie ist eine Träumerin, eine Visionärin" – und sie sei wie die meisten Träumer, die die Geschichte verändert haben, nicht allein. Er selbst sei früher als verrückt bezeichnet worden, weil er unmögliche Ziele hatte: Bodybuilding-Champion, Filmstar, Politiker. Nun würden Millionen mit Greta "Action" von den Erwachsenen verlangen, die Versprechungen machen würden, die sie nicht hielten.

"Viele, die heute da sind, sind Führungspersönlichkeiten, Präsidenten, Promis, CEOs und Journalisten. Die Menschen hören euch zu, und deshalb habt ihr auch eine große Verantwortung." Greta Thunberg fordert die Teilnehmer des Klimagipfels auf, endlich zu handeln.
ORF

"Wir sind soziale Tiere"

Als das Mädchen mit den Zöpfen auf die Bühne geht, bricht Applaus aus. Was sie sagt, hat Gewicht. "Die meisten von uns wissen nichts über die grundlegenden Fakten", sagt sie mit ruhiger, deutlicher Stimme. Doch weil wir soziale Tiere seien, sagt Thunberg, würden wir uns zu Führungspersönlichkeiten hingezogen fühlen. Die Reihen sind gefüllt mit Männern im Anzug und Damen in Kostümen. "Sie, die Sie heute da sind, sind Führungspersönlichkeiten", sagt Thunberg. "Die Menschen hören Ihnen zu! Sie haben Einfluss und Verantwortung, und das ist eine Verantwortung, die die meisten von Ihnen nicht übernommen haben."

Schwarzenegger bei seiner Rede, in der er zu mehr "Action" und großen Träumen aufrief.
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Arnold Schwarzenegger ist der Gastgeber des Gipfels, bis Mittwoch sollen hier Politiker, Experten und Prominente mit den rund 1.200 Besuchern aus 30 Nationen über Klimafinanzierung diskutieren. In den Räumlichkeiten vor dem Festsaal zeigen sich heimische und internationale Unternehmer von ihrer besten Seite. Billige Plastikfeuerzeuge sucht man hier vergeblich, auf dem Austrian World Summit werden frische Orangen und Bleistifte über Vollholzstehtische gereicht.

In Nebenräumen wickeln die Führungspersonen, die Greta Thunberg in ihrer Rede ansprach, Businessdeals auf Palettenmöbeln ab, wie man sie sonst aus Kaffeehäusern im siebenten Bezirk kennt. Die Einnahmen der Merchandise-Produkte – Turnbeutel und T-Shirts mit Schwarzenegger als Terminator und dem Schriftzug "Terminate Pollution" darauf – sollen an Klimaprojekte gehen.

Klimaschutz für breites Publikum

Für die breite Menge findet vor der Hofburg später am Nachmittag der öffentlich zugängliche Climate Kirtag statt: Zwischen Foodtrucks und Infoständen, zwischen einer Hüpfburg der ÖBB und einem Plastikmeer von Sodastream treten neben Schwarzenegger und Thunberg auch Conchita und Pizzera & Jauss auf. Während die ersten Anzugträger mit Rollkoffern die Hofburg wieder verlassen, stehen hier am Nachmittag tausende Menschen in Regenjacken im Schlamm.

Junge Klimaaktivisten versammeln sich am Climate Kirtag. Nach Thunbergs Rede stimmen sie kollektiv zu einem Lied an: "Bella ciao" ist die Melodie, "We need to start right now" der Text.
Foto: Christian Fischer

"Das Klima braucht eine Person wie sie" und "Sie hat recht: Das Haus brennt", sagen die Menschen dort. Thunberg sei das Aushängeschild der Klimaproteste, sagt auch Aktivist Johannes Stangl am Climate Kirtag. Dass sie als "Maskottchen auftritt, finde ich schade". Denn der Gipfel werde benutzt, damit Regierende sich als große Klimaschützer darstellen könnten, während sie Klimaziele verfehlen würden, sagt Stangl und reiht sich damit in eine Reihe Kritiker ein. Sein Ziel: die Menschen zu motivieren, mit Greta auf die Straße zu gehen. Neben ihm verteilt eine junge Frau Flyer: den Aufruf, am Freitag wieder für das Klima zu streiken – kommenden Freitag wird Thunberg mit den österreichischen Klimaaktivisten mitmarschieren.

Schwarzenegger "will be back"

Den Menschen im Schlamm sagt die junge Schwedin, nun mit blauem Hoodie über dem rosa Shirt: "Wir Kinder sollten nicht die sein, die die Verantwortung übernehmen müssen. Aber die Weltführer lassen uns keine andere Wahl." Die junge Menge stimmt ihr johlend zu, streckt meterlange bedruckte Banner, die Greta Thunberg in Wien willkommen heißen, und von Hand beschriftete A3-Blätter auf Holzstöckchen in die Luft.

Greta Thunberg hat Starcharakter. Am Dienstag teilte sie sich eine Bühne mit Arnold Schwarzenegger und Conchita – der Applaus für die junge Schwedin war der lauteste.
Foto: Christian Fischer

Arnold Schwarzenegger kommt am Abend erneut nach Thunberg auf die Bühne, erneut folgt ein flammender Klimaappell: "Verlassen wir uns nicht auf Politiker und Regierungen", sagt der Ex-Gouverneur. "Sie könnten die Klimaziele erreichen, wenn sie euch repräsentieren würden. Aber vielleicht repräsentieren sie stattdessen die Öl- oder Automobilindustrie." Er zähle auf die Menschen, die heute hier seien: "Wenn ich euch zu hundert Prozent hinter mir weiß, dann verspreche ich euch: I'll be back." (Gabriele Scherndl, 28.5.2019)