An der Seitenlinie zeigt Christian Ilzer Emotionen.

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Ilzer schaffte es mit dem WAC auf den dritten Platz.

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Jose Mourinho ist kein Vorbild mehr.

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Wien – Am Mittwoch um 13.30 Uhr wird Christian Ilzer in der Generali Arena als Trainer der Wiener Austria vorgestellt. Der Dreijahresvertrag ist signiert, Sportdirektor Ralf Muhr und Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer werden den 41-jährigen Steirer freundlichst begrüßen, die Wahl begründen. Muhr tat das schon vor ein paar Tagen, als mit Ilzer nicht alles, aber doch vieles geklärt war. "Unsere Ideen sind deckungsgleich, wir haben die gleiche Philosophie. Fußballspielen mit Ball, mit hoher Intensität und und Leidenschaft. Das passt zur Austria."

Vor gut einer Woche, Ilzer war noch mit Leib und der dazugehörigen Seele Coach des Wolfsberger AC, sprach er mit dem Standard über seine doch ungewöhnliche Karriere. Und darüber, dass er sich mit dem WAC im Zielhang befinde, nur mehr der Zielsprung bewältigt werden müsse. Der Sturz wurde vermieden, die Kärntner schlugen Sturm Graz 2:1, landeten auf Platz drei in der Meisterschaft und in der Gruppenphase der Europa League.

Historisch für den Kärntner Fußball. Dass die Lavanttal-Arena für so ein Ereignis nicht gebaut wurde und man nach Graz ausweichen muss, wusste Ilzer. Aber er wusste auch, dass ihn dies nicht mehr betrifft. Denn seine Landung sollte, so stand es im Fluplan, in Wien erfolgen. Er gab "keine Wasserstandsmeldungen" ab.

Kein Karriereplan

Der zweifache Familienvater versichert, nie einen Karriereplan entworfen zu haben. "Ich spucke keine großen Töne. Ich bin mit jeder Faser Trainer, möchte jeden Tag, jede Stunde besser werden, lernen. Und an Aufgaben reifen." In Puch bei Weiz geboren, hat es nie zu einer Karriere als Fußballer gereicht. Drei Kreuzbandrisse in der Jugend stoppten diesbezügliche Ambition, der Traum konnte nicht einmal beginnen. "Aber der Fußball hat mich nicht losgelassen. Ich beschloss, Trainer zu werden." Mit 17 half er beim SC Weiz aus. "Ich wollte beweisen, man kann auch ohne große Karriere als Fußballer etwas erreichen."

Er nahm sich Jose Mourinho zum Vorbild, der konnte nie gut kicken. "Mittlerweile ist er kein Vorbild mehr, er ist zu sehr Selbstdarsteller. Ich rücke lieber in den Hintergrund." Ein gutes Orchester müsse auch ohne hektischen Dirigenten musizieren, auf dem Platz die richtigen Entscheidungen treffen, auf sich ändernde Situationen reagieren können.

"Ein harter Weg"

24 Jahre ist Ilzer in dem Job, er hat Sportwissenschaften studiert. "Es war ein harter Weg, hin und wieder ist ein Dorfblatt zu mir gekommen, und ich durfte ein Interview geben." Die Arbeit eines Trainers hänge nicht vom jeweiligen Level ab. "Aber irgendwann muss man halt auf einen aufmerksam werden."

Der Aufstieg Hartbergs 2018 in die Bundesliga war Ilzers Durchbruch. Der WAC, bei dem er davor Co-Trainer war, klopfte an, der Rest ist historisch. Mit bescheidenen Mitteln wurde der Kader zusammengestellt, eine perfekte Mischung aus Routiniers und Talenten. "Die Hierarchie passte." Mittelfeldregisseur Michael Liendl über den nun scheidenden Trainer: "Er hatte immer die richtigen Lösungen, war absolut glaubwürdig."

Blick auf die Anderen

Ilzer ist stets gut damit gefahren, "keine persönlichen Eitelkeiten zu haben. Es ist wesentlich, eine Mannschaft zu lassen, damit sie selbstständig wird." Nach wie vor schaut er sich bei der Kollegenschaft um. "Was macht Klopp? Was macht Guardiola?" Aber auch: "Was macht Hütter? Was macht Glasner? Was macht Rose?" Und er strapaziert den unvermeidlichen Satz. "Ich kopiere niemanden, bin mein Original."

Unlängst ist er in Frankfurt gewesen, hat sich das Halbfinale der Europa League zwischen der Eintracht und Chelsea angeschaut. "Umwerfend die Stimmung, ich habe mir gesagt, Ähnliches will ich auch erleben." Dass der WAC momentan näher als die Austria dran ist, mag eine Laune des Fußballs sein. Die Violetten haben trotzdem das fünffache Budget. Am Mittwoch um 13.30 Uhr spricht Christian Ilzer über seine Pläne. Gelandet ist er bereits. (Christian Hackl, 28.5.2019)