Diese numerischen Ziffern (hier am Ziffernblock eines US-amerikanischen Smartphones) sind arabischen Ursprungs. Dennoch will die Mehrheit der US-amerikanischen Bürger nicht, dass sie in Schulen unterrichtet werden.

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Um das wissenschaftlichen Allgemeinwissen des durchschnittlichen US-Amerikaners ist es nicht allzu gut bestellt. Das belegte auch jüngst ein Quiz, das hier in der deutschen Version absolviert werden kann. Während die STANDARD-Leser, die sich den elf Fragen stellten, bisher im Schnitt 9,7 Fragen richtig beantworteten, waren das bei den repräsentativ ausgewählten US-Quizteilnehmern nur 6,7 Fragen.

Das US-Meinungsforschungsinstitut Civic Science hat nun noch einmal nachgelegt und 3.624 US-Bürgern folgende Frage (bzw. leicht gemeine Falle) gestellt: "Sollte in amerikanischen Schulen das Lehren arabischer Ziffern Teil des Lehrplans sein?". 2.020 Personen antworteten mit Nein", und nur 29 Prozent sagten Ja – obwohl natürlich jeder US-Bürger täglich die arabischen Ziffern von 0 bis 9 verwendet. John Dick von Civic Science berichtete auf Twitter so über dieses eher peinliche Ergebnis:

Wie der Chef des Meinungsforschungsinstituts erklärt, sei es darum gegangen, die Vorurteile jener Personen zu testen, die den Inhalt der Frage nicht richtig verstehen. Die meisten Leute würden die Ursprünge unseres Zahlensystems nicht kennen und wählten eine entsprechend "tribalistische" Antwort – gegen das fremde "Arabische".

Doch gelten solche Vorurteile quasi auch am anderen Ende des ideologischen Spektrums? Zu diesem Zweck legten die Meinungsforscher den befragten Personen eine zweite Fangfrage vor: "Sollte in amerikanischen Schulen das Lehren der Schöpfungstheorie des katholischen Priesters Georges Lemaître Teil des wissenschaftlichen Lehrplans sein?" Die Antworten fielen ähnlich aus: 53 Prozent waren dagegen – und das, obwohl Lemaître als Begründer der Urknalltheorie gilt, die heute kosmologischer Standard ist.

Besonders hoch war die Ablehnungsrate bei jenen Personen, die sich selbst als Demokraten bezeichneten. Aufschlussreich ist in beiden Fällen, dass US-Amerikaner sehr viel lieber eine blöde Meinung vertreten würden als ihr eigenes Unwissen zuzugeben. Denn für die Antwortalternative "I don’t know" entschieden sich bei beiden Fragen nur die wenigsten.

Damit fand im Übrigen auch eine Umfrage aus dem Jahr 2015 ihre Bestätigung. Damals wurde danach gefragt, ob die US-Truppen die Stadt Agrabah bombardieren sollte. 41 Prozent der Trump-Unterstützer und 19 Prozent der Demokraten waren dafür, obwohl Agrabah eine fiktionale Stadt aus dem Disney-Cartoon "Aladdin" ist. (tasch, 30.5.2019)