Graz/Innsbruck – Der Anfang April dienstfrei gestellte Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie am LKH Graz will sich rechtlich wehren. Er klage auf Wiedereinstellung, nachdem er diese Woche nun entlassen worden sei, sagte der Mediziner der "Tiroler Tageszeitung" (Sonntagsausgabe). "Was hier abläuft, kann ich nicht mehr nachvollziehen", kritisierte er.

Ende März hatte in Graz ein Todesfall bei einer Herztransplantation für Wirbel gesorgt: Die Witwe eines 60-jährigen Patienten wandte sich nach dem Tod ihres Mannes an die Öffentlichkeit. Sie wollte nach der ihrer Meinung nach verpfuschten Transplantation vor Gericht ziehen. Der 60-Jährige hatte 2016 am LKH Graz ein neues Herz bekommen, doch es soll bei der Entnahme verletzt worden sein.

Auch in einem weiteren Fall, der sich im Jänner ereignete, geriet der Tiroler Mediziner ins Schussfeld: Ein 70-Jähriger war auf der Kardiologie des LKH in Behandlung gewesen, dort wurde auch ein erster Eingriff durchgeführt. Anschließend sollte sich der Patient auf der Herzchirurgie einer Operation unterziehen. Dort entdeckte man allerdings einen "beherdeten Zahn", der bei einer Operation ein Risiko darstellen könnte.

Staatsanwaltschaft Graz ermittelt

Also wurde der Patient entlassen, damit er sich bei einem Zahnarzt in Behandlung begeben könne. Doch dazu kam es nicht mehr, denn der Mann hatte zu Hause einen Anfall und starb. Die Staatsanwaltschaft Graz leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den nunmehr ehemaligen Leiter der Herzchirurgie ein.

"Hier werden Vorwürfe erhoben, die nicht mit meiner globalen Verantwortung für die Abteilung verknüpft werden können", wehrte sich der Arzt in der "TT". Ihm sei es naturgemäß unmöglich, Fachärzte, die eigenverantwortlich handeln dürfen und müssen, ununterbrochen zu überwachen. "Bei der Herztransplantation war ich im Urlaub und bei der kurzfristigen Entlassung des Patienten, damit er sich beim Zahnarzt behandeln lassen kann, stand ich selbst im Operationssaal. Ich hatte keine Kenntnis von dem Vorgang und wurde nicht einmal kontaktiert", wies der Mediziner die Vorwürfe zurück.

"Privatpatienten bei Operationsterminen nie bevorzugt"

Auch Anschuldigungen, er habe Privatpatienten bei Operationen vorgereiht, würden jeglicher Grundlage entbehren. Diesbezüglich sei er bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. "Das sind völlig absurde Vorhaltungen. Ich habe Privatpatienten bei Operationsterminen nie bevorzugt, sondern alle medizinischen Eingriffe wurden nach transparenten Kriterien eines Operationsmanagements vorgenommen. Das ist nachweis-und belegbar", so der Arzt. Außerdem habe es sich bei drei Viertel aller von ihm durchgeführten Operationen um keine Klassepatienten gehandelt. Nachweislich habe er vor allem Allgemeinpatienten mit schwierigen Erkrankungen, die sonst niemand operieren konnte, versorgt. (red, APA, 2.6.2019)