Am Sonntag geriet ein Kreuzfahrtschiff in Venedig außer Kontrolle.

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Venedig – Nachdem ein außer Kontrolle geratenes Kreuzfahrtschiff beim Anlegen in Venedig am Sonntag ein Ausflugsschiff gerammt hat, gehen die Wogen um den Kreuzfahrttourismus wieder hoch. Bürgermeister Luigi Brugnaro beschuldigte die italienische Regierung, keine Lösung für eine alternative Route außerhalb des Giudecca-Kanals finden zu wollen, der zum berühmten Markusplatz führt.

"Wir haben jetzt gesehen, was geschieht, wenn niemand handeln will. Niemand will in Venedig, dass die Schiffe weiterhin den Giudecca-Kanal durchqueren. Es gibt eine Lösung, über die sich alle einig sind: Der Verkehrsminister soll sich entscheiden", sagte Brugnaro dem "Corriere della Sera" vom Montag.

Der Bürgermeister fordert, dass Kreuzfahrtschiffe in Marghera anlegen und über den tiefer auszubaggernden Kanal Vittorio Emanuele und den Canale dei Petroli fahren sollen. Damit seien Bürger, Gemeinde, Hafenbehörde und die Region Venetien einverstanden. Jetzt fehle noch grünes Licht der Regierung. Auch die Verantwortung für den Unfall vom Sonntag liege bei der Regierung. "Wir brauchen sofort eine Lösung", sagte der Bürgermeister.

"Missachtung der Sicherheitsregeln"

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft von Venedig eine Untersuchung eingeleitet. Der Verdacht lautet auf Missachtung der Sicherheitsregeln, teilte der ermittelnde Staatsanwalt Bruno Cherchi am Montag mit. In den nächsten Tagen soll ein Expertenteam eingesetzt werden, das die Sicherheitsvorkehrungen an Bord des Kreuzfahrtschiffes "MSC Opera" prüfen soll. Der Kapitän hatte einen Motorschaden gemeldet, sagte der Leiter des Schlepperdienstes, der die "MSC Opera" bis zu ihrem Liegeplatz begleiten sollte.

Zwei der vier beim Unfall verletzten Touristinnen bleiben vorerst im Krankenhaus. Eine 66-jährige Australierin erlitt ein Brust- und Rückentrauma. Eine 71-jährige Neuseeländerin muss an der Schulter operiert werden, berichteten lokale Medien. Eine US-Bürgerin und eine weitere Australierin, die ebenfalls verletzt wurden, konnten das Krankenhaus bereits wieder verlassen.

Demonstration am Samstag

Der ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, die Regierung werde bis Juni ein endgültiges Projekt vorlegen, um die Kreuzfahrtschiffe aus dem Giudecca-Kanal zu bringen. "Wir sind für den Bann der Kreuzfahrtschiffe. Wir wollen aber zugleich nicht den Kreuzfahrttourismus verlieren", sagte Toinelli der Tageszeitung "La Stampa" vom Montag.

Für Samstag ist eine Demonstration des Komitees "No Grandi Navi" geplant. Dieses setzt sich für eine Verbannung von Kreuzfahrtsschiffen aus Venedig ein. Mehr als zwei Millionen Kreuzfahrttouristen kommen jedes Jahr in die Lagunenstadt, das bringe 430 Millionen Euro in die Stadtkasse und erhalte mindestens 5.000 Arbeitsplätze, erklärt die Hafenbehörde. Seit der Havarie der Costa Concordia vor der Insel Giglio im Jahr 2012 ist jedoch die Sorge groß, dass eine ähnliche Katastrophe auch in Venedig passieren könnte. "Kreuzfahrtschiffe raus aus der Lagune", lautet der Slogan von "No Grandi Navi". (APA, 3.6.2019)