Herbert Kickl weiß, was er tun würde, wenn er Strache wäre.

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Folgt Philippa Strache ihrem Mann in die Politik? Oberösterreichs Vizelandeshauptmann Manfred Haimbuchner müsste dann vielleicht noch einmal überdenken, ob er begeistert ist.

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Wien – Das Dementi folgte prompt und mit Nachdruck. Nachdem die "Tiroler Tageszeitung" am Wochenende berichtet hatte, die oberösterreichische FPÖ bereite schon einen Antrag auf Parteiausschluss von Heinz-Christian Strache vor, ließ deren Landesobmann Manfred Haimbuchner noch am Sonntag via Facebook wissen: "Es gibt vonseiten der FPÖ Oberösterreich keinerlei Überlegungen, Vorbereitungen oder gar fertige Anträge in diese Richtung."

Die Klarstellung kommt nicht von ungefähr. In der FPÖ ist man sich dessen bewusst, dass der Umgang mit dem Ex-Parteichef derzeit eine äußerst heikle Geschichte ist. Ein Blauer sagt dazu ganz offen: "Wenn wir versuchen, Strache auszuschließen, läuft das auf eine Parteispaltung hinaus." Der ehemalige Vizekanzler habe noch immer enorm viele Anhänger unter den Funktionären.

Nimmt er das EU-Mandat an?

Und nicht nur dort. Wie berichtet kam Strache bei der EU-Wahl auf fast 45.000 Vorzugsstimmen, wodurch er einen Anspruch auf ein Direktmandat hat. In einer ersten Reaktion kündigte der langjährige Obmann an, das Mandat anzunehmen, löschte das entsprechende Facebook-Posting aber rasch wieder. Seither lässt er die Partei zappeln.

Wie es in Parteikreisen heißt, haben der designierte Parteichef Norbert Hofer und Klubobmann Herbert Kickl in persönlichen Gesprächen versucht, auf ihren Ex-Chef einzuwirken. Der frühere Innenminister sagte auch in einem Interview unmissverständlich: "Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich es nicht annehmen." Zusatz: "Ich kann aber seiner Entscheidung nicht vorgreifen."

Die neue Parteispitze weiß: Im Wahlkampf würde sich der politische Gegner genüsslich darauf stürzen, wenn Strache nur wenige Wochen nach dem Ibiza-Video bereits wieder sein politisches Comeback feiert. In diesem versprach er ja einer vermeintlichen Russin, ihr öffentliche Aufträge zuzuschanzen, wenn sie an die FPÖ spendet – natürlich am Rechnungshof vorbei. Mit dem gern gepflegten Image des Vertreters des kleinen Mannes passt das nicht so gut zusammen.

Kein Schuldeingeständnis

In der Partei gehen aber viele davon aus, dass Strache das Mandat annehmen wird. Seine jüngsten Äußerungen in ausgewählten Medien deuteten jedenfalls in diese Richtung. Von Schuldeingeständnis oder Einsicht ist da keine Rede. In "Österreich" sprach er am Wochenende davon, das auf ihn verübte "niederträchtige politische Attentat" aufklären zu wollen. Er sei ein "leidenschaftlicher Vollblutpolitiker" ... "das legt man nicht so einfach ab". Er werde sich "in Ruhe mit meiner Frau, Familie und engen Wegbegleitern beraten und in der Folge entscheiden". Aber: "Der Souverän – sprich der Wähler – hat entschieden."

Parteipräsidium tagt

Die Partei wird auch beraten. Am Dienstag tagt das Parteipräsidium. Ob in Sachen Strache Beschlüsse fallen, war am Montag unklar. In der Wiener Landesgruppe, deren Chef er ebenfalls war, zieht Strache jedenfalls weiter die Fäden. Wie berichtet gab er sich in einer internen Whatsapp-Gruppe bereits vor seinem offiziellen Rückzug kämpferisch: "Wiener Vorstand besteht einstimmig auf meinem Verbleib als Obmann", schrieb er da.

Auch jetzt heißt es in FPÖ-Kreisen: Wenn Strache wieder Landeschef sein will, wird ihm niemand im Weg stehen. In der Landespartei seien großteils "Strache-Jünger". Spekuliert wird auch bereits darüber, dass Philippa Strache künftig eine größere Rolle spielen könnte. Da Johann Gudenus und Vizebürgermeister Dominik Nepp nie die allerbesten Umfragewerte hatten, habe Heinz-Christian Strache sie in Richtung Wien-Wahl ohnehin aufbauen wollen – nicht als Spitzenkandidatin, aber im Zuge einer "Teamlösung".

In Interviews gab sich Philippa, die bereits Tierschutzbeauftragte der FPÖ ist, zuletzt gegenüber einem Einstieg in die Politik nicht abgeneigt. Auf die Frage, ob sie sich ein politisches Mandat vorstellen könne, sagte sie in "News": "Ich habe immer gesagt, dass mein Mann genug Politik für uns beide mache. Jetzt, wo sich das Blatt vorübergehend gewendet hat, ist das vielleicht etwas, worüber man nachdenken könnte." Und auch einem raschen Comeback ihres Mannes in Brüssel redet sie das Wort: "Ich persönlich finde, er sollte diesen Schritt wagen." Die Frage ist jetzt, ob Heinz-Christian Strache auf Philippa oder doch auf Herbert Kickl hört. (Günther Oswald, 3.6.2019)