Der Supra sieht so schnell aus, wie er ist. Mit ihm, ist Toyota überzeugt, darf man sich gerne auf den Rennkurs wagen. Gebaut wird die Fahrmaschine, wie BMWs Z4, in Graz.

Foto: Toyota

Wer innen BMW-Handschrift erkennt, liegt nicht ganz falsch.

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Grafik: der Standard

Madrid – Toyota kann also auch herrlich unvernünftig sein. Es gibt ein Leben außerhalb von Vollhybrid, pulsierendes Leben, und es trägt in dem Fall den Namen Supra. Wir steigen nach den Runden auf dem Circuito del Jarama bei Madrid, 1981 wurde hier das letzte Formel-1-Rennen ausgetragen, noch ein wenig adrenalingesättigt aus dem Auto und setzen uns gleich ans Klavier, um die ersten Eindrücke festzuhalten, Sie entschuldigen den daraus resultierenden Restenthusiasmus.

Was für eine Fahrmaschine. Gran. Di. Os. Schon die Anfahrt von Madrid zum Circuito offenbarte: Der Supra ist nervös wie ein junges Rennpferd, nicht erst im Sportmodus, wie der BMW Z4, sondern schon im Basisbetrieb.

Unpeinlich

Und dann, Rennstrecke: Wie präzise das lenkt, wie perfekt die Ingenieure das Fahrwerk ausbalanciert haben, wie bereitwillig der Reihensechser werkt, wie gefühlvoll die ZF-8-Gang-Automatik die Leistung rüberbringt, wie unpeinlich der sonore Sound sich bis in höhere Tonlagen stets harmonisch zum Geschehen mengt, wie die Sitze sitzen – einen Teil davon hat nicht etwa Al Capone bespannt, sondern ein gewisser Al Cantara, mit rutschfestem, tierschonendem Leder. Dürfte unsereins sich noch etwas wünschen, dann das noch fettere M-Volant von BMW. Aber ist so schon auch in Ordnung, sehr in Ordnung.

Damit zum allgemeinen Teil der Erzählung. In Kooperation mit den Weißblauen haben die Japaner die fünfte Generation des Supra entwickelt, "GR Supra" heißt das bitte schön korrekt, beharrt Toyota, gern tun wir ihnen einmal den Gefallen. GR steht für Gazoo Racing, Toyota hat diese Sportabteilung 2015 gegründet, der Supra ist das erste konkrete Fahrzeug, das darunter firmiert. Und nein, hinter Gazoo steckt nicht etwa der halbherzige Versuch der Japaner, "Gasfuß" phonetisch zu transkribieren, wenn auch damit die Richtung gewiesen wäre.

Doppelt gemugelt

Generation fünf? Die erste von 1978 war noch das Celica-Topmodell, die vierte von 1993 führte dieses Bügelbrett von Heckspoiler spazieren, aber wenn wir uns das äußere Erscheinungsbild des Neuen zugute führen, dann zeichnet sich klar eine Anlehnung an den 2000 GT von 1967 ab, bis hin zum Doppelmugeldach. Dem Chefdesigner Nobuo Nakamura ist es also gelungen, aus der gegebenen Z4-Grundform einen eigenständigen Charakter zu formen. Brachial in der Optik, aber das passt ja zum Anspruch, einen reinrassigen Sportler ins Rennen zu schicken, zum Leitmotiv, eine hochemotionale Ansprache zu erzielen. Schließlich gehe es darum, Fans zu gewinnen. Fans, Fans, Fans.

Ganz wesentlich zum fahrdynamischen Totaleindruck trägt das aktive Hinterachs-Sperrdifferenzial bei, das Innen- und Außenrad gesondert ansteuert und eine sauberere Linie ermöglicht, als die meisten Durchschnittsfahrerinnen und -fahrer wie unsereins selbst zu ziehen imstande wären.

GT86

Weiters trägt zum satten Auftritt, zum Eindruck, das Ding würde regelrecht auf dem Asphalt kleben, die Annäherung an das Quadrat beim Bodenkontakt bei. So hat der Supra einen kürzeren Radstand als der GT86, dabei aber reichlich Spurweite (1,59 m), und wie beim Z4 gilt: Achslastbalance 50:50. Über die grandiose 340-PS-Maschine muss man kaum weiter Worte verlieren, doch es ist schon ein Weilchen her, dass Toyota einen Reihensechser verbaut hat – zuletzt 1999 im Lexus IS, eine Eigenentwicklung, jetzt die 3,0-Liter-Maschine von BMW, fraglos eines der besten Triebwerke aller Zeiten. Spötter meinen denn auch, der Supra sei der beste BMW, den Toyota je gebaut habe. Schon, auch, aber doch viel mehr.

Und bevor Sie nun gleich zum nächsten Toyota-Händler sprinten und einen Kaufvertrag unterzeichnen: Vergewissern Sie sich vielleicht erst, ob noch einer frei ist. Denn das Kontingent für heuer, 33 Stück, ist praktisch schon ausverkauft. Erst 2020 kommt dann die nächste Charge. (Andreas Stockinger, 8.6.2018)