Die Keynote ist vorbei, die Katze ist aus dem Sack. In San José hat Apple Montagabend mit einigen Neuigkeiten aufwarten können. Es gab nicht nur neue Versionen seiner Betriebssysteme für Apple TV, die Apple Watch, Macs und Mobilgeräte, sondern auch ein Hardware-Highlight in Form eines neuen Mac Pro.

Doch der Reihe nach.

Neuer Mac Pro

Apples neuer Rechner für Profi-Anwender wurde als regelrechtes Schlachtschiff präsentiert. Unter der Haube werkt eine Intel-Xeon-Server-CPU mit bis zu 28 Kernen und 1,5 TB RAM. Ein riesiger Heatsink soll dabei helfen, das System leise zu halten und stets maximale Leistung zu liefern. Es gibt zahlreiche PCI-Express-Schnittstellen, USB-C, Thunderbolt 3, zwei 10-Gbit-Ethernet-Ports – und auch eine Klinkenbuchse für Kopfhörer.

Dazu zeigte man auch das Mac Pro Expansion Module für Grafikkarten (MPX). Dieses kann mit bis zu zwei AMD-Grafikkarten bestückt werden, in der Maximalausführung kommt das Modell Vega Pro 2 zum Einsatz. Da bis zu zwei MPX mit einem Mac Pro koppelbar sind, kann das System insgesamt also mit vier Grafikkarten hantieren.

Foto: Reuters

Dazu gesellt sich eine eigene Erweiterungskarte für Videobearbeitung namens Afterburner. Mit ihr sollen sich bis zu drei Streams in 8K-Auflösung oder zwölf Streams in 4K betrachten und bearbeiten lassen. Ein 1,4-kW-Netzteil soll ausreichend Strom für den ganzen Spaß liefern, wem der Rechner zu schwer wird, der kann ihn auch auf optional erhältlichen Rädern transportieren.

Zum Mac Pro stellte Apple auch einen neuen Bildschirm vor, das Pro Display XDR. Es bringt 6K-Auflösung auf 32 Zoll mit. Man verspricht hohe Farbechtheit, HDR und verschiedene Referenzmodi. Dazu hat man das Glas ätzen lassen, um störende Effekte durch die matte Beschichtung zu vermeiden. Geliefert werden sollen zudem 1.000 nits Helligkeit permanent, maximal sogar bis 1.600 nits. Das Kontrastverhältnis wird mit 1:1.000.000 angegeben. Via Thunderbolt 3 können bis zu sechs der Displays an den neuen Mac Pro angeschlossen werden.

Den neuen Mac Pro gibt es im Herbst ab 5.999 Dollar zu kaufen, auch eine Version für Racks wurde angekündigt. Das Pro Display XDR wird 4.999 Dollar kosten, Ständer und Wandhalterung sind allerdings extra zu erwerben.

TvOS 13

Die Software von Apple TV erhält mit der nächsten Version Support für mehrere Benutzer. Jeder davon bekommt eigene Empfehlungen für Videoinhalte und Musik. Dazu werden bei Audiowiedergabe künftig Songtexte mit der Musik synchronisiert. Es gibt neue animierte Hintergründe, diesmal mit Aufnahmen aus dem Meer. Und wer über ein Apple-TV-Gerät spielt, kann künftig auch die Standard-Controller der Xbox One und Playstation 4 damit koppeln.

WatchOS 6

Für Apples smarte Uhren gibt es neue Watchfaces und Benachrichtigungstöne. Dazu liefert Apps neue eigene Apps, darunter Audiobooks, Sprachmemos und einen Taschenrechner, der auch Restaurantrechnungen splitten kann. Drittentwickler können nun ebenfalls eigenständige Apps machen, die keine Companion-App am iPhone brauchen. Und sie erhalten Zugriff auf die Schnittstelle für Audiostreaming.

Weiter pflegt man den Fokus auf Gesundheit und Fitness. Activity Trends erlauben nun die Langzeitbeobachtung der eigenen Sportleistung anhand von neun Faktoren. Dazu kann die Apple Watch künftig vor zu hohem Umgebungslärm warnen, um das Gehör zu schonen. Für Frauen gibt es nun ein Feature zum Tracking des Menstruationszyklus. Das Dashboard wurde überarbeitet, es gibt nun gesammelte Gesundheitsnotifications und Highlights. Apple bringt außerdem ein neues "Pride Edition"-Watchband heraus.

Foto: Apple

iOS 13

Seinem nunmehr auf iPhones reduzierten iOS-System beschert Apple einen "Dark Mode". Dieser taucht nicht nur das Interface in dunklere Farben, sondern hüllt auch Apps in optische Dunkelheit.

Dazu gibt es eine Reihe kleinerer Updates. Apps sollen doppelt so schnell starten und Updates kleiner werden. Unterstützt wird jetzt das Eingeben von Worten per Wischgeste, wie man es schon lange von Googles Gboard kennt. Hier heißt das Feature nun "Type Swiping". Diverse Apps bekommen Upgrades, etwa neue Formatierungen für Mails, eine neue Favoritenverwaltung für Safari, per Cloud teilbare Ordner für Notes, und Reminders kann nun automatisch verstehen, wann es an was erinnern soll, Leute markieren und sich in Messages einklinken.

Eigenes Street View, mehr Datenschutz

Maps bietet nun mehr Details, mit Binoculars gibt es einen eigenen Klon von Google Street View, mit dem man bis Ende des Jahres bereits die gesamten USA abdecken will.

Apps kann man nun auch einmalig die Erlaubnis geben, den Nutzerstandort abzurufen. Auch unerwünschtes WLAN/Bluetooth-Tracking soll abgestellt werden. "Sign in with Apple" soll App-Logins ohne Tracking ermöglichen, bei dem keine persönlichen Daten übermittelt werden. Fragen Apps außerhalb davon nach der E-Mail-Adresse, kann Apple automatisch eine Zufallsadresse vergeben, die an die eigentliche E-Mail weiter leitet. Für jede App wird dabei eine eigene vergeben.

Homekit Secure Video bietet Videoanalyse auf iPad, Homepod oder Apple TV, die Aufzeichnungen können dann verschlüsselter in die iCloud hochgeladen werden. Nur der Nutzer soll Zugriff haben. iCloud-User erhalten gratis Speicherplatz für zehn Tage Video, der sich nicht auf das bestehende Kontingent niederschlägt. Erste Hersteller, zum Beispiel Logitech, haben bereits Kameras mit Support angekündigt. Auch Homekit-kompatible Router kommen.

iOS kriegt weiters separate iCloud-Konten für Arbeit und privat in Firmen und Single Signon und kann unbekannte Anrufer automatisch zur Mailbox weiterleiten.

Foto: Apple

Geschminkte Memojis, bessere Fotoverwaltung

Mehr Personalisierung bringt man für Memojis. Diese lassen sich künftig etwa mit Lidschatten, Piercings oder Airpods personalisieren. Memoji Stickers (Stickers aus eigenen Emojis, analog zu Samsungs 3D-Emojis) soll mit allen Geräten funktionieren, die zumindest einen A9-Chip haben, auch ohne Truedepth-Kamera. Das heißt: Für alle iPhones ab dem Modell 6s.

Die Kamera-App kriegt ein anpassbares "Studiolicht" über die Bildschirmbeleuchtung für Selfies. Dazu gibt es bessere Detaileinstellungen für Bildeigenschaften. Effekte und Filter kommen sind nun auch auf Videos anwendbar. Die überarbeitete Fotos-App kann nun Bilder KI-gestützt nach Tagen, Monaten und Jahren organisieren, die besten Shots auswählen, Aufnahmen aus Ereignissen gruppieren und Duplikate entfernen.

Siri, Homepod, Carplay

Siri kann nun sofort Nachrichten gleich vorlesen, wenn man Airpods trägt und ermöglicht Antworten direkt per Sprachnachricht. Apps können dieses Feature via Siri Kit nutzen. Per NFC kann man nun Musik "teilen", also das gleiche Lied gemeinsam mit anderen zeitgleich abspielen.

Für den smarten Lautsprecher Homepod wird ein "Handoff"-Feature eingeführt. Das erlaubt es, das iPhone zum Homepad zu halten, um eine laufende Audiowiedergabe an diesen weiter zu reichen. Dazu sind nun über 100.000 Live-Radiostationen aus der ganzen Welt über Apple Music abrufbar. Homepod kann nun außerdem lernen, von welchem Familienmitglied er angesprochen wird und seine Reaktion personalisieren – etwa bei Musikempfehlungen oder Terminansagen.

Siri soll dank KI-Aufwertung – Neural Text-to-Speech NTTS – künftig auch natürlicher klingen und insbesondere Satzteile besser betonen.

Das Autosystem Carplay erhält ein Redesign der Music-App, sowie ein neues Dashboard und Siri-Support für Drittaps wie Waze oder Pandora.

Foto: Apple

iPad OS

Mit iPad OS stellte Apple außerdem eine iOS-Abspaltung für seine Tablets vor. Diese ist optimiert für größere Bildschirme. So gibt es eine Multi-Window-Funktion, mit der gleiche oder unterschiedliche Apps in mehreren Fenstern angezeigt werden können. Sowohl für die Bedienung des Features, wie auch für die Verschiebung von Inhalten gibt es Drag-&-Drop-Support. Das ganze funktioniert auch mit Drittanbieter-Apps, wie etwa Microsoft Word.

Files bekommt eine Spaltenansicht für bessere Dateiverwaltung und einfache Bearbeitungsmöglichkeiten, zum Beispiel um Bilder zu rotieren. Ordner können über die iCloud geteilt werden. Auch USB-Sticks, externe Festplatten und SD-Karten können nun genutzt werden. Mit an Bord ist zudem nun SMB-Support.

Safari soll auf iPadas nun Browsen der "Desktopklasse" ermöglichen. Wer Webseiten aufruft, sieht statt deren Mobilversionen die Desktopansicht, die jedoch automatisch für Touchbedienung optimiert werden soll. Neu sind auch ein Downloadmanger und verschiedene Keyboardshortcuts.

Beim Betrachten von Dokumenten helfen nun neue Gesten für schnelleres und genaueres Scrollen. Textteile lassen sich einfacher markieren. Swipes mit einem, zwei oder drei Fingern dienen zum Kopieren, Ausschneiden oder dem Rückgängigmachen der letzten Tätigkeit.

Foto: Apple

MacOS 10.15 "Catalina"

Die nächste Generation von macOS bringt das Ende von iTunes, wie man es bisher kannte. Statt dem altbekannten "Gemischtwarenhandel" gibt es neben einem App-Store nun separate Kataloge in Form von Apple Music, Apple TV, und Apple Podcasts. Letzteres lässt Audioinhalte automatisch per KI indizieren, um darin suchen zu können. Apple Music beherrscht nun Dolby Atmos.

Über das neue Feature "Sidecar" gibt es nun eine neue Möglichkeit, einen zweiten Bildschirm anzuhängen. Es ermöglicht die Verwendung eines iPads als touch- und stiftfähiges Zweitdisplay – sowohl verkabelt als auch drahtlos.

Dazu schaffen es neue iOS-Apps auch auf den Desktop, etwa Screentime zur Messung der eigenen "Bildschirmzeiten", das künftig geräteübergreifend rechnet. Via "Project Catalyst" will Apple es anderen Entwicklern erleichtern, ihre iOS-Apps auch auf den Desktop zu bringen und ermöglicht ihnen ab sofort Zugriff auf entsprechende Tools und Schnittstellen. Erste Umsetzungen sind schon angekündigt, darunter Twitter.

Weitere Neuigkeiten

Menschen mit körperlichen Einschränkungen können künftig sowohl macOS als auch iOS komplett mit Sprachbefehlen steuern. "Find My" kann nun auch auf beiden Systemen Offlinegeräte finden. Andere Apple-Geräte fungieren dabei als Relais für ein verschlüsseltes Bluetooth-Signal.

Die Funktion "Activation Lock" kommt auf alle Geräte mit T2-Chip. Geräte können nur vom Nutzer selbst reaktiviert werden und sollen ohne Entsperrung für Diebe komplett nutzlos werden. (gpi, 3.6.2019)