Hinter dem Auge dieser Honigbiene hat sich eine Varroa-Milbe festgesetzt. Sie und ihre unzähligen Artgenossen sind eine Hälfte des massiven Problems, mit dem Bienenvölker derzeit zu ringen haben.

Foto: AP Photo/Florida Division of Plant Industry

Bern – Forscher des Instituts für Bienengesundheit der Universität Bern und des Honigbienen-Forschungsnetzwerks COLOSS haben eine neue Studie zum Bienensterben vorgelegt. Die Faktoren, die darin als hauptverantwortlich genannt werden, sind keineswegs neu: nämlich Insektizide und die Varroa-Milbe. Doch betonen die Forscher um Lars Straub vor allem die Kombination dieser beiden Faktoren. Es ergebe sich ein Synergieeffekt mit tödlicher Wirkung.

Schon seit Längerem wurde vermutet, dass ein Zusammenwirken von verschiedenen Stressfaktoren hinter den hohen Verlusten von Honigbienenvölkern in den vergangenen Jahren stehen könnte. Daten, die einen solchen "Kombi-Effekt" belegen, gab es aber nicht. Die Schweizer Forscher konnten nun aber zusammen mit Kollegen aus den USA und Thailand einen bisher unbekannten Mechanismus nachweisen, der die erhöhten Verluste an Bienenvölkern erklären würde. Die Ergebnisse wurden im Journal "Scientific Reports" publiziert.

Das Experiment

Die Forscher behandelten Arbeiterinnen in Honigbienen-Kolonien mit zwei ausgewählten Insektiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide. Diese hatten laut Uni Bern keinen Einfluss auf Gewicht und Langlebigkeit der Bienen. Sobald allerdings ein Befall mit der Varroa-Milbe hinzukam, konnte ein schädliches Zusammenwirken der beiden Faktoren nachgewiesen werden.

Besonders die langlebigen Winterbienen waren davon betroffen: Sie werden im Herbst geboren, um das Überleben der Kolonie im Winter zu sichern. Der negative Synergieeffekt führte nicht nur zu einer kürzeren Lebenszeit der Winterbienen-Arbeiterinnen, sondern auch zu einer reduzierten Körpergröße. Diese ist jedoch entscheidend dafür, wie gut die Winterbienen ihre Körpertemperatur gegen die Kälte verteidigen können.

Die Forscher plädieren daher einmal mehr für nachhaltige Lösungen in der Landwirtschaft. "Ein reduzierter Einsatz von Insektiziden sowie eine verbesserte Kontrolle der Milbe Varroa destructor sind dringend erforderlich", sagte Straub, Erstautor und Post-Doktorand am Institut für Bienengesundheit. (APA, red, 4. 6. 2019)