Reden, Zuhören und Essen: Donald Trump zu Gast bei der Queen.

Foto: Dominic Lipinski/AP

Ein erstaunlich paradoxer Effekt tritt ein, wenn man Donald Trump bei einem königlichen Staatsbankett in London beobachtet. Denn das über-zelebrierte Essen mit Queen, royaler Familie und Regierungschefin Theresa May wirkt vom getragenen Einzug über den protzigen Blumenschmuck bis hin zu den hymnenspielenden Streichern mehr als ungemütlich. Das von Fernsehsendern live übertragene Mahl erzielt damit Erstaunliches: Man hat Mitleid mit Trump.

Aber eh nur ein bisschen. Denn so unwohl sich der US-Präsident fühlt, so wenig dieser Prunk zu ihm passt: Lustig ist es schon anzusehen, dass er den zu groß geschnittenen Anzug gegen einen Frack tauschen musste, der nicht zu eng geschnitten ist, aber trotzdem ein bisschen so ausschaut.

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Oder wie er sein Schritttempo beim Einzug in den Saal an jenes der Queen anpassen muss. Und dabei den gleichen grantigen Gesichtsausdruck aufsetzt wie ein Wiener, der zu seinem großen Unglück hinter einer langsam gehenden Person auf einem engen Gehsteig dahintrotten muss.

Man darf außerdem annehmen, dass auch das servierte Menü – erster Gang: Gedämpfter Heilbutt mit Brunnenkresseschaum – nicht unbedingt auf den Geschmack des Präsidenten abgestimmt war. Davor galt es für Trump aber ohnehin, die beiden Reden zu überstehen. Seine eigene, die recht bald heruntergelesen war. Und die der Queen, bei der der Präsident immer wieder erschrocken hochblickte, wenn sie ihn ansprach, um die Freundschaft der beiden Länder zu loben. Es ist halt eine ungleiche. (Sebastian Fellner, 4.6.2019)