Gut gefüllte Maschinen, das ist eines der Rezepte der ungarischen Airline Wizz. Und: Der Flug ist günstig, für vieles, was noch dazukommt, fallen jedoch saftige Gebühren an, etwa für größere Gepäckstücke.

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Wien – Vor exakt einem Jahr wuchs die Flotte des Billigfliegers Wizz auf 100 Flugzeuge. Im Jahr 2026 wollen die Ungarn 300 Maschinen in der Luft haben und über 100 Millionen Menschen befördern. Airline-CEO József Váradi steckt seine Ziele hoch. In Wien will man zu den Gewinnern des Preiskampfs zählen, bekräftigt Váradi. Lautete im Vorjahr der Plan, dass heuer in Schwechat fünf Maschinen zu 30 Zielen abheben sollen, wird nun bereits Mitte Dezember ein sechstes Flugzeug stationiert. Mit dem zusätzlichen Airbus A321 will man neue Destinationen wie Alicante, Bremen, Chișinău, Neapel, Oslo und Porto anfliegen und die Frequenzen nach Eindhoven und Tel Aviv aufstocken.

Platz für Wachstum

Anders als bei der Konkurrenz trübt kein Wölkchen Váradis Zuversicht. 28 Prozent, so hoch sei der Marktanteil der Billigairlines mittlerweile in Wien. Der heimische Platzhirsch AUA hält 44 Prozent, Schwester Eurowings acht Prozent, Lauda sieben, Easyjet vier. Da gibt es laut Váradis Einschätzung noch reichlich Raum für Expansion. Vor allem zulasten der AUA, die derzeit versucht, mit Kampfpreisen der Billigkonkurrenz zu trotzen.

Geschuldet ist der Preiskampf in Wien der Pleite der einstigen Niki-Mutter Air Berlin. Die hierzulande dadurch entstandene Lücke versuchten Billigflieger wie Laudamotion, Level, Easyjet, Vueling und Wizz aufzufüllen. "Die Pleiten haben zu einer enormen Überkapazität geführt, die Preise fielen in den Keller und verursachten ein Blutbad", so beschreibt Váradi gerne die Situation.

Gewinnschwelle in Wien

Der massive Preiskampf hat der AUA das erste Quartal kräftigt verhagelt. Bei Wizz hielt sich der Schaden hingegen in Grenzen. Der in London börsennotierte Billigflieger schrieb 2018/19 einen Rekordgewinn von 292 Millionen Euro. Günstige junge Crews, moderne Flotte und Basen dort, wo die Gebühren niedrig sind, so lautet das Rezept, um die Kosten gering zu halten.

In Wien habe man bereits ein Jahr nach dem Start die Gewinnschwelle erreicht. "Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung hier", sagt Váradi. Einen weiteren Schub erwartet er mit dem Airbus A321 neo. Wizz nahm das erste Modell des neuen Arbeitspferdes heuer im März in Empfang. Im kommenden Jahr soll die mit 44,50 Metern längste Version der A320-Familie auch in Wien abheben.

Das Versprechen, das der europäische Hersteller Airbus mit den Fliegern verknüpft: Mit hochgebogenen Flügelspitzen (Winglets) und neuen Triebwerken sollen sie den Airlines helfen, 15 Prozent Flugbenzin zu sparen. Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor: Bei Ultrabilligfliegern wie Ryanair und Wizz machen die Ausgaben für das Tanken fast 40 Prozent aus. Die Personalkosten sind mit acht bis zehn Prozent vergleichsweise niedrig. (Regina Bruckner, 4.6.2019)