Pterosaurier mit Federn galten lange Zeit als Ding der Unmöglichkeit – doch dann wurde dieses Tier entdeckt.
Illustration: Reuters/Yuan Zhang

Vergangenen Dezember präsentierte ein internationales Forscherteam im Magazin "Nature Ecology & Evolution" einen Fund, der bisherige Annahmen über die Evolution der Feder komplett über den Haufen warf – man kann es nicht milder formulieren. In der Inneren Mongolei waren die Fossilien zweier Pterosaurier entdeckt worden – und diese trugen offenbar Federn. Da die Flugsaurier im Stammbaum der Landwirbeltiere ein gutes Stück von den Vögeln entfernt sind, kam diese Entdeckung vollkommen überraschend.

Darauf aufbauend, beleuchtete eine Gruppe britischer und chinesischer Forscher im Magazin "Trends in Ecology & Evolution" die Bedeutung dieses Funds und ließ die sich daraus ergebenden Änderungen in der Chronologie der Feder-Evolution noch einmal Revue passieren.

Immer weiter in der Zeit zurück

Seit dem Fund des ersten Archaeopteryx-Fossils weiß man, dass die Feder mindestens 150 Millionen Jahre alt sein muss. Sowohl der "Urvogel" als auch einige viel später in China entdeckte Zeitgenossen hatten bereits Federn verschiedenen Typs: Daunen am Rumpf ebenso wie Schwungfedern an den Vorderbeinen respektive Flügeln.

Ab Mitte der 90er Jahre wurden in China aber immer mehr Dinosaurier ausgegraben, die ebenfalls Federn trugen, obwohl sie eindeutig nicht fliegen konnten. Diese waren aber immer noch recht nahe mit den Vögeln verwandt, erklärt Baoyu Jiang von der Universität Nanjing, der an beiden Papers beteiligt war.

Die Vorstellung von gefiederten Tyrannosauriern ist Dino-Fans alter Schule ein Gräuel.
Illustration: Beijing Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology, Brian Choo/AP/dapd

Damit setzte ein langsamer Umdenkprozess ein. In der Forschung lief er allerdings deutlich schneller ab als bei den Millionen von Dino-Fans, von denen sich viele bis heute nicht an den Gedanken gewöhnen wollen, dass die populären "Urzeitmonster" in vielen Fällen extravagante Federkleider trugen – womöglich sogar T. rex.

... und immer weiter

Und dann kam Kulindadromeus. Das 2014 in Russland entdeckte Tier trug ebenfalls Federn, gehörte aber zum "falschen" Zweig der Dinosaurier. Diese gliedern sich nämlich in zwei grundlegende Gruppen, und Kulindadromeus gehörte zu derjenigen, zu der die Vögel und ihre Anverwandten nicht zählen. Der Schluss daraus: Federn müssen sich in ihrer Urform schon zu Beginn der Dino-Evolution entwickelt haben, als sich die Dinosaurier noch nicht in besagte zwei Gruppen aufgespalten hatten.

Kulindadromeus lebte vor etwa 168 Millionen Jahren. Seine Federn muss er von den letzten gemeinsamen Ahnen geerbt haben, die er sich mit der Vogelverwandtschaft teilte.
illustration: Andrey Atuchin

Und man muss noch weiter in der Zeit zurückgehen, wenn man zu den letzten gemeinsamen Vorfahren von Dinosauriern und Pterosauriern kommen will. Die beiden jüngsten Funde aus der Inneren Mongolei zeigen, dass der Ursprung der Feder bei diesen Ahnen zu suchen sein muss. Die Feder wäre demnach etwa 250 Millionen Jahre alt – und damit 100 Millionen älter als die Vögel, bilanziert Mike Benton von der Universität Bristol.

Vielseitige Materialien

Die Forscher ziehen eine Parallele zu einer ganz anderen Gruppe von Landwirbeltieren, nämlich den Urahnen der Säugetiere. Zur selben Zeit, in der diese ein Fell entwickelten, brachte die Gruppe, aus der Flugsaurier und Dinos samt den Vögeln hervorgingen, die ersten Federn hervor.

Schmuckfedern haben nicht erst die Vögel für sich entdeckt, wie dieser 161 Millionen Jahre alte Caihong juji zeigt.
Illustration: Reuters/Velizar Simeonovski/The Field Museum for the University of Texas at Austin

In beiden Fällen dürfte die Körperbedeckung ursprünglich der Thermoisolierung gedient haben, vermuten die Forscher. Erst viel später, als Haare und Federn bereits etabliert waren, fand die Evolution zusätzliche Verwendungszwecke für dieses Rohmaterial: So wurde daraus bei manchen Säugetieren ein Körperschutz wie die Schuppen der Gürteltiere oder Waffen wie das Horn der Nashörner – während sich aus den Ur-Daunen geschlechtsspezifischer Körperschmuck und nicht zuletzt flugtaugliche Schwungfedern entwickeln konnten. (jdo, 21. 6. 2019)