Juan Branco will die EU vor den Internationalen Strafgerichtshof zerren.

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Das Spiel mit den Medien kennt Juan Branco bestens. Schließlich ist der gebürtige Spanier nicht nur als Menschenrechtsanwalt, sondern auch als Investigativjournalist für die Monatszeitschrift Le Monde Diplomatique tätig. Nicht verwunderlich also, dass er jenes 241-seitige Dossier, mit dem er mit anderen Rechtsanwälten die EU beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag anzeigt, vorab großen internationalen Medien zugespielt hat, um eine breite Berichterstattung zu erreichen.

Überhaupt ist der braunhaarige Wuschelkopf, der mal mit und mal ohne Schnauzer auftritt, trotz seiner gerade einmal 29 Jahre bereits ein alter Hase, wenn es um brisante Themen geht. Mit 20 Jahren heuerte er beim Internationalen Strafgerichtshof an – genau dort, wo er die EU nun wegen ihrer Flüchtlingspolitik im Mittelmeer und in Libyen hinzerren will. 2012 wechselte er ins französische Außenamt, um Außenminister Laurent Fabius zu beraten.

Assanges Schattenmann

Nach dem Abschluss seines Jus- und Philosophiestudiums an der angesehenen Pariser École normale supérieure und der Yale University folgte der erste große Auftritt im Rampenlicht als Anwalt und Berater von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Zeitweise als einer der Schattenmänner Assanges beschrieben, verhandelte er unter anderem mit den französischen Behörden, Assange Asyl zu gewähren – bekanntermaßen ohne Erfolg.

Auch als Journalist fasste er die heißen Eisen an, etwa als Kriegsreporter im Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik.

Mittlerweile gilt der in Paris lebende Branco, über dessen Privatleben kaum etwas bekannt ist, als Shootingstar der französischen Intellektuellenszene. Zu diesem Ruf beigetragen hat auch seine Unterstützung für die Gelbwesten, deren Anliegen er öffentlich immer wieder verteidigt. Einige von ihnen vertritt er vor Gericht.

Gemein ist den Gelbwesten und Branco die Kritik am aktuellen politischen System. Das Insiderwissen, das der 29-Jährige durch seine Tätigkeiten für die Regierung hat, fasste er unlängst in seinem Buch Crépuscule (Dämmerung) zusammen, das von verschiedenen Seiten gelobt wurde.

Sieg vor Gericht für seinen Vater

Nun also die EU, nun also die tausenden Toten im Mittelmeer. Es muss bei Juan Branco aber nicht immer hochpolitisch sein. Einmal vertrat er auch nur seinen Vater, den Filmproduzenten Paulo Branco, in einem Rechtsstreit mit US-Regisseur Terry Gilliam – und gewann. (Kim Son Hoang, 4.6.2019)