In den Spuren der Riesen haben Zwerge einen guten Platz für ihren Nachwuchs gefunden.
Foto: Steven Platt/WCS

Eine auf den ersten Blick verblüffende, bei näherer Betrachtung aber nur logisch erscheinende Entdeckung haben Forscher in Myanmar gemacht: Im Htamanthi-Wildreservat stießen sie auf Fußspuren von Elefanten, in denen Frösche ihre Kinderstuben eingerichtet hatten. Die mit Regenwasser gefüllten Abdrücke wimmelten nur so vor Froschlaich und Kaulquappen, berichtet das Team um Steven Platt von der Wildlife Conservation Society.

Diese Mini-Habitate bieten einige Vorteile: Sie sind frei von Fressfeinden, zudem können sie als Verbindungslinien zwischen einzelnen Froschpopulationen fungieren und den Amphibien die Weiterverbreitung von Pfütze zu Pfütze ermöglichen. Solange es genug Regen gibt, können diese Feuchtbiotope im Miniaturformat ein Jahr lang bestehen. Und dass Frösche findig sind, wenn es um das Aufspüren geeigneter Nischen geht, kennt man bereits von der Art Microhyla nepenthicola: Diese kleinen Frösche aus Borneo legen ihren Laich in dem Regenwasser ab, das sich im Inneren von Kannenpflanzen ansammelt.

In Myanmar leben schätzungsweise noch etwa 4.000 bis 5.000 Elefanten.
Foto: Reuters/Sukree Sukplang

Elefanten werden damit einmal mehr ihrem Ruf als "Ökosystem-Ingenieure" gerecht, bilanzieren die Forscher ihre im Magazin "Mammalia" veröffentlichte Studie. Alleine schon aufgrund ihrer Größe wirken sich die Rüsseltiere in vielfältiger Weise auf ihre Umwelt aus. Sie wandeln enorme Mengen an Biomasse in Dung um und verteilen diesen ebenso wie Pflanzensamen über weite Strecken. Zudem schaffen sie Schneisen im Wald, in denen sich neue Pflanzen und Kleintiere ansiedeln können.

Dass Elefanten auch zur Verbreitung von Fröschen beitragen, ist zwar eine neue Erkenntnis – passt aber ins Gesamtbild. Möglicherweise sind die Frösche sogar auf diese Hilfestellung angewiesen, spekuliert Platt. Auf jeden Fall zeige sich einmal mehr, dass sich eine Spezies auf zahlreiche andere auswirken kann – mitunter auf eine Weise, mit der niemand gerechnet hätte. Darum sei es auch von zentraler Bedeutung, intakte Ökosysteme mit der vollen Bandbreite an Spezies zu erhalten. (jdo, 10. 6. 2019)