Der Lange Marsch ist unterwegs.
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Peking – China hat erstmals eine Rakete von einem Schiff aus ins All gestartet – die Medien des Landes sprechen von einem "Meilenstein" in der Entwicklung des chinesischen Raumfahrtprogramms. Die Rakete vom Typ Langer Marsch 11 hob in der Nacht zum Mittwoch mit sieben Satelliten an Bord von einer Plattform auf einem Frachtschiff im Gelben Meer ab, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Langer Marsch 11 ist die einzige Feststoffrakete in der neuen Generation der chinesischen Trägerraketen. Die 20 Meter hohe und 58 Tonnen schwere Rakete wird vor allem für kleinere Satelliten eingesetzt und kann mehrere Objekte gleichzeitig ins All bringen. Bei der aktuellen Mission befanden sich zwei Satelliten zur Wetterbeobachtung sowie fünf kommerzielle Satelliten an Bord.

Seestarts reichen ein halbes Jahrhundert zurück

Den allerersten Start von See aus legte 1967 eine US-amerikanischen Rakete vom Typ Scout B hin. Sie hob damals von der San-Marco-Plattform des Luigi-Broglio-Raumfahrt-Zentrums vor der Küste Kenias ab, einem amerikanisch-italienischen Gemeinschaftsprojekt. Diese Plattform wurde bis 1988 betrieben. Seitdem haben dort keine Starts mehr stattgefunden, sie dient nur noch als Bodenkontrolle für verschiedene Satelliten. Der bisher jüngste Start von See aus erfolgte im Mai 2014 durch das Unternehmen Sea Launch, das einen Kommunikationssatelliten ins All brachte.

Raketenstarts von See aus hätten viele Vorteile, vermeldete Xinhua. Schiffe oder auch Plattformen lassen sich in Äquatornähe stationieren, und je näher eine Rakete am Äquator gestartet werde, umso schneller gewinne sie durch die Erdrotation an Geschwindigkeit. Dadurch wird weniger Treibstoff benötigt, weshalb Raketenstarts auf See billiger und wettbewerbsfähiger angeboten werden können. Denn China will seine Dienste laut Xinhua auch anderen Ländern anbieten. Außerdem werde bei Starts auf See das Risiko verringert, dass jemand durch herabfallende Raketenteile gefährdet wird. (APA, red, 5. 6. 2019)