Mit zahlreichen Gästen, Staats- und Regierungschefs gedachten US-Präsident Donald Trump und die britische Königin der anglo-amerikanischen Waffenbruderschaft im Zweiten Weltkrieg.

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Prinz Charles bewundert den D-Day-Kuchen.

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Auf der gewaltigen Bühne am Southsea-Strand, südlich der englischen Hafenstadt Portsmouth, hatte John Jenkins (99) mit klarer Stimme über die Ereignisse vor 75 Jahren gesprochen, als die größte Flotte der Weltgeschichte zur Rückeroberung des europäischen Kontinents ansetzte. Jene Operation Overlord am 6. Juni 1944, dem "längsten Tag", sei "ein großer Teil seines Lebens" gewesen, sagte Jenkins. Als Antwort erhob sich in der Mitte der mit politischer Prominenz vollbesetzten Tribüne die 93-jährige Königin Großbritanniens. Mit Demut und Freude, so Elizabeth II, sage sie "im Namen des Landes, ja im Namen der gesamten freien Welt: Danke".

Die Gedenkfeier am Vortag der Invasion in der Normandie stellte gleichzeitig Höhe- und Endpunkt des Staatsbesuchs von Donald Trump auf der Insel dar. Mit den Staats- und Regierungschefs von 14 anderen Nationen gedachten der US-Präsident und seine Gastgeberin Theresa May der anglo-amerikanischen Waffenbruderschaft im Zweiten Weltkrieg. Von den damals gegen Nazideutschland verbündeten oder von Hitlers Armeen besetzten Ländern fehlte Russlands Präsident Wladimir Putin wegen der illegalen Besetzung der Krim. Ausdrücklich begrüßt wurde hingegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel als Vertreterin des damaligen Feindes. "Unsere Nationen sind längst versöhnt und stehen Seite an Seite beim Streben nach Weltfrieden", betonte Sprecherin Celia Imrie.

300 Veteranen

Das 90-minütige Multimediaevent enthielt Testimonials von damals Beteiligten, Lesungen von Zeitdokumenten und Musik aus den 1940er Jahren; zum Weltkriegs-Schlager We'll meet again schunkelten die Beweglicheren der rund 300 versammelten Veteranen, die meisten von ihnen hoch in den Neunzigern. Trump verlas ein berühmtes Gebet seines Amtsvorgängers Franklin Roosevelt, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trug den Abschiedsbrief des 1943 im Alter von 16 Jahren hingerichteten Widerstandskämpfers Henri Fertet an seine Eltern vor.

Zwei Szenen aus dem preisgekrönten Theaterstück Pressure verdeutlichten den enormen Druck, unter dem die kommandierenden Generäle, angeführt von dem US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, und ihre Meteorologen standen. Nach einem ungewöhnlich heißen Mai war Anfang Juni 1944 das Wetter in England umgeschlagen, plötzlich tobten im zuvor spiegelglatten Kanal gewaltige Atlantikstürme. Der britische Chefmeteorologe James Stagg, dargestellt von David Haig, bewegte den Generalstab zur Verschiebung der Invasion um 24 Stunden, was Dutzende der kleinen Landungsboote vor dem Kentern und das Unternehmen insgesamt vor dem beinahe sicheren Scheitern bewahrte.

Die Gedenkveranstaltung endete mit dem Vorbeiflug historischer und aktueller Flugzeuge der Royal Air Force, darunter ein Spitfire-Kampfflugzeug sowie die berühmte Fliegerstaffel Red Arrows. Am Nachmittag sprangen die Veteranen Tom Rice (97), Harry Read (95) und John Hutton (94) gemeinsam mit französischen Kameraden und heutigen Fallschirmspringern über der Normandie ab. Dort gehen die Gedenkfeiern heute, Donnerstag, dem eigentlichen Jahrestag der Landungen, unter Macrons Ägide weiter.

Gemeinsame Erklärung

Die demnächst aus dem Amt scheidende Premierministerin May nutzte die Gedenkveranstaltung, um ihren schwierigen amerikanischen Gast erneut auf intensivere internationale Zusammenarbeit festzulegen. Eine gemeinsame Erklärung der 16 versammelten Staats- und Regierungschefs verpflichtet ihre Länder "zur Suche nach friedlichen Konfliktlösungen". Mays Gastgeschenk an Trump in ihrem Amtssitz in der Londoner Downing Street war eine Kopie der Atlantik-Charta, einem der Gründungsdokumente der UN. Beim Staatsbankett am Montagabend hatte Queen Elizabeth II von der Bedeutung jener internationalen Institutionen zum Schutz des Friedens gesprochen, bei deren Entstehung die beiden Alliierten eine entscheidende Rolle gespielt hatten.

Trump reiste am Mittwoch auf die grüne Nachbarinsel weiter. Nach einem Treffen mit dem irischen Premier Leo Varadkar erholte er sich auf seinem Golfkomplex im westirischen Bezirk Clare.

Am Donnerstag, dem eigentlichen D-Day, sehen sich Trump und Macron noch einmal bei einer Gedenkfeier auf dem US-Militärfriedhof in Colleville-sur-Mer in der Normandie mit 12.000 erwarteten Besuchern. Danach wird es noch Treffen der beiden in der Hafenstadt Caen geben. (Sebastian Borger aus London, 5.6.2019)