Nigel Farages Brexit-Partei will ins Parlament.

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London – Die Brexit-Partei des rechtspopulistischen EU-Gegners Nigel Farage könnte am Donnerstag ihren ersten Sitz im britischen Parlament gewinnen. Bei einer Nachwahl in der ostenglischen Stadt Peterborough schickt sie einen eigenen Kandidaten ins Rennen.

Dessen Chancen stehen gut, nachdem die erst im Februar gegründete Brexit-Partei bei der Europawahl mit knapp 32 Prozent der Stimmen aus dem Stand auf dem ersten Platz gelandet war. In Peterborough kam die Brexit-Partei bei der Europawahl sogar auf 38 Prozent. Die etablierten Parteien wurden von den Wählern hingegen abgestraft. Die Labour-Partei kam in Peterborough auf 17 Prozent, die Konservativen nur auf elf Prozent.

"Absolut gedemütigt"

Parteichef Farage zeigte sich bei einem Wahlkampfauftritt am vergangenen Wochenende zuversichtlich, dass seine Partei in Peterborough noch besser abschneiden könnte als bei der Europawahl. Die etablierten Parteien seien durch das Wahlergebnis "absolut gedemütigt" worden, sagte er. "Aber in gewisser Hinsicht ist das, was hier am Donnerstag passiert, noch viel größer." Es sei die Chance, das "nächste Kapitel dieser großartigen Geschichte" zu schreiben.

Kandidat der Brexit-Partei ist der örtliche Geschäftsmann Mike Greene. Beim landesweiten Brexit-Referendum 2016 stimmten 62 Prozent der Wähler in Peterborough und Umgebung für einen Austritt aus der EU.

Absetzung

Die Nachwahl in Peterborough war notwendig geworden, weil die ehemalige Labour-Abgeordnete Fiona Onasanya in einem bisher einzigartigen Verfahren von den Bürgern abgesetzt worden war. Die 35-jährige Anwältin war im Jänner wegen Rechtsbeugung zu drei Monaten Haft verurteilt worden, nachdem sie in einem Fall wegen zu schnellen Fahrens gelogen hatte. Sie hatte angegeben, jemand anderes habe am Steuer gesessen.

Onasanya wurde nach dem Urteil von der Labour-Partei ausgeschlossen. Nach vier Wochen Haft wurde sie auf Bewährung entlassen und kehrte als unabhängige Abgeordnete ins Parlament zurück. Auf der Grundlage eines neuen Gesetzes von 2015 wurde jedoch eine Petition für die Absetzung Onasanyas gestartet, die 28 Prozent der Wähler unterstützten.

Bei den Parlamentswahlen 2017 hatte Onasanya für die Labour-Partei mit einem knappen Vorsprung von 1,3 Prozent vor dem Konservativen Stewart Jackson gewonnen. Jackson saß seit 2005 für Peterborough im Unterhaus.

Die Wahllokale schließen um 22 Uhr Ortszeit (23 Uhr MESZ). Das Wahlergebnis wird voraussichtlich Freitagfrüh bekannt gegeben. (APA, 6.6.2019)