Das Epizentrum der Euphorie: Die Raptors lassen den Jurassic Park, die Fanmeile vor der Halle in Downtown Toronto beben.

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Oakland/Köln – Ein großer Schritt in Kalifornien, und der Jurassic Park bebte. Überall rund um die Scotiabank Arena, dort, wo die Toronto Raptors ihre NBA-Heimspiele austragen, feierten die Fans den so wertvollen Coup ihrer Helden im weit entfernten Oakland. Nach dem 105:92 beim Serienmeister Golden State Warriors fehlt tatsächlich nur noch ein Sieg zum Titelgewinn, alles deutet daraufhin, dass der neue Champion im Basketball erstmals aus dem Eishockey-Mutterland Kanada kommt.

"One more game", "noch ein Spiel" schallte es beim Public Viewing in Toronto durch die Straßen, und natürlich wurde "O Canada" angestimmt, die Gesänge waren noch Häuserblocks entfernt zu hören. Auch viele der Fans, die gut fünf Flugstunden auf sich genommen hatten und beim Auswärtssieg auf der anderen Seite des Kontinents dabei waren, schmetterten nach Spielschluss in der Halle die Nationalhymne.

Die große Erfolgschance hat eine enorme Bedeutung für das Land. 1993 haben die Montreal Canadiens als bislang letztes kanadisches Team in der Eishockey-Profiliga NHL triumphiert, danach gab es eine Menge Enttäuschungen. 2004 verlor Calgary das Finale, 2006 Edmonton, 2007 Ottawa und 2011 Vancouver. Seither kam keine Franchise mehr so weit, in dieser Saison reichte es nicht mal für das Viertelfinale.

"Die Leute werden durchdrehen"

Und so gehört plötzlich den Basketballern die ganze Aufmerksamkeit. Mit 3:1 führen die Raptors um Superstar Kawhi Leonard in der Best-of-Seven-Serie gegen den großen Favoriten und Titelverteidiger. Am Montag (Ortszeit) kann Toronto zu Hause alles klar machen, in der erst 24. Saison des Klubs winkt der große Preis.

"Wir fahren nach Hause und die Leute in Toronto werden durchdrehen", prophezeite Trainer Nick Nurse. So langsam glauben die Raptors auch selbst, dass ihr Traum in Erfüllung gehen kann. "Wir haben nie wirklich über den Stand in der Serie gesprochen", sagte Nurse und blieb zurückhaltend. "Wir wissen, wie hart wir spielen müssen, um sie zu schlagen."

Das zweite Finalduell war mit 10,6 Millionen Zuschauern das bis dahin meistgesehene Basketballspiel der kanadischen TV-Geschichte. Der Rekord dürfte Anfang der Woche fallen, kaum vorstellbar, welche Massen die Raptors beim ersten Matchball am Montag bewegen werden. Auch auf den Boulevards.

Torontos letzter Titel durch die Blue Jays

Während Toronto dem großen Moment entgegenfiebert, setzen die Warriors auf Durchhalteparolen. "Es ist noch nicht vorbei", sagte Stephen Curry. Doch der Superstar weiß, dass er wohl zum letzten Mal in Oakland aufgelaufen ist. Golden State kehrt zur nächsten Saison in seine alte Heimat San Francisco zurück, nur mit einem Sieg in Toronto geht es zumindest noch einmal zurück in die Oracle Arena.

Die Raptors haben es in der Hand. In Spiel vier lagen die Gäste bis Mitte des dritten Viertels fast immer zurück, setzten sich dann aber ab und ließen sich den Sieg nicht mehr nehmen. Leonard gelang mit 36 Punkten und zwölf Rebounds ein Double-Double, der Schlüsselspieler lieferte einmal mehr.

Auf Torontos Straßen wurde zuletzt 1993 ein Sportteam groß gefeiert, damals krönten sich die Blue Jays in der Major League Baseball (MLB) zum World-Series-Champion. Es ist Zeit für die nächste Sause. (sid, 9.6.2019)