Dominic Thiem hat auch sein zweites Grand-Slam-Finale verloren.

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Respekt ...

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... nach dem Match.

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Zwölf Titel bei den French Open. Jeder weitere Kommentar überflüssig.

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Paris – Mit Rafael Nadal ist nicht gut Tennis spielen. Vor allem nicht auf Sand, vor allem nicht in Paris. Seit 2005 führt der Spanier bei den French Open ein gnadenloses Regime. Der Österreicher Dominic Thiem zog wie im vergangenen Jahr aus, um den König im Endspiel zu stürzen. Auch diesmal wurde der Machtwechsel vertagt.

Nach drei Stunden war Schluss mit lustig, Nadal hatte das Match mit 6:3, 5:7, 6:1, 6:1 für sich entschieden. Der 33-Jährige steht vor einer echten Mammutaufgabe: Er muss zwölf Stück der Coupe des Mousquetaires mit dem Staubwedel reinigen.

In seiner Gier kriegt Nadal nicht genug von der Silberware. Er prügelt auf die Bälle ein, als gäbe es kein Morgen. Das war am Sonntag nicht anders. Am Court Philippe Chatrier kennt er sich aus, dort hat alles seine Ordnung. Sobald der Spanier die Trinkflaschen richtig positioniert hat, hört man die Knie seiner Gegner bis zum Prinzenpark schlottern.

Thiem ist kein Angsthase, er ist ein Großer. Der 25-Jährige weiß, wie man Nadal biegt. Wäre ja nicht das erste Mal. Von zwölf Partien hatte der Österreicher vier gewonnen. Zuletzt im April in Barcelona. Sobald Nadal aber die Anlage im Bois de Boulogne betritt, schwillt ihm die Brust an, als wäre man Bruce Banner auf die Zehen gestiegen.

Dominique! Dominique!

Hatten Thiem und seine Entourage gegen diese Übermacht das Waffenarsenal aufgepeppt? Ja, in der Defensive wirkt der größte und einzige Sohn von Lichtenwörth stabiler denn je. Seine verbesserten Stoppbälle trieben im Halbfinale Novak Djokovic zur Verzweiflung.

Als Thiem den ersten Ballwechsel gegen Nadal verliert, wird er von einem Spaßvogel per Zuruf aufgerichtet. Das Spiel sei noch nicht verloren. Aber keine Sorge, so schnell gibt die Nummer 4 der Weltrangliste nicht auf. Im Gegenteil, er zwingt Nadal schon in der Frühphase der Partie zu seinem besten Tennis. Das Publikum johlt ob der Ballwechsel, der Satz geht nach einer 3:2-Führung mit 3:6 verloren.

Dominique! Dominique! Das französische Publikum ist mit der korrekten Aussprache des Namens nicht vertraut, will für die teuer erstandenen Tickets aber auf seine Kosten kommen. Es schlägt sich auf die Seite des Underdogs.

Thiem bekommt Oberwasser, im zweiten Satz gelingt ihm beim Stand von 6:5 das Break. Satzausgleich! Das Stadion tobt vor Freude! Ist das der Auftakt zu etwas Größerem? Geht es jetzt los, wie so manche Fans mit rot-weiß-roter Fahne prophezeien? Die Antwort kurz und bündig: Nein.

"Du wirst eines Tages gewinnen"

Denn ab dem dritten Satz geht alles sehr flott. Thiem verliert den Faden, Nadal kommt auf Touren. Und wenn das Werkl des Spaniers läuft, macht es vor nichts mehr halt.

So schnell konnte Thiem gar nicht schauen, stand er schon vor dem Mikrofon: "Ich habe alles gegeben. Ich liebe dieses Turnier, auch wenn die Niederlage hart ist. Ich werde es im kommenden Jahr wieder probieren" Ab dem dritten Satz sei Nadal "eiskalt auf mich drauf gestiegen. Im Endeffekt war es zu wenig."

Nadal wiederum entschuldigte sich für den Triumph und streute dem Verlierer Rosen: "Du bist ein harter Arbeiter und eine Inspiration. Wenn ich gegen jemanden verlieren möchte, dann gegen Dich. Du wirst dieses Turnier eines Tages gewinnen."

Nadal rückt mit seinem 18. Grand-Slam-Triumph Roger Federer (20) näher. Zudem ist er geschlechterübergreifend der erste Profi, der ein einzelnes Major-Turnier zwölf Mal gewinnen konnte. Margaret Court hatte bei den Australian Open zwischen 1960 und 1973 elf Mal triumphiert.

Eine Statistik bleibt erhalten: Thomas Muster ist mit seinem Sieg 1995 weiterhin der einzige Österreicher, der im Einzel ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Er wäre in Paris für ein gemeinsames Foto parat gestanden. (Philip Bauer aus Paris, 9.6.2019)