Surfer-Mode

Die Beinausschnitte von Bikinihosen und Badeanzügen können noch so hoch geschnitten sein – jetzt wird oben herum der Reißverschluss zugezogen: Die sogenannten "Rashguards" erinnern an jene langärmeligen, hochgeschlossenen Neopren-Anzüge, in denen bislang Sommer für Sommer die Surfer auf ihren Brettern standen. Sie sind eine praktische Alternative zu all den Bikinis mit ihren Rüschen und Raffungen und den kreuz und quer verlaufenden Schnüren der angesagten Criss-Cross-Modelle.

Rashguards als Alternative zum Bikini.
Foto: Off-White via Mytheresa

Die gezippten Rashguards (dieser ist von Off-White) werden nun auch von Nichtsurferinnen übergestreift. Weil: Man sieht um Längen sportlicher aus. Und man schützt die Haut gleich mit: Sonnenempfindliche Blässlinge wie Anne Hathaway oder Nicole Kidman wurden auf ihren Badegängen schon in langärmeligen Oberteilen erwischt: Dieser Trend muss jetzt nur noch bei den Bademeistern in Österreich ankommen.

Nachhaltigkeit

Lange fristete nachhaltige Bademode ein Nischendasein. Das hat sich gehörig geändert. Vor allem in den USA und in Australien haben sich unzählige Labels auf Unterwäsche und Bademode spezialisiert. Kaum eines dieser Unternehmen lässt das Thema Nachhaltigkeit links liegen. Konsequenterweise sollte man lange Lieferwege vermeiden und auf europäische Alternativen zurückgreifen.

Auch in der Bademode gibt es eine größere Auswahl an nachhaltigen Alternativen.
Foto: Hersteller

Das dürfte kein Problem sein, die Auswahl ist groß: Die Wiener Marke Margaret and Hermione verarbeitet recycelte Fischernetze, das Berliner Label Frija Omina produziert Badesachen aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle. Und Sofie Andersson, die Designerin hinter dem Label Anek Boutique (siehe Bild), fertigt Bikinis (und Wäsche) aus unverkäuflichen Warenbeständen – die Schwimmkollektion wird aus übriggebliebenen Materialien der Marke Speedo gefertigt.

Frei-Körper-Kultur

Free the Orangenhaut! Was für ein Glück, dass die Bademodenhersteller erkannt haben, dass sie 2019 nicht mehr drum herumkommen, den weiblichen Körper in all seiner Pracht abzubilden. Bäuche, Brüste, Dellen sind seit einigen Saisonen herzlich willkommen in den Bademodenkampagnen. Es ist sogar genau andersrum: Wer heute Bikinis und Badeanzüge ausschließlich mit weißen, streichholzdünnen Bohnenstangen verkaufen will, erntet dafür einen Shitstorm.

Die Körperkarte wird nicht nur von großen Herstellern ausgespielt.
Foto: Monki

Wer hingegen vielfältige weibliche Identifikationsfiguren mit vermeintlichen Makeln einsetzt, wird in den sozialen Netzwerken gefeiert. Das haben nicht nur große Marken wie Monki (siehe Foto), Asos oder der Sports Illustrated-Katalog verstanden, es sind vor allem kleine Hersteller, die die Körperkarte ausspielen. Ob diese neue Körperpolitik der Marken und Unternehmen mehr ist als ein Marketing-Schmäh? Das sollte man im Auge behalten.

Kimonos

Es gibt Frauen, für die ist selbst ein Badeanzug zu wenig für den Strandgang. Meist muss der Pareo als Retter in der Not herhalten, nur: Wie wird er so um den Körper geknotet, dass das Ergebnis nicht nach einem Akt der Verzweiflung aussieht? Auf Youtube erklären unzählige Tutorials ausgeklügelte Wickeltechniken für Pareos. So wird ein Tuch im Nullkommanichts zum Harems- oder Neckholderkleid.

Kimono statt Pareo.
Foto: Irina Gavrich für Margaret and Hermione

Dabei kann man es sich wesentlich leichter machen. Es braucht nicht mehr als einen Kimono (dieser ist vom Wiener Label Margaret and Hermione). Er wird einfach übergeworfen, idealerweise mit der Nonchalance der Exzentrikerin. Eine solche Attitüde lässt sich natürlich schwer über ein Youtube-Video erlernen. Vielleicht hilft fürs Erste die Investition in einen exklusiven Kimono, wie ihn Unternehmen wie Etro oder Gucci in ihren Resort-Kollektionen gezeigt haben. Erster Test: Strandbad Alte Donau, einmal Slalomlauf zum Pommes-Holen.

Einteiler

Eigentlich müsste der verschlossene Badeanzug neben all den freizügigen Kollegen längst ausgestorben sein – selbst Stefanie Sargnagel trägt Bikini, wie sie unlängst auf Instagram bewies. Doch der Einteiler, jene paar Quadratzentimeter textile Unschuld, einst Uniform von Profischwimmerinnen wie Mirna Jukic , ist präsenter denn je.


Der Badeanzug kann auch als Body-Ersatz getragen werden.
Foto: Peek & Cloppenburg

Kein Wunder, der Badeanzug (hier in Regenbogenfarben von Review/ P &C) ist über jegliche Vulgarität erhaben. Noch dazu weiß er vom Schlachtfeld Körper abzulenken: Er verpackt Brust, Bauch, Po, egal welcher Größe und Verfassung, so blickdicht wie kaum ein anderes Stück Badebekleidung. Der Einteiler wird deshalb genauso gern als Body-Ersatz an Land getragen. Das mag Influencerinnen wie Leandra Medine zu verdanken sein: Die Erfinderin des Webmagazins Manrepeller trägt das Stück Elasthan zu Mom-Jeans oder Volantrock – und integriert es ganz beiläufig in ihren New Yorker Alltag. Das können wir hier genauso gut.

Brazilian Cut

Manchmal hilft ein einfacher Namenswechsel. Der gute alte Stringtanga (Stoffdreieck vorne, Gesäßschnur hinten) ist ein anschauliches Beispiel dafür. Denn ein wenig war das Stückchen Stoff, das Ende der 1990er-Jahre vom damaligen Gucci-Designer Tom Ford zum ultimativen Sexsymbol erhoben wurde, in der Versenkung verschwunden. Zu sehr erinnerte er an jene Teile, die damals unter all den Hüfthosen von Miss Sixty hervorblitzten.

Der Tanga hat den Namen gewechselt.
Foto: H&M

Nun hat der Tanga in den sozialen Netzwerken als "Brazilian-Cut-Bikini" einen Neubeginn gewagt. Seither brennt Instagram: Überall schmiegen sich die knappen Bikinihosen, die fast (aber nur fast, siehe Foto von H&M) so schmal geschnitten sind wie der klassische String, in die Pofalten einer Kylie Jenner oder einer Steffi Giesinger. In der Bademodenkollektion von Victoria's-Secret-Model Candice Swanepoel gibt es bezeichnenderweise kaum ein Höschen, das nicht einem "Brazilian Cut" entspricht. Man könnte in diesem Sommer auf den Geschmack kommen.

Paparazzi

Jeden Sommer dasselbe Ritual: Die Paparazzi schwärmen von den roten Teppichen aus nach Andalusien, Santa Monica, auf die Bahamas, nach St. Barth. An den Stränden dieser Welt sind Alessandra Ambrosio, Penelope Cruz, Doutzen Kroes und Michelle Hunziker zum Abschuss bereit: Klick, klick, klick, schon sind die heiteren Bilder der sich auf Badeliegen und auf Yachten räkelnden Strandschönheiten im Kasten. Mit dem Fotomaterial überleben die Boulevardmagazine locker den Sommer. Dort steigen ab jetzt jede Woche neue Bikinis aus den Wellen empor.

Michelle Hunziker mit den beiden Pudeln Lilly und Leone.
Foto: Picturedesk

Dabei hängen längst dunkle Wolken über dem Saisongeschäft der Paparazzi. Die Prominenten nehmen zunehmend die Berichterstattung selbst in die Hand. Auf Instagram werden Bikinibilder vor Sonnenuntergängen geteilt, selbst Michelle Hunziker, die braungebrannte Königin der ligurischen Küste, fotografiert Lilly und Leone mittlerweile selbst. Was für ein Jammer! (Anne Feldkamp, RONDO, 13.6.2019)