Jetzt ist es wieder so weit. Das Wasser steigt und bald treten Bäche und Flüsse aus den Ufern. Und es war abzusehen. Ein harter und langer Winter bringt viel Schnee, der kalte Mai verschiebt die Schneeschmelze nach hinten und jetzt ist es mit einem Mal so warm, dass der ganze Schnee auf einmal schmilzt. Ich bin vor einem Jahr in die Alpen gezogen. Was ich seitdem hier auf 1.100 Meter Seehöhe beobachte, sollte die letzten Klimaleugner eines Besseren belehren - 20 Zentimeter Neuschnee im Hochsommer, verfrühter Viehabtrieb von den ausgetrockneten Almen, ein Jahrhunderthochwasser nach anhaltendem Herbstregen, der Advent so warm, dass die Schneemaschinen zur nutzentleerten Landschaftsdekoration verkommen und erst vor kurzem der letzte Schneesturm im Ort, lange nach dem 1. Mai, als die Freibäder ihre Pforten öffneten.

Wir sehen alle zu, wie uns die Politik geradewegs in die Klimakatastrophe führt

Andernorts ist es noch viel schlimmer. Pakistan und Indien erleben zurzeit eine Hitzewelle jenseits der 50 Grad und in Afrika trocknet der Tschadsee aus. Der australische Think Tank Breakthrough National Centre for Climate Restoration rechnet nun vor, dass alles noch viel schlimmer kommen könnte. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird die Erde bis Mitte des Jahrhunderts großteils unbewohnbar sein. In den Subtropen wird es so warm sein, dass die Landwirtschaft zum Erliegen kommt. Als Folge bricht die Nahrungskette für die Bewohner dort, aber auch für uns zusammen. Große Migrationsbewegungen werden ihr übriges tun.

Wir sehen erst mal zu

Die USA steigen aus dem Internationalen Klimaabkommen aus und hier in Europa wird eine vernünftige Klimapolitik von der paneuropäischen Rechtsallianz rund um Italiens Matteo Salvini boykottiert. Und was machen wir? Wir sehen zu und verfolgen die abwechslungsreichen Sensationsmeldungen zu Wasserstand, Hagelgewitter und Dürrekatastrophen. Auch gut, wenn das offensichtlich der mehrheitliche Zugang zum Thema ist. Aber es sage später einmal nur niemand, er hätte nichts davon gewusst. (Markus A. Gaßner, 13.6.2019)

Zum Thema:

Hochwassergefahr in Westösterreich soll sich am Donnerstag entspannen

Links:

Climate change could end human civilization by 2050: report (New York  Post)

An der Bruchkante (IPG)

Hohe Pegelstände durch Schneeschmelze (ORF Salzburg)

Vom Autor:

Das heimische Wasser

Vom Hochwasser im Tal und dem Klimawandel in der Welt

Die Wetterextreme in den Alpen

Wenn die Gletscher des Himalaja schmelzen